Screen Shot 2015-09-22 at 22.56.03Für die Eröffnung eines Girokontos im Ausland kann es viele Gründe geben. Diese sind oft sehr profan – die wenigsten wollen Schwarzgeld vor dem Fiskus verstecken, sondern haben geschäftliche oder familiäre Beziehungen, eine Ferienwohnung o.ä. im Ausland. Es gibt Institute wie die AS PrivatBank aus Lettland, die auch den deutschen Markt bedienen. Doch bei Banken in Großbritannien ist die Kontoeröffnung nur mit einer britischen Wohnadresse möglich. Ausnahmen gibt es für Begüterte als Offshore-Banking und bei einigen Spezialinstituten, die sich das jedoch teuer bezahlen lassen. Selbst britische Pensionäre im Ausland sind nicht vor dem Verlust ihres Girokontos in der alten Heimat gefeit. Das neue mobile Girokonto von Monese, einem von Norris Koppel gegründeten Londoner Unternehmen, verspricht die Lösung dieser Probleme für alle EU-Einwohner.

In diesem Beitrag möchte ich euch Monese vorstellen. Es soll kein vollständiger Testbericht oder Review sein, allerdings einen kurzen Einblick liefern, so dass ihr euch entscheiden könnt, ob das Angebot auch für eure Zwecke sinnvoll ist.

Anmeldung
Screenshot_2015-09-19-14-46-14Derzeit ist das Girokonto (current account) von Monese nur per Einladung erhältlich. Man konnte sich bereits vor sehr langer Zeit auf den Verteiler setzen und die ersten Nutzer haben nun vor wenigen Tagen ihre Einladung per E-Mail erhalten.

Erforderlich ist derzeit ein Android-Telefon. Die App „Monese Banking“ ist bei Google Play erhältlich. Eine Version für iOS wird später, voraussichtlich Anfang 2016, kommen.

Startet ihr die App das erste Mal, geht ihr auf „Sign Up“ und tragt die Mailadresse ein, unter der ihr die Einladung erhalten habt. Im Laufe der Registrierung müsst ihr eure Adresse eintragen, die in Großbritannien oder dem Rest der EU sein kann. Die App fordert euch auch auf, Bilder von der Fotoseite eures Reisepasses sowie von euch selbst zu machen. Führerscheine oder nationale Identitätskarten wie etwa deutsche Personalausweise werden nicht anstelle eines Passes anerkannt.

Screenshot_2015-09-19-14-47-15Das System prüft dann automatisch eure Identität. Schlägt dies fehl, zeigt euch die App die Nummer einer britischen Hotline an, die ihr während der üblichen Geschäftszeiten anrufen könnt. Das freundliche Personal an der anderen Leitung versteht nur Englisch. Aber wer auswandern möchte, sollte die Sprache seines Ziellandes jedenfalls in Grundzügen beherrschen!

Möglicherweise erhaltet ihr einen „Unverified account“, weil das System eure Identität nicht zweifelsfrei bestimmen konnte. In diesem Fall fordert euch die App auf, einen Nachweis der Adresse (proof of address) hochzuladen. Dies kann etwa ein Kontoauszug eurer (einheimischen) Bankverbindung, ein Steuerbescheid oder eine Versorgerrechnung (Festnetztelefon, Elektrizität) sein. Der Kundenservice überprüft dann das vorgelegte Dokument darum und in wenigen Tagen ist das Konto freigeschaltet.

Girokonto
MoneseWas kann man nun damit machen?

Ein britisches Konto hat, genauso wie es deutsche Konten vor der SEPA-Umstellung einst hatten, eine Kontonummer (Account Number) mit 8 Stellen sowie eine Bankleitzahl (Sort Code, in Irland National Sort Code genannt) mit 6 Stellen, die durch zwei Bindestriche getrennt sind.

