In zwei vorangegangenen Teilen habe ich bereits die Einrichtung eines Monese-Girokontos und die grundlegenden Funktionen erläutert. Doch genug von den Trockenübungen, nun kommen wir zu einem etwas praktischeren Teil…

Mittlerweile sind die ersten Debitkarten angekommen. Sie unterstützen zwar kein NFC, eine Kontaktlosvariante ist aber per E-Mail an den Support bestellbar und wird euch zeitnah zugesendet. Die Debitkarte habe ich in einem Kurzporträt hier auf der Seite EMV-Kartentest vorgestellt.

PIN Services an Barclays-UK-Automat
PIN Services an Barclays-UK-Automat
Kontostandsabfrage und PIN Services auch für fremde Karten bieten viele Geldautomaten z.B. in Polen und Großbritannien an. Der Kontostand wird von dem Automaten immer in Landeswährung angezeigt, auch wenn das Kartenkonto in einer anderen Währung geführt sein sollte. (Das Deutsche Geldautomaten-System ist hingegen nicht nur für den Verbraucher teuer, sondern auch technisch gesehen rückständig, da für fremde Karten außer Barabhebungen keine anderen Services angeboten werden.) Liebe deutsche Leser, wenn ihr eure Monese-Karte erhalten habt, könnt ihr ja einen kleinen Abstecher in eines der schönen europäischen Nachbarländer mit einer PIN-Änderung verbinden. Britische Automaten geben für eine erfolgreiche PIN-Änderung auch eine Quittung aus. Deutsche Automaten tun das bei PIN-Änderung von Karten aus dem eigenen Hause (die manchmal geht) selbst dann nicht, wenn sie als gleichzeitige Einzahlungsautomaten Quittungen drucken können (ja, ich schaue gerade auf euch, Commerzbank).

(Insidertipp: Am Flughafen Berlin-Tegel (TXL) und sicher einigen anderen Flughäfen befinden sich Mehrwährungsautomaten von Travelex. Ich würde dort keine Fremdwährung abheben, da sie eigene wenig attraktive Wechselkurse anwenden. PIN Services wird leider nicht angeboten, sehr wohl aber die in Deutschland sonst unübliche Kontostandsabfrage für Fremdkarten!)

Kiosk im Londoner Zentrum
Kiosk im Londoner Zentrum
Die Bareinzahlung ist typisch britisch, also sehr pragmatisch und benutzerfreundlich gelöst. (Ihr wisst ja, was der Unterschied z.B. zwischen Deutschland und UK ist. In Deutschland stehen an einem Bahnhof immer vier verschiedene Mülleimer. Keiner weiß, wohin sein Müll nun genau gehört und es werfen alle ihren Müll in den falschen Eimer, was die Politiker zum Anlass für mehr Steuern und Verbote nehmen. Anders in UK, wo schlicht ein großer Sack aufgehängt wird und dazu das Schild „All waste in this bin will be sorted after collection for recycling“ – so ähnlich läuft es auch bei Dienstleistungen generell.)

Wir haben es bei diesem Londoner Zeitungskiosk im Ortsteil Holborn, Stadtbezirk Camden erfolgreich durchgeführt. Der Laden wirbt mit dem gelben PayPoint-Logo, wie es viele Kioske in Großbritannien tun. Deutsche Leser kennen wahrscheinlich Cash26 von Number26, das mit Barzahlen.de kooperiert. Das Prinzip von PayPoint ist sehr ähnlich.

PayPoint-Einzahlungsbeleg
PayPoint-Einzahlungsbeleg
Anders als bei Number26 kann bei Monese aber der Einzahlungsbetrag im Laden frei gewählt werden. Es gehen auch niedrige Beträge, wie in diesem Beispiel 20 GBP. Der Vorgang ist einfacher als bei Number26 und benötigt keine umständlichen Barcodes, die man sich in der App ziehen müsste. Man händigt die Karte einfach dem Mitarbeiter über, der sie durch sein PayPoint-Terminal zieht, übergibt ihm den einzuzahlenden Betrag, und bekommt eine Quittung. Die Wertstellung der Bareinzahlung erfolgt beinahe sofort! Wenn der Mitarbeiter zweifelt, sagt ihm einfach, es sei eine „travel money card“, die ihr gerne mit ein wenig Bargeld „top up“ möchtet. PayPoint wird in UK fürs Aufladen verschiedener Prepaidlösungen genutzt und die Händler kennen das Prinzip. Bei Cash26 in Deutschland habe ich hingegen sehr gemischte Erfahrungen gemacht, da musste mal eine Mitarbeiterin am Infoschalter des Real-Marktes Berlin-Spandau die Filialleitung anrufen und um Anleitung bitten!

Das Monese-Konto zeigt natürlich (außer als einfache Form des Devisenkontos) seine Stärken erst dann, wenn man vor Ort in Großbritannien ist. Das Bezahlen mit der Karte ist einfach und macht Spaß, mit der selbst festgelegten Wunsch-PIN noch viel mehr. In UK wird zwar noch viel bar gezahlt, Kartenzahlung ist aber sehr weit akzeptiert. Gut, der ein oder andere Kiosk berechnet einen Mindermengenzuschlag. Aber es ist inzwischen auch nicht mehr unüblich, zwei Biere im Pub oder ein Käffchen und ein Sandwich zuschlagsfrei mit Bankkarte zu zahlen.

"Chip & PIN Only" at the Hare and Tortoise, Brunswick Centre, Bloomsbury, London.
„Chip & PIN Only“ at the Hare and Tortoise, Brunswick Centre, Bloomsbury, London.
Die Visa-Debit-Karte von Monese ist in jeder Hinsicht inländisch, so dass sie an fast allen Karten als „Visa Debit“ oder (bei älteren Systemen, wie z.B. im Shop des Verkehrsmuseums London) als „Delta EFT“ erkannt wird. Und die Karte unterstützt das in Großbritannien immer noch übliche Offline-PIN! Keine Diskussionen mit Gastwirten, die an der Tür warnend aushängen, dass sie nur „Chip & PIN“-Karten akzeptieren. Das mag zwar den Regeln von Visa und MasterCard („honour all cards“) klar widersprechen, aber jede Diskussion kostet unnötig Nerven und wenn man sie auch noch als Nichtmuttersprachler führt, zieht man im Zweifel den Kürzeren. Anders ist etwa die deutsche Visa-Debit-Karte der Consorsbank, die leider nur das normale Visa-Logo führt, kein Offline-PIN beherrscht und von einigen Kassen in UK als „Visa Credit“ fehlerkannt wird.

Da das Konto in GBP geführt wird, bekommt man bei Bezahlungen in UK keine Dynamic Currency Conversion (Währungsumrechnung) aufgedrängt. Die Rechtslage ist zwar eindeutig (Payment Services Regulations 2009, Regulation 49): kein DCC ohne Einwilligung. Aber etwa bei Hotelbuchungen in UK, bei denen die Karte vorab belastet wird, ist die Gegenseite nicht immer ehrlich, so dass man mit der Verwendung einer GBP-Karte langwierige Reklamationen vermeiden kann.