Bisher könnt ihr mit Account Number und Sort Code einheimische Überweisungen in GBP senden und empfangen. Dies gilt sowohl für die traditionellen BACS-Überweisungen als auch für Faster Payments, nicht jedoch für das ungebräuchliche CHAPS. Es handelt sich bei Monese um ein echtes Konto mit eigener Kontonummer und nicht um ein Sammelkonto, wie man es von manchen Prepaid-Kreditkarten kennt.

Aus Account Number und Sort Code lässt sich auch die IBAN bestimmen. Sort Code 62-30-53 weist darauf hin, dass Monese als Verrechnungsbank auf die auch von britischen Hauptstraßen bekannte NatWest (National Westminster Bank) setzt. (Monese operiert, ähnlich wie Number26, die mit der Wirecard Bank zusammenarbeiten, ohne eigene Banklizenz.) Die IBAN für einen Monese Account mit der fiktiven Kontonummer 10000000 sähe also so aus: GB03NWBK62305310000000. Die dazugehörige BIC ist NWBKGB2LXXX. Bestimmen könnt ihr die zu eurem britischen Konto gehörige IBAN und BIC hier mit Angabe von Account Number und Sort Code. Jedoch werden internationale Überweisungen auf diese IBAN nicht erfolgreich sein. (Update vom 23.09.2015: Problematisch erscheint auch, dass bisher keine Lastschriften (Direct Debit) von Konten mit dem Sort Code 62-30-53 gezogen werden können.)

Ausgehender internationaler Zahlungsverkehr wird noch nicht unterstützt, soll allerdings in naher Zukunft zu fairen Konditionen kommen. Perspektivisch ist auch geplant, dass ein Nutzer verschiedene Währungen halten und zwischen ihnen tauschen kann, unter anderem EUR.
Für eingehende Überweisungen in GBP und EUR aus dem Ausland gibt es bisher ein Monese-Sammelkonto bei der AS LHV Pank in Estland, die u.a. auch mit TransferWise zusammenarbeitet. Details dazu findet ihr in den FAQs unter „Can I deposit money and accept foreign transfers to my Monese account from outside the UK?„.

Kartengestützter Zahlungsverkehr
Zu jedem Monese-Girokonto wird eine Visa-Debit-Karte mit Kontaktlosfunktion (payWave) verfügbar sein. Aufgrund des großen Kundenansturms kann es noch einige Wochen dauern, bis die Karte versendet wird. Ein detaillierter Testbericht inklusive Überprüfung der CVM-Liste kommt, wenn ich die Karte persönlich ausführlich nutzen konnte.

Kosten
Weder für Kontoeröffnung noch für Kontoauflösung werden Kosten berechnet. Ebenso gibt es keine jährliche oder monatliche Kontoführungsgebühr bei Monese. Eingehende Überweisungen sowie Kartenzahlungen im britischen Inland sind bisher auch kostenfrei.

Aber Banker leben auch nicht von Luft und Liebe. Jeden Monat gibt es für bestimmte Transaktionen fünf Freiposten („credits“). Danach kostet jede weitere der folgenden Aktionen 0,50 GBP: Überweisung ins Ausland, Kartenzahlung im Ausland, Barabhebung im Ausland, ausgehende Überweisung in UK, Barabhebung in UK, Bareinzahlung über PayPoint. Für ausländische Transaktionen kommt eine Fremdwährungsgebühr von 0,5%, aber mindestens 1 GBP hinzu. (Jedenfalls die Barabhebungen und Einzahlungen erzeugen teils deutlich höhere Fremdgebühren für die Bank. Klassische Mischkalkulation!)

Dies ist im aktuellen Preis- und Leistungsverzeichnis von Monese einsehbar.

Könnte Cashback beim Einkaufen dem Nutzer Kosten sparen? Ob dies möglich ist, hängt von Gerät und Karte ab. In Deutschland soll Cashback beim Kartentyp Visa Debit grundsätzlich bei Netto Marken-Discount und Edeka Minden-Hannover möglich sein, nicht jedoch bei Penny oder Rewe. Ein genauerer Bericht folgt, sobald ich Cashback mit der Karte testen konnte.

(Die Fremdwährungsgebühr schreckt natürlich von einem allzu freizügigen Einsatz der Karte im Ausland ab und erscheint aus deutscher Sicht happig. Viele Girokarten belasten hierzulande zwar „1%, aber mindestens 1 Euro“, aber bei den Kreditkarten ist die Fremdwährungsgebühr häufig linear 0% (Consorsbank, Number26), 1% (netbank), 1,5% (DAB Bank), 1,75% (DKB, comdirect) oder 1,99% (Barclaycard).

Doch in Großbritannien ist der Markt anders strukturiert. Viele Banken bieten grundgebührfreie Konten an und machen dann über teure Zusatzleistungen wie Fremdwährungstransaktionen oder Überziehungen ihren Profit. Bei den Girokonten der bekannten Filialbank NatWest werden laut Preis- und Leistungsverzeichnis etwa für Barabhebungen in Fremdwährung sowohl eine Fremdwährungsgebühr von 2,75% als auch eine Auslandsbargeldgebühr von 2% (mindestens 2 und maximal 5 GBP) fällig! Für jede Kartenzahlung in Fremdwährung fiele bei NatWest 2,75% (aber mindestens 1 GBP) an Fremdwährungsgebühr an. Monese ist also aus UK-Sicht durchaus wettbewerbsfähig! Beim nächsten Auslandsbesuch im Zweifel also lieber ein paar hundert Euro Bargeld abheben statt jeden Kaffee mit Karte zahlen, so weh es einem in Skandinavien auch tun mag.)

Fazit
An das Versprechen der beinahe vollständigen Gebührenfreiheit von Number26 kommt das mobile Girokonto von Monese nicht heran. Doch sind die Konditionen mehr als fair, wenn man bedenkt, dass ein bisher unerschlossener Kundenkreis hier bedient werden soll. Es ist keinesfalls mit einem Wirecard Prepaid Trio zu vergleichen, bei dem Menschen mit negativer Kredithistorie jeden Monat vergleichsweise viel Geld für Girokonto und Karte zahlen.

Als Hauptkonto für’s ganze Leben ist Monese zwar eine Option, sieht sich aber in UK scharfer Konkurrenz ausgesetzt. Die Bausparkasse Norwich & Peterborough wirbt mit einem kostenlosen Gehaltskonto, das online geführt wird und bei dem die Nutzung der Bankkarte im Ausland zusatzkostenfrei ist. Manche anderen bevorzugen, etwa für Bareinzahlungen, Sortenkauf, Schecksverkehr oder die Sofortausstellung von Karten, doch den Service einer Filiale. In Großbritannien gibt es mit Metro Bank auch eine besonders innovative Filialbank, deren Karten in der gesamten EU ohne Zusatzkosten einsetzbar sind.

Um als Erstkonto attraktiv zu sein, könnte Monese noch bei den Konditionen nachbessern. Es müsste bei regelmäßigem Gehaltseingang oder Pensionseingang eine wesentlich höhere Anzahl an Freiposten für den Auslandseinsatz (30, 60 oder sogar 100/Monat) gewährt werden, wenn man perspektivisch mit dem mehrwährungsfähigen Konto auch Nutzer im europäischen Ausland ansprechen möchte. Als Zweitkonto ist Monese aber uneingeschränkt zu empfehlen, nicht nur für gelegentliche UK-Besucher oder eBay-Privatverkäufer, die ihren britischen Kunden das Bezahlen in GBP ermöglichen wollen.

Ergebnis: 4,5 von 5 Sternen
Ein Produkt, das in eine echte Marktlücke stößt. Trotz Spezialcharakters ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Bisherige, gebührenträchtige Geschäftsmodelle könnten durch Monese verdrängt werden. Nur im internationalen Einsatz besteht noch ein gewisser Verbesserungsbedarf.

Hat euch der Artikel geholfen? Über Kommentare, Lob und Kritik freue ich mich!