Mit Monese kann man, wenn man öfter in Großbritannien ist, zahlen wie ein Einheimischer. Das sollte einem der geringe Aufwand der vorherigen Währungskonvertierung wert sein, da man einem erheblichen Konfliktpotential aus dem Weg geht und den Urlaub oder auch die Geschäftsreise unbeschwert genießen kann.

Monese App - Umsätze
Monese App (alte Version) – Umsätze
Genug gelesen? Ihr möchtet es selbst ausprobieren?
Ich habe noch 4 Einladungen zu Monese zu verschenken. Hierzu benötige ich lediglich euren Namen und eure E-Mail-Adresse. Ihr benötigt für die Einrichtung darüber hinaus ein Android-Smartphone, einen gültigen Reisepass und gegebenenfalls einen Nachweis einer Adresse in der EU (aus den letzten 3 Monaten, z.B. Kontoauszug eurer bisherigen Bank, Festnetztelefon-, Gas-, Wasser- oder Stromrechnung, oder Gemeindesteuerbescheid).

Als jemand, der nicht nur privat mit Payment im weitesten Sinne zu tun hat, bekommt man im Alltag so einiges zu hören, etwa dass Kartenzahlung für kleine Beträge „affig“, „langsam“ und „umständlich“ sei, schnurstracks in die Privatinsolvenz führe oder die NSA erfahre, was man beim Lieblingsitaliener bestelle.

Taxi im polnischen Szczecin (Stettin). Trotz früher relativ hoher Interchange-Gebühren ist die Kartenzahlung in Polen sehr verbreitet.
Taxi im polnischen Szczecin (Stettin). Trotz historisch relativ hoher Interchange-Gebühren ist die Kartenzahlung in Polen sehr verbreitet.
In der Zeitschrift „Landes- und Kommunalverwaltung“ (LKV), Ausgabe 8/2015, befindet sich ab Seite 352 der Beitrag „Berliner Taxirecht zur bargeldlosen Entgeltzahlung rechtswidrig?“ des Offenbacher Rechtsanwalts Dirk Wüstenberg, der der Diskussion die Krone aufsetzt. (Abonnenten der juristischen Datenbank Beck-Online können ihn hier aufrufen.)
Eigentlich habe ich die Lektüre schon längst verdrängt, doch da Transport for London gerade angekündigt hat, dass die Akzeptanz von Bankkarten in den Taxen der britischen Hauptstadt ab Oktober 2016 verpflichtend wird, wie es in Berlin (nur) theoretisch schon seit Mai diesen Jahres der Fall ist, muss ich doch ein paar Anmerkungen loswerden.

Relativ weit am Anfang der Abhandlung von Wüstenberg steht der folgende Satz (Hervorhebung durch mich): „Die Kartenzahlung gefährdet, wenn sie zu oft in Anspruch genommen wird, de facto die Sicherheit des Taxibetriebs sowie die Sicherheit des Verkehrs.

Der Autor argumentiert damit, dass Kartenzahlung aufgrund eines Forderungsausfallsrisikos weniger Umsätze bedeute. Im Gegensatz zu üblichen Kreditkarten (der Autor nennt „Eurocard, Visa, MasterCard und American Express„) sei bei üblichen Debitkarten (der Autor: „übliche Debitkarten sind jedenfalls EC-Karte und girocard„) die ausstellende Bank nur verpflichtet, wenn das Konto des Kunden gedeckt ist. Die angestaubte Terminologie von „Eurocard“ und „EC-Karte“ ist hier nicht mal der größte Beanstandungspunkt, jedoch werden hier vermutlich das „wilde“ elektronische Lastschriftverfahren (ELV) und die garantierte Zahlung mit girocard, welche dank Mobilfunkabdeckung heutzutage von fast jedem Pizzaservice angeboten wird, durcheinandergebracht.

Der Autor behauptet, dass für die Zeit des Bezahlens und Aussteigens bei Kartenzahlung rund fünf Minuten zu veranschlagen seien, da der Taxifahrer Unterschriften usw. kontrollieren und der Lesevorgang durch das Gerät gelegentlich wegen technischer Probleme wiederholt werden müsse. Dies würde einen Zeitverlust und damit eine Reduzierung von Einnahmechancen im schnellen Taxiverkehr bedeuten, welcher klassischerweise so aussähe: „Der Fahrgast winkt, steigt ein, wird befördert, zahlt in bar und steigt aus.

Aus den Niederlanden: Infografik De voordelen van contactloos betalen.
Aus den Niederlanden: Infografik De voordelen van contactloos betalen
Die Kontaktloszahlung, wie sie in London kommen wird, wird im Aufsatz von Wüstenberg leider nicht diskutiert. Dabei hat man z.B. in den Niederlanden festgestellt, dass spätestens seit der Einführung von NFC das Vorurteil der langsamen Kartenzahlung nicht mehr aktuell ist. Eine Kontaktloszahlung an einer Supermarktkasse dauert rund 12 Sekunden. Das ist 6 Sekunden schneller als eine Barzahlung und immerhin 5 Sekunden schneller als eine traditionelle Zahlung mit PIN.

(Nun ist es auch nicht unbedingt volkswirtschaftlich sinnvoll, wenn ein Taxifahrer seine Beförderungsfälle gegen Ende der Fahrt zu einem Automaten einer Fremdbank fährt, damit sie teuer Bargeld abheben können – lesenswert ist dazu etwa diese Diskussion auf taxiforum.de. Daran stört sich aber offenbar keiner, weil die Rollen von „Gut“ (der einsame deutsche Taxiunternehmer, der alle Bareinnahmen brav versteuert) und „Böse“ (Uber, Amazon, Banken…) fest verteilt sind. Und wo keiner klagt, geht das Geschäft halt weiter wie bisher.)

Der Autor geht nicht auf Vorwürfe ein, dass die fixen Kartenzahlungsgebühren – wie 1,50 Euro nach dem Berliner kommunalen Taxitarif – rechtswidrig sind, da sie gegen die höherrangigen Vorschriften § 312a BGB bzw. Art. 19 der RL 2011/83/EU verstoßen, die Zahlungsmittelentgelte verbieten, welche die tatsächlich anfallenden Kosten übersteigen. Eine Girokartenzahlung mit SumUp oder iZettle kostet ein knappes Prozent vom Umsatz, und auch mit Hardwarekosten wird die durchschnittliche Fahrt – wohl kaum über 100 Euro – für den Taxifahrer kein Verlustgeschäft sein. Diese Vorschriften hat er vielleicht übersehen und stattdessen auf die Linie abgestellt, dass „die Höhe des Zuschlags zu niedrig, weil nicht kostendeckend“ sein könnte. Dass Bargeld auch nicht problemfrei ist – Stichworte Falschgeld, Raubüberfälle… –, ist dabei noch gar nicht einkalkuliert.