Fundstück heute: „Berliner Taxen müssen bald Kartenzahlung akzeptieren

Wermutstropfen: Die Strafgebühr von 1,50 Euro pro Kartenzahlung soll bleiben. (Offenbar lässt man sich lieber überfallen, als für die sichere Kartenzahlung zu trommeln.)

Und dennoch: Man merkt hier, wie verschlafene, staatlich geschützte Branchen sich plötzlich bewegen, wenn ein neuer Wettbewerber aktiv wird. Ob es nun Uber ist, wo grundsätzlich per Kreditkarte abgerechnet wird, oder der Fernbus, der der Deutschen Bahn derzeit massiv Beine macht – denken wir nur an das kostenlose WiFi in der 1. Klasse des ICE oder die kurzfristige Buchung von Sparpreisen.

Die Sparkassen veranstalten gerade eine PR-Kampagne („Der Unterschied beginnt beim Namen„). Mit dieser wird betont, dass sich die kommunalen Finanzinstitute vor Ort engagieren, den Mittelstand fördern, lokale Vereine sponsern usw.

Die Kampagne ist zum Scheitern verurteilt. Denn das interessiert die meisten Leute kaum, was das Geldinstitut alles Gutes veranstaltet, wenn sie bei einer Direktbank ein normales Girokonto ohne Kontoführungsgebühren und mit kostenfreier Debitkarte bekommen. Das gesparte Geld kann man auch vorzüglich investieren oder spenden. 😉

Screen Shot 2014-09-13 at 22.55.09Wie die Zukunft der Filialbanken aussehen könnte, zeigt etwa die britische Metro Bank sehr gut. Diese erst vor einigen Jahren neu gegründete Filialbank konzentriert sich auf Services vor Ort wie Bareinzahlungen, Schließfächer, vor allem aber auf Dienstleistungen zum Mitnehmen. So bekommt man eine Debitkarte sofort zum Mitnehmen und mit Wunsch-PIN in der Filiale ausgestellt, wenn man bei Metro Bank ein Konto eröffnet, kann also sofort mit dem Banking loslegen. Auch die Einrichtung des Online-Bankings kann in der Filiale erfolgen und nicht per Kommunikation mit irgendwelchen unsichtbaren Gestalten in unsichtbaren Back-Offices. Das Call-Center ist einheimisch im Großraum London angesiedelt – auf meine scherzhafte Frage, ob ich bei einem Anruf einen indischen Akzent beim Gegenüber hören werde, erklärte die Bankberaterin „no, you will hear my accent„. Großzügige Öffnungszeiten (7 Tage die Woche, entsprechend Einzelhandels-Geschäftszeiten) und ein 0-GBP-Girokonto runden das Angebot ab. In gewisser Weise ist die Metro Bank die bessere Sparkasse – sie schafft Arbeitsplätze vor Ort, bietet persönlichen Service zu guten Konditionen und bringt damit die Innenstädte voran.

Aber es fehlt in der Bankbranche hierzulande an Visionen. Wenn man als Kunde der örtlichen Sparkasse (obwohl es technisch eben auch anders, besser möglich wäre) auch eineinhalb Wochen warten muss, bis alle Karten und PINs über den Postweg angekommen sind, dann kann man auch zu einer Direktbank gehen, denn dort muss man genauso warten.

Die Zeit vergeht schnell. Es ist schon ein gutes Jahr her, dass in der ARD in einem Bericht über ein deutsches Amazon-Versandzentrum von skandalösen Arbeitsbedingungen berichtet wurde, und sich kurz darauf herausstellte, dass vieles nicht so war, wie es dargestellt wurde.

Doch das Thema wurde im Anschluss daran noch monatelang breitgetreten. Bei Günther Jauch redeten sich Günter Wallraff und Ranga Yogeshwar darüber in Rage, wie der Online-Handel angeblich die Kultur zerstöre, die Innenstädte veröden lasse und unökologisch sei. Und beim Online-Händler bekäme man als Kind auch keine Gratis-Scheibe Wurst.

Es menschelt also ordentlich bei unseren Kulturpessimisten. Aber lassen wir doch mal