Stattdessen heißt es im Text von Wüstenberg, dass nur rund 10% der Fahrgäste, fast nur Geschäftsleute, im Taxi mit Karte zahlen wollen würden. Leider findet sich keine Quellenangabe und die Zahl ist schwer nachvollziehbar, zumal eine öffentliche Konsultation in London 86% Zustimmung zu Kartenzahlungsakzeptanz in Taxen gab. Selbst im eher konservativen Deutschland dürften es mehr als 10% der Verbraucher sein, die die Vorzüge der Kartenzahlung erkannt haben, etwa weil sie aufs Geld achten müssen und ihr Ausgabeverhalten so besser nachvollziehen können.

Und was können wir daraus lernen?

Was die Unternehmen des ÖPNV gerade erst begriffen haben, müssen auch Banken und Zahlungssysteme lernen. Es ist nett, wenn Visa und MasterCard Fußball-Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele als Sponsor begleiten, doch viel besser angelegt ist das Geld in der politischen Kommunikation. Gleichzeitig darf man Karten und mobiles Payment nicht als dekadentes Lifestyleprodukt oder Spielerei für Nerds vermarkten, sondern als bequeme Alternative zur Barzahlung für jedermann. Die Niederlande mit ihrer „Pinnen ja graag“-Kampagne zeigen, wie es geht.

Solange Banken die öffentliche Meinung kaum aktiv mitprägen, wird immer nur die Gegenseite gehört, auch wenn ihre Argumente vielleicht bei objektiver Betrachtung sehr schwach sind. Die Verbände des Einzelhandels und der Dienstleister nehmen einem die Butter vom Brot weg, aber auch der Verbraucher verliert seine Wahlfreiheit. Es ist Unwissen, nicht aktive Boshaftigkeit, die zu vielen politischen Fehlentscheidungen führt, und dies gilt es zu bekämpfen.

Beim Aufräumen habe ich im Keller einige Seiten des Tagesspiegels vom Sonntag, 22. Juli 2012 entdeckt.

Als „Wort zum Sonntag“ wird eine Aussage von Peer Steinbrück (SPD) erwähnt: „In einigen Jahren mehren sich bei mir die Zweifel, ob alle Länder in der Euro-Zone gehalten werden können … Ich kann nicht erkennen, dass einige Länder die Lücke ihrer Wettbewerbsfähigkeit schließen können.“

Auf der selben Seite 7 ein Meinungsbeitrag „Der Geist des Sports“ der Autoren Markus Hesselmann und Friedhard Teuffel zum sprichwörtlichen britischen Sportsgeist im „Land der Fairness“. Zur Erinnerung: Die Olympischen Spiele in London standen kurz vor der Tür.

Pragmatismus und Common Sense – noch so ein schwer zu übersetzender englischer Begriff, in dem sowohl Gemeinsinn als auch gesunder Menschenverstand stecken – sind dieser Haltung zufolge eher zu trauen als großen systematischen Gesellschaftsentwürfen. (…) Vergleichsweise harmlos, aber doch bezeichnend, kann sich das im Berliner Alltag schon mal so darstellen: In Prenzlauer Berg ging unlängst ein Mann um, der Spätkaufinhaber, die trotz Verbots auch sonntags geöffnet hatten, anzeigte. Schließlich müsse es ‚gerecht‘ zugehen, gab der Denunziant als Erklärung für sein Vorgehen an. Ein Ladeninhaber schlug zurück, indem er die Rufnummer seines Anschwärzers ins Schaufenster klebte. Eine Auseinandersetzung auf dem Feld der Gerechtigkeit, die kaum von Fairness, Common Sense oder Pragmatik getragen wurde.

Exakt das ist drei Jahre später immer noch Thema. Eine latente Unzufriedenheit ist zwar bei Wirtschaft und dem fortschrittlichen Teil der Gesellschaft erkennbar. Allerdings wird mit allen Mitteln und zu unverhältnismäßigen Kosten der Status quo durch Politik und die überproportional mächtigen Interessenverbände (Gewerkschaften und Kirchen) konserviert, während sich anderswo die Erde weiter dreht – nur in Deutschland nicht.

Ich finde es furchtbar, wenn es keinen gesellschaftlichen und politischen Fortschritt in einem Land gibt. Nicht Honig im Kopf, bildhaft müsste man eher von einer honigartigen Klebrigkeit, oder Mehltau über dem Land sprechen.

Wie die Hamburger Morgenpost vor einigen Wochen feststellte, „haben Hamburgs Studenten die gleichen Vorlieben wie Bauarbeiter“, wenn es ums Essen geht.

Kein Wunder, dass es immer mehr Probleme mit Übergewicht gibt. Viele Leute haben eine hauptsächlich sitzende Tätigkeit und essen dennoch so, als müssten sie körperlich schwer arbeiten. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.

Gleichermaßen gibt es relativ wenig Möglichkeiten in Deutschland, sowohl schnell als auch gesund zu essen – ob in den Niederlanden, Finnland, Frankreich, Großbritannien oder der Schweiz, in fast allen unseren europäischen Nachbarländern ist die Snackkultur weiter entwickelt.

Veröffentlicht unter Essen.

…hat etymologisch die selben Wurzeln wie die griechische Speise Gyros. Es dreht sich.

Und genauso wie ein zu lange gegrilltes Gyros ist auch ein Girokonto ohne Guthaben eine eher trockene Angelegenheit. Dies gilt auch für das britische Girokonto von Monese, das ich euch in einem vorherigen Post vorgestellt habe. Insbesondere weil Monese keine Überziehungsmöglichkeit (overdraft) anbietet. Ein Dispokredit hätte jedoch erheblich strengere Vergabekriterien erfordert und wäre gerade für Neuankömmlinge in Europa nicht ohne Weiteres denkbar.

Screenshot_2015-09-24-10-04-19Nun wollte ich möglichst kostengünstig zum „inländischen Tarif“ Guthaben auf mein neues Konto überweisen. Für Kleinbeträge lohnt sich TransferWise mit dem Sockelbetrag kaum. Ich habe mir also von meinem Revolut-Prepaid-Kartenkonto (auch ein hervorragendes Produkt – mit geringfügig schlechteren Kursen, aber keinem Sockelbetrag, und einer Prepaid MasterCard dazu) zum Test am Sonntagabend 1 GBP auf das Monese-Konto überwiesen.

Da Revolut für ausgehende Überweisungen das langsame BACS-System verwendet und nicht Faster Payments, dauerte es bis zum vierten Arbeitstag, also Donnerstagmorgen, bis die Überweisung von 1 GBP auf dem Monese-Konto in der App erschien. Und kaum ist der erste Umsatz getätigt, wirkt die App gar nicht mehr so karg wie am Anfang, wenn da nur das schnöde „£0.00“ und „Welcome to your Monese account!“ oben steht. In der App erscheinen derzeit nur Absendername und Betrag, nicht jedoch Referenz oder Kontonummer des Absenders.

MakePaymentToEinen Penny habe ich dann sogleich von Monese auf das Revolut-Konto zurücküberwiesen. Ich konnte Account number und Sort code eingeben, und auch eine Referenz eingeben, was für Überweisungen an Sammelkonten von Prepaidkarten wie bei Revolut unerlässlich ist. (Vielleicht kommen irgendwann auch SEPA Purpose Codes? Die sind ja gerade in Deutschland sehr beliebt, in anderen Ländern eher von untergeordneter Bedeutung weniger.)

Jedenfalls – mal schauen, wann diese Überweisung ankommt. Die Monese-App erklärte jedenfalls stolz, als ich die Überweisung um 10:16 Uhr abgab, „Your payment should arrive by 10:16 tomorrow“ – es sollte also eine Faster-Payments- und keine BACS-Transaktion sein.

Ausgehende Überweisungen sind nicht nur in GBP an britische Kontonummern, sondern auch schon im SEPA-Raum in EUR aus eurem bestehenden GBP-Guthaben möglich. Letzteres ist kostenpflichtig, da eine Währungsumwandlung stattfindet.

Screen Shot 2015-09-25 at 01.48.05Nach Absendung in der App erhielt ich eine E-Mail, dass erstmalig eine Überweisung an diese Kontonummer stattfindet. Sollte sie nicht von mir beauftragt sein, solle ich sofort bei Monese anrufen. Dies ist ein hervorragender, innovativer Missbrauchsschutz!

Denn Monese hat kein klassisches PIN-TAN-Verfahren mit Papierlisten, TAN-Generatoren, SMS oder anderen Kanälen, wie man es von den traditionellen Banken kennt, sondern die Überweisung wird im Vorschaumodus mit einem Wisch freigegeben. Bei der App selbst meldet man sich mit einem fünfstelligen Zifferncode an. Auf einem neuen Gerät muss man zunächst seine Mailadresse angeben, bekommt einen Freischaltlink, und erst dann ist das Gerät mit dem Konto so verbunden, dass man sich mit dem fünfstelligen Code anmelden kann.

Screenshot_2015-09-24-11-26-36Einige Stunden später, als die ausgehende Überweisung nicht mehr als „pending“ erschien, sondern mit Zeitstempel, erschien in der App aber ein Mystery-Umsatz, angeblich vom 3. Januar datiert, Betrag wiederum 0,01 GBP. Eine kurze Mail an den Support abgeschickt und ein wenig herumge“emo“t, dass es einem nicht um den Penny geht und man das Produkt schön findet, aber das nicht gerade für die Zuverlässigkeit spricht. Rund eine Stunde später war die Mystery-Transaktion wieder weg. Der Support hat zwar (noch) nicht geantwortet, er reagiert aber sehr schnell.

(Solche Dinge kommen aber durchaus mal vor. Number26 hat sich bei mir mal etwas Ähnliches geleistet mit einem Kontostand, der um einen in dem Fall tatsächlich gemachten Umsatz reduziert wurde, doch der Umsatz tauchte nicht bzw. erst nach Beschwerde beim Service in der Umsatzliste auf. Aber dafür ist ja das Testen gut. Man kann erst mal mit ein wenig Guthaben und wenigen Transaktionen herumspielen und entdeckt solche Ungereimtheiten, bevor es Ärger gibt, weil dieses Problem im Alltagseinsatz auftaucht und man dort diesen detaillierten Überblick im Kopf gar nicht mehr hat.)

Nach Angaben auf den sozialen Medien wird die iOS-Version der App „Monese Banking“ Anfang 2016 erscheinen, eine Web-Oberfläche erst Ende 2016.

In rund vier bis sechs Wochen soll die Mehrwährungsfähigkeit eingeführt werden, zunächst können Guthaben neben GBP auch in EUR gehalten werden.

Und in Kürze soll auch der Export von Kontoauszügen über die App möglich sein. Ich erinnere mich noch gut, wie ich noch während der Produktkonzeption die Anregung gab, doch „a proper bank statement“ anzubieten, weil „filing tax returns“ ein Volkssport in Deutschland ist 😉

Veröffentlicht unter EFT.

Dänemark ist immer eine Reise wert. Natur, Kultur und Gemütlichkeit findet man als Besucher aus Deutschland bei unserem nördlichen Nachbarn. Die Dänen sind ausgesprochen höflich und wenn man als Reisender Schwierigkeiten mit der Landessprache hat, wird einem auch auf Englisch oder Deutsch weitergeholfen. Mit den anderen Nordeuropäern gemein hat Dänemark, dass dort die Kartenzahlung große Popularität genießt. Doch auch das Preisniveau ist nicht das niedrigste, und so ist es wichtig, unnötige Gebühren zu vermeiden.

Einheimische Dänen zahlen meistens mit der einheimischen Dankort, die ähnlich wie die girocard in Deutschland als „das“ bargeldlose Zahlungsmittel schlechthin gilt. Vor allem Kreditkarten werden oftmals mit einem Zahlungsmittelentgelt belegt – wie an dieser Automatentankstelle im nordschleswigschen Tönder, wo irritierenderweise sogar nach (günstiger) inländischer und (teurerer) ausländischer Kreditkarte differenziert wurde.

Screen Shot 2015-09-24 at 21.43.42

Zuschläge werden teilweise auch für Debitkarten wie V Pay, Visa Debit oder Visa Electron erhoben. Selbst an einigen Supermarktkassen sind solche Zuschlagsaushänge ersichtlich. Sicher zuschlagfrei sind nur Dankort sowie Maestro International. Eine löbliche Ausnahme ist hier Aldi Dänemark, die kein Zahlungsmittelentgelt erheben, sondern sogar die Nutzung von Visa und MasterCard „kontaktløs“ bewerben. Das Gebühren(un)wesen in Dänemark hat sogar einmal eine kleine Anfrage im EU-Parlament ausgelöst!

Man gerät also als deutscher Dänemark-Tourist möglicherweise in die unschöne Situation, entweder die Fremdwährungsgebühr der eigenen Bank, das Zahlungsmittelentgelt des Händlers, oder sogar beides auf den eigentlichen Betrag aufgeschlagen zu bekommen.

Möglichkeit 1: Barzahlung
Auch in Nordeuropa sind die Geldautomaten noch nicht ausgestorben. Viele deutsche Karten, ob von DKB, comdirect, Consorsbank, DAB Bank usw., bieten kostenlose Barabhebungen an.
Jedoch bleiben dann immer kleine Beträge übrig und die Flexibilität ist nicht gegeben.
Außerdem werden ggf. krumme Beträge auf einen durch 50 Öre teilbaren Betrag aufgerundet.

Möglichkeit 2: Zahlung mit Kreditkarte ohne Fremdwährungsgebühr
Es gibt einige Karten in Deutschland, die formell fremdwährungsgebührenfrei sind. Natürlich ist in den Kursen der Zahlungssysteme Visa und MasterCard eine Gewinnspanne zwischen Geld- und Briefkurs eingerechnet, aber das ist ein anderes Thema. Doch dann erwischt einen das Zahlungsmittelentgelt des Händlers.

Möglichkeit 3: Zahlung mit Maestro-Karte mit Fremdwährungsgebühr
Viele deutsche Girokarten haben gleichzeitig eine Maestro-Funktion. Damit ist man zwar nicht vom Zahlungsmittelentgelt betroffen, es fällt aber eine Fremdwährungsgebühr der Hausbank an. Diese kann je nach Anbieter ein Festpreis (z.B. 0,77 Euro (= 1,00 Deutschmark) oder 1,00 Euro) oder eine proportionale Gebühr (z.B. 1,9% vom Umsatz) sein.

DCC (Dynamic Currency Conversion) habe ich in Dänemark bisher noch nicht erlebt. Die an der Kasse vorgenommene Abrechnung in Heimatwährung (EUR) statt in Ortswährung (DKK) würde dem zahlenden Verbraucher aber außer in seltenen Konstellationen keinen Mehrwert zu höheren Kosten bringen.

Möglichkeit 4: Zahlung mit Maestro-Karte ohne Fremdwährungsgebühr
Eine der wenigen Maestro-Karten in Deutschland, bei der keine Fremdwährungsgebühr berechnet wird, ist die Fidor SmartCard. Wird diese genutzt, kann man beide Gebühren erfolgreich vermeiden!

Leider hat die Consorsbank (BNP Paribas Deutschland) angekündigt, dass ab 5. Dezember 2015 Fremdwährungsumsätze mit Visa-Karte mit 1,75% Fremdwährungsgebühr belastet werden. Die gebührenfreie Party wird dort somit leider bald vorbei sein. (Wobei gebührenfrei relativ ist – bei größeren Summen kann eine Überweisung z.B. über TransferWise auf ein britisches Konto unter bestimmten Konstellationen günstiger kommen, als zum Visa-Europe-Kurs einen GBP-Umsatz in EUR umrechnen zu lassen. Die Visa- und MasterCard-Kurse sehen einen gewissen Spread vor, auch wenn er kleiner ist als bei Banken und Wechselstuben!)

Als Alternativen für deutsche Vielreisende mit 0% Fremdwährungsgebühr und ohne Jahresgebühr bieten sich aber unter anderem folgende Kreditkarten und Debitkarten an:

Fidor SmartCard, zum Fidor Smart Girokonto
Funktioniert faktisch als Debitkarte. Deutsche Einlagensicherung. 2 Barabhebungen pro Monat einseitig kostenfrei, bei Verzicht Bonus möglich. Schufafreies Girokonto, Fidor arbeitet jedoch mit Boniversum zusammen. Inklusive NFC/PayPass. Hohes Sicherheitsniveau und gute Akzeptanz durch Chip & Offline PIN. Uneingeschränkt offlinefähig.

Revolut Prepaid MasterCard
Prepaidkarte aus Großbritannien. Aufladbar per Überweisung in EUR, GBP oder USD. Kartenkonto hält drei Währungen, Umtausch ineinander möglich, auch Einsatz in anderen Währungen möglich. Einseitig kostenfreie Barabhebungen. Im ersten Jahr kostenfrei. Gebühren für später stehen noch nicht fest. Verwendet nicht die MasterCard-Kurse, sondern eigene Kurse. Hohes Sicherheitsniveau und gute Akzeptanz durch Chip & Offline PIN. Nicht offlinefähig, Zahlung z.B. im Bordrestaurant der DB über Magnetstreifen schlägt fehl.

Santander 1plus Visa Card
Anders als die anderen Angebote eine echte Kreditkarte mit Verfügungsrahmen und monatlicher Abrechnung (zum 10./12. eines jeden Monats, Lastschrift 10 Tage später). Ohne Jahresgebühr nur, wenn gleichzeitig bei der Santander Consumer Bank in Deutschland ein Gehaltskonto geführt wird, ansonsten 19 Euro pro Jahr. Zweiseitig kostenfreie Barabhebungen mit Erstattung direkter Kundenentgelte (analog DKB/comdirect). Tankrabatt 1% weltweit. Ich fand den Kundenservice bei den vorigen beiden Anbietern aber besser. Unterstützt nach den mir vorliegenden Informationen leider nur Chip & Signature/Online PIN; aktuelle Informationen bitte bei Santander erfragen.

Number26 Prepaid MasterCard
Funktioniert faktisch als Debitkarte. Deutsche Einlagensicherung. Number26 hat selbst keine Banklizenz, Karte kommt daher mit einem vollwertigen Girokonto der Wirecard Bank. Einseitig kostenfreie Barabhebungen. Inklusive NFC/PayPass. Unterstützt nach den mir vorliegenden Informationen leider nur Chip & Signature/Online PIN. Eingeschränkt offlinefähig, Zahlung z.B. im Bordrestaurant der DB über Magnetstreifen funktioniert.

Sparda-Bank Südwest icreditcard
Kreditkarte mit Verfügungsrahmen und monatlicher Abrechnung. Kostenlose einseitige Barabhebungen an Automaten nur im Ausland. NFC/PayPass. Bevorzugte CVM unbekannt. Sehr niedriger Sollzinssatz.
Um diese Karte ist es leider recht still geworden, ggf. ist das Angebot für Neukunden geschlossen worden.
Ich bin vor einiger Zeit an der Beantragung gescheitert, da mein Wohnsitz außerhalb des Geschäftsgebiets liegt und Genossenschaftsbanken meist nur Kunden annehmen, die in ihrem Geschäftsgebiet wohnen oder arbeiten. Wenn Sie ein High Net Worth Individual sind, probieren Sie es trotzdem und teilen Sie mit uns Ihre Erfahrung 😉

Advanzia Bank Gold MasterCard (Gebuhrenfrei)
Bekannte Kreditkarte mit Verfügungsrahmen und monatlicher Abrechnung. Sie müssen rechtzeitig selbst überweisen, um keine hohen Sollzinsen anfallen zu lassen. Nicht für Bargeldabhebung zu empfehlen, da Zinsen sofort anfallen und nicht erst ab der Abrechnung. Verfügungsrahmen kann durch Einsatz „trainiert“ werden. Kein NFC/PayPass. Chip & Signature.

???
Weitere Angebote gibt es von einzelnen Spezialinstituten, werden jedoch aus geschäftspolitischen Gründen von den jeweiligen Banken nicht beworben. Erkundigen Sie sich selbst bei den Instituten in Ihrer Region.

Veröffentlicht unter EFT.

Screen Shot 2015-09-22 at 22.56.03Für die Eröffnung eines Girokontos im Ausland kann es viele Gründe geben. Diese sind oft sehr profan – die wenigsten wollen Schwarzgeld vor dem Fiskus verstecken, sondern haben geschäftliche oder familiäre Beziehungen, eine Ferienwohnung o.ä. im Ausland. Es gibt Institute wie die AS PrivatBank aus Lettland, die auch den deutschen Markt bedienen. Doch bei Banken in Großbritannien ist die Kontoeröffnung nur mit einer britischen Wohnadresse möglich. Ausnahmen gibt es für Begüterte als Offshore-Banking und bei einigen Spezialinstituten, die sich das jedoch teuer bezahlen lassen. Selbst britische Pensionäre im Ausland sind nicht vor dem Verlust ihres Girokontos in der alten Heimat gefeit. Das neue mobile Girokonto von Monese, einem von Norris Koppel gegründeten Londoner Unternehmen, verspricht die Lösung dieser Probleme für alle EU-Einwohner.

In diesem Beitrag möchte ich euch Monese vorstellen. Es soll kein vollständiger Testbericht oder Review sein, allerdings einen kurzen Einblick liefern, so dass ihr euch entscheiden könnt, ob das Angebot auch für eure Zwecke sinnvoll ist.

Anmeldung
Screenshot_2015-09-19-14-46-14Derzeit ist das Girokonto (current account) von Monese nur per Einladung erhältlich. Man konnte sich bereits vor sehr langer Zeit auf den Verteiler setzen und die ersten Nutzer haben nun vor wenigen Tagen ihre Einladung per E-Mail erhalten.

Erforderlich ist derzeit ein Android-Telefon. Die App „Monese Banking“ ist bei Google Play erhältlich. Eine Version für iOS wird später, voraussichtlich Anfang 2016, kommen.

Startet ihr die App das erste Mal, geht ihr auf „Sign Up“ und tragt die Mailadresse ein, unter der ihr die Einladung erhalten habt. Im Laufe der Registrierung müsst ihr eure Adresse eintragen, die in Großbritannien oder dem Rest der EU sein kann. Die App fordert euch auch auf, Bilder von der Fotoseite eures Reisepasses sowie von euch selbst zu machen. Führerscheine oder nationale Identitätskarten wie etwa deutsche Personalausweise werden nicht anstelle eines Passes anerkannt.

Screenshot_2015-09-19-14-47-15Das System prüft dann automatisch eure Identität. Schlägt dies fehl, zeigt euch die App die Nummer einer britischen Hotline an, die ihr während der üblichen Geschäftszeiten anrufen könnt. Das freundliche Personal an der anderen Leitung versteht nur Englisch. Aber wer auswandern möchte, sollte die Sprache seines Ziellandes jedenfalls in Grundzügen beherrschen!

Möglicherweise erhaltet ihr einen „Unverified account“, weil das System eure Identität nicht zweifelsfrei bestimmen konnte. In diesem Fall fordert euch die App auf, einen Nachweis der Adresse (proof of address) hochzuladen. Dies kann etwa ein Kontoauszug eurer (einheimischen) Bankverbindung, ein Steuerbescheid oder eine Versorgerrechnung (Festnetztelefon, Elektrizität) sein. Der Kundenservice überprüft dann das vorgelegte Dokument darum und in wenigen Tagen ist das Konto freigeschaltet.

Girokonto
MoneseWas kann man nun damit machen?

Ein britisches Konto hat, genauso wie es deutsche Konten vor der SEPA-Umstellung einst hatten, eine Kontonummer (Account Number) mit 8 Stellen sowie eine Bankleitzahl (Sort Code, in Irland National Sort Code genannt) mit 6 Stellen, die durch zwei Bindestriche getrennt sind.

Bisher könnt ihr mit Account Number und Sort Code einheimische Überweisungen in GBP senden und empfangen. Dies gilt sowohl für die traditionellen BACS-Überweisungen als auch für Faster Payments, nicht jedoch für das ungebräuchliche CHAPS. Es handelt sich bei Monese um ein echtes Konto mit eigener Kontonummer und nicht um ein Sammelkonto, wie man es von manchen Prepaid-Kreditkarten kennt.

Aus Account Number und Sort Code lässt sich auch die IBAN bestimmen. Sort Code 62-30-53 weist darauf hin, dass Monese als Verrechnungsbank auf die auch von britischen Hauptstraßen bekannte NatWest (National Westminster Bank) setzt. (Monese operiert, ähnlich wie Number26, die mit der Wirecard Bank zusammenarbeiten, ohne eigene Banklizenz.) Die IBAN für einen Monese Account mit der fiktiven Kontonummer 10000000 sähe also so aus: GB03NWBK62305310000000. Die dazugehörige BIC ist NWBKGB2LXXX. Bestimmen könnt ihr die zu eurem britischen Konto gehörige IBAN und BIC hier mit Angabe von Account Number und Sort Code. Jedoch werden internationale Überweisungen auf diese IBAN nicht erfolgreich sein. (Update vom 23.09.2015: Problematisch erscheint auch, dass bisher keine Lastschriften (Direct Debit) von Konten mit dem Sort Code 62-30-53 gezogen werden können.)

Ausgehender internationaler Zahlungsverkehr wird noch nicht unterstützt, soll allerdings in naher Zukunft zu fairen Konditionen kommen. Perspektivisch ist auch geplant, dass ein Nutzer verschiedene Währungen halten und zwischen ihnen tauschen kann, unter anderem EUR.
Für eingehende Überweisungen in GBP und EUR aus dem Ausland gibt es bisher ein Monese-Sammelkonto bei der AS LHV Pank in Estland, die u.a. auch mit TransferWise zusammenarbeitet. Details dazu findet ihr in den FAQs unter „Can I deposit money and accept foreign transfers to my Monese account from outside the UK?„.

Kartengestützter Zahlungsverkehr
Zu jedem Monese-Girokonto wird eine Visa-Debit-Karte mit Kontaktlosfunktion (payWave) verfügbar sein. Aufgrund des großen Kundenansturms kann es noch einige Wochen dauern, bis die Karte versendet wird. Ein detaillierter Testbericht inklusive Überprüfung der CVM-Liste kommt, wenn ich die Karte persönlich ausführlich nutzen konnte.

Kosten
Weder für Kontoeröffnung noch für Kontoauflösung werden Kosten berechnet. Ebenso gibt es keine jährliche oder monatliche Kontoführungsgebühr bei Monese. Eingehende Überweisungen sowie Kartenzahlungen im britischen Inland sind bisher auch kostenfrei.

Aber Banker leben auch nicht von Luft und Liebe. Jeden Monat gibt es für bestimmte Transaktionen fünf Freiposten („credits“). Danach kostet jede weitere der folgenden Aktionen 0,50 GBP: Überweisung ins Ausland, Kartenzahlung im Ausland, Barabhebung im Ausland, ausgehende Überweisung in UK, Barabhebung in UK, Bareinzahlung über PayPoint. Für ausländische Transaktionen kommt eine Fremdwährungsgebühr von 0,5%, aber mindestens 1 GBP hinzu. (Jedenfalls die Barabhebungen und Einzahlungen erzeugen teils deutlich höhere Fremdgebühren für die Bank. Klassische Mischkalkulation!)

Dies ist im aktuellen Preis- und Leistungsverzeichnis von Monese einsehbar.

Könnte Cashback beim Einkaufen dem Nutzer Kosten sparen? Ob dies möglich ist, hängt von Gerät und Karte ab. In Deutschland soll Cashback beim Kartentyp Visa Debit grundsätzlich bei Netto Marken-Discount und Edeka Minden-Hannover möglich sein, nicht jedoch bei Penny oder Rewe. Ein genauerer Bericht folgt, sobald ich Cashback mit der Karte testen konnte.

(Die Fremdwährungsgebühr schreckt natürlich von einem allzu freizügigen Einsatz der Karte im Ausland ab und erscheint aus deutscher Sicht happig. Viele Girokarten belasten hierzulande zwar „1%, aber mindestens 1 Euro“, aber bei den Kreditkarten ist die Fremdwährungsgebühr häufig linear 0% (Consorsbank, Number26), 1% (netbank), 1,5% (DAB Bank), 1,75% (DKB, comdirect) oder 1,99% (Barclaycard).

Doch in Großbritannien ist der Markt anders strukturiert. Viele Banken bieten grundgebührfreie Konten an und machen dann über teure Zusatzleistungen wie Fremdwährungstransaktionen oder Überziehungen ihren Profit. Bei den Girokonten der bekannten Filialbank NatWest werden laut Preis- und Leistungsverzeichnis etwa für Barabhebungen in Fremdwährung sowohl eine Fremdwährungsgebühr von 2,75% als auch eine Auslandsbargeldgebühr von 2% (mindestens 2 und maximal 5 GBP) fällig! Für jede Kartenzahlung in Fremdwährung fiele bei NatWest 2,75% (aber mindestens 1 GBP) an Fremdwährungsgebühr an. Monese ist also aus UK-Sicht durchaus wettbewerbsfähig! Beim nächsten Auslandsbesuch im Zweifel also lieber ein paar hundert Euro Bargeld abheben statt jeden Kaffee mit Karte zahlen, so weh es einem in Skandinavien auch tun mag.)

Fazit
An das Versprechen der beinahe vollständigen Gebührenfreiheit von Number26 kommt das mobile Girokonto von Monese nicht heran. Doch sind die Konditionen mehr als fair, wenn man bedenkt, dass ein bisher unerschlossener Kundenkreis hier bedient werden soll. Es ist keinesfalls mit einem Wirecard Prepaid Trio zu vergleichen, bei dem Menschen mit negativer Kredithistorie jeden Monat vergleichsweise viel Geld für Girokonto und Karte zahlen.

Als Hauptkonto für’s ganze Leben ist Monese zwar eine Option, sieht sich aber in UK scharfer Konkurrenz ausgesetzt. Die Bausparkasse Norwich & Peterborough wirbt mit einem kostenlosen Gehaltskonto, das online geführt wird und bei dem die Nutzung der Bankkarte im Ausland zusatzkostenfrei ist. Manche anderen bevorzugen, etwa für Bareinzahlungen, Sortenkauf, Schecksverkehr oder die Sofortausstellung von Karten, doch den Service einer Filiale. In Großbritannien gibt es mit Metro Bank auch eine besonders innovative Filialbank, deren Karten in der gesamten EU ohne Zusatzkosten einsetzbar sind.

Um als Erstkonto attraktiv zu sein, könnte Monese noch bei den Konditionen nachbessern. Es müsste bei regelmäßigem Gehaltseingang oder Pensionseingang eine wesentlich höhere Anzahl an Freiposten für den Auslandseinsatz (30, 60 oder sogar 100/Monat) gewährt werden, wenn man perspektivisch mit dem mehrwährungsfähigen Konto auch Nutzer im europäischen Ausland ansprechen möchte. Als Zweitkonto ist Monese aber uneingeschränkt zu empfehlen, nicht nur für gelegentliche UK-Besucher oder eBay-Privatverkäufer, die ihren britischen Kunden das Bezahlen in GBP ermöglichen wollen.

Ergebnis: 4,5 von 5 Sternen
Ein Produkt, das in eine echte Marktlücke stößt. Trotz Spezialcharakters ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Bisherige, gebührenträchtige Geschäftsmodelle könnten durch Monese verdrängt werden. Nur im internationalen Einsatz besteht noch ein gewisser Verbesserungsbedarf.

Hat euch der Artikel geholfen? Über Kommentare, Lob und Kritik freue ich mich!

Ich habe mich vor zwei Wochen entschieden, anlässlich der großen „zahl einfach mobil“-Kampagne in Berlin das Angebot Telekom MyWallet zu testen. Ein Angebot, das aus einem Konto, einem NFC-Sticker und einer dazugehörigen Zahlkarte besteht. Technik nutze ich gern, und mit einem regelmäßigen Gehalt aus dem öffentlichen Dienst wäre ich doch eigentlich ein A-Kunde für solch ein Angebot, oder? Der Teufel steckt wie immer im Detail.

Die Online-Registierung und Bestellung der Karte erfolgte unproblematisch. Montags bestellt, die Karte und der NFC-Sticker kamen mittwochs und zwei Tage später auch die PIN. Ohne PostIdent kann lediglich von eigenen Girokonten Guthaben auf das MyWallet-Konto geladen werden. Für die Akzeptanz von sowie die Einrichtung der Aufladung per Lastschrift sollen zunächst eine Identifizierung eines Girokontos (per 1-Cent-Überweisung) und ein PostIdent erfolgen.

Das Mitte der Woche abgesendete PostIdent wurde erst am Montag der Folgewoche verarbeitet. Andere Anbieter wie Number26 waren wesentlich schneller, da war das PostIdent meiner Erinnerung nach schon am Folgetag abgearbeitet.

Die kontaktlose Kartenzahlung mit dem Sticker muss online autorisiert werden. Das Kartenterminal des Händlers braucht also, nachdem der Kontaktlos-Sticker gelesen wurde, immer relativ lange, bis die Zahlung erfolgt ist. Deutlich länger als bei kontaktlosen Kreditkarten, die meist eine schnelle Offline-Autorisierung bei geringen Beträgen unterstützen.

Screen Shot 2015-06-12 at 09.31.32 Die an einem frühen Nachmittag im Online-Banking von meinem Girokonto abgesendete Guthabensüberweisung tauchte in MyWallet erst am 2. Folgetag auf. Vergleichbare Überweisungen auf andere Bankkonten werden von der Empfängerbank in Zeiten von SEPA stets am Folgetag verbucht. Wo das Geld zwischendurch war, ob es „arbeiten“ musste, kann man natürlich nicht in Erfahrung bringen. Allerdings sind langsame Guthabenüberweisungen eine starke Einschränkung der Nutzbarkeit von MyWallet. Die Aufladung der Wallet per Kreditkarte ist nämlich kostenpflichtig, und die andere Alternative ”DirektÜberweisung“ auch nicht für jedermann (ein anderes Thema für einen anderen Tag).

Screen Shot 2015-06-12 at 09.25.38 Der angehende Power-User möchte sich also ein automatisches Aufladen per Lastschrift einrichten. Doch halt, warum funktioniert das nicht, obwohl Girokonto und Person legitimiert sind? Die Hotline verweist darauf, dass eine Bonitätsprüfung stattfinde. Man solle sich bitte an Creditreform Boniversum wenden und eine Selbstauskunft nach dem Bundesdatenschutzgesetz beantragen. Auf meine Frage nach dem Chef und einem Hinweis auf regelmäßiges Einkommen in mehr als ausreichender Höhe heißt es nur, es gäbe standardisierte Verfahren, weswegen keiner vor Ort eine Entscheidungsbefugnis habe.

Die angeforderte BDSG-Eigenauskunft bei der Auskunftei Boniversum lieferte weder harte Negativkriterien noch andere hinterlegte Geschäftsbeziehungen. Lediglich einen leicht unterdurchschnittlichen Score, für den es alle möglichen Gründe geben kann, ob „falsches“ Alter, Geschlecht oder Adresse. Sogar eine fehlende Kredithistorie wirkt sich bei vielen Auskunfteien tendenziell negativ aus. (Bei der Schufa hingegen – mit der Telekom MyWallet nicht zusammenarbeitet – liegt genug Kredithistorie über mich vor und ebenso keine Negativeinträge.)

Es wird Zeit, einen anderen Kanal zu konsultieren. Das Twitter-Team Telekom_hilft erscheint erst mal hilfreich und bittet um etwas Geduld. Die Anfrage werde an die Experten weitergeleitet. Das klingt erst mal gut. Doch das Anliegen landet nicht endlich bei jemandem mit Entscheidungsbefugnis, sondern auf dem Tisch des gleichen First-Level-Supports, und wird per E-Mail abgebügelt.

Nun werde ich Konsequenzen ziehen und die Kündigung abschicken. Zum Glück gab es ja einen Start-Bonus von 10 Euro, so dass ich wenigstens nichts für ein Produkt zahlen musste, das nicht richtig funktioniert. Kontaktlose Kartenzahlungen gibt es etwa bei der DKB, comdirect oder Consorsbank schon länger, wenn auch diese Banken auf Visa payWave setzen.

Screen Shot 2015-06-12 at 09.38.24Kontaktloses Maestro ist zwar nett und in der Tat selten in Deutschland. Aber ein so großer Mehrwert ist das nicht, wenn man davon absieht, dass Aldi bisher nur Maestro- und V-Pay-Kontaktloszahlungen akzeptiert, aber nicht Visa oder MasterCard. Letztlich ist MyWallet also eher eine nette Spielerei als eine Alternative zu einem guten Bankkonto.

Ich bin froh, dass ich kein Kunde der Deutschen Telekom bin. Wenn es schon bei so einer relativen Kleinigkeit am „Computer says no“-Prinzip scheitert, will ich nicht wissen, wie aufgeschmissen man als Kunde bei größeren Problemen ist. Bei den vielgescholtenen Banken hingegen sind gerade in solchen Fällen individuelle Lösungen möglich und es wird nicht blind auf das Urteil eines Computers verwiesen, dass man vermeintlich ein schlechter Zahler sei, nur weil einige andere in der selben Alters-, Geschlechts- oder Wohnortsgruppe es sind.

Derzeit läuft unter dem Schlagwort „#RettetdieSpätis“ eine Petition von Christina Jurgeit aus Berlin. Die Petentin fordert, dass das Landes-Ladenschlussrecht angepasst wird. Die das Stadtbild mit prägenden Berliner Spätkäufe – oft Familienbetriebe – sollen auch an Sonntagen ihr volles Sortiment verkaufen dürfen.

Und es hagelt in den Online-Diskussionsspalten wieder die altbekannten konservativen Stammtischparolen, die jeder in- und auswendig kennt, der sich mit Ladenschlussdebatten beschäftigt. Früher sei auch keiner verhungert, als um 18:30 an Werktagen alle Geschäfte schlossen. Alles verweichlicht, die Menschen können sich nicht mehr organisieren. Der ganze Kommerz sei überhaupt etwas ganz Furchtbares.

Doch früher gab es auch noch eine Hausfrauengesellschaft, die es heute nicht mehr gibt. Was für den „Veggie Day“ gilt, muss auch bei Ladenöffnungszeiten gelten: Lebensstilentscheidungen sollten nicht per Gesetz vorgeschrieben werden.

Schaut man sich in den EU-Nachbarstaaten um – ob Polen, Niederlande oder Großbritannien – sieht man, dass die Gesellschaft nicht untergeht, wenn auch sonntags Einkaufsmöglichkeiten existieren. Ganz im Gegenteil: Man kann nicht gleichzeitig den Versandhandel für die vermeintliche Verödung von Innenstädten und das Aussterben lokaler Unternehmen verantwortlich machen und es dem Verbraucher so schwer wie möglich machen, zu passenden Zeiten den ortsansässigen Einzelhandel zu nutzen.

Im Übrigen zeigt sich bei dieser Debatte eine widerliche Doppelmoral. Im eigenen Land hält der konservative Deutsche den angeblichen Arbeitnehmerschutz hoch (wohlgemerkt: für die, die gerade jetzt Arbeit haben, aber zulasten derer, die durch eine Änderung Arbeit bekommen könnten – ein paar Studentenjobs für Wochenenden an der Kasse sind doch eine gute Sache). Doch fährt man sonntags nach Stettin (PL) oder Venlo (NL), hört man in der ganzen Innenstadt viele deutsche Stimmen – Grenztouristen, die dort ausgedehnte Shoppingtouren erledigen. Das Geld bleibt dann in Polen oder den Niederlanden und die Umsatzsteuer füllt die dortigen Staatskassen.

Doch wer für diese Entwicklungen verantwortlich ist, wird wohl kaum den lokalen Einzelhändlern reinen Wein einschenken und gestehen, dass man sie auf dem Altar überholter Anstands- und Lebensstilvorstellungen geopfert hat. So wird medial und nicht zuletzt im von der Allgemeinheit finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiter auf Amazon, Zalando und andere Versandhändler eingedroschen. Also auf die Überbringer statt die Verursacher der schlechten Nachrichten, wie es gute Tradition in der Politik ist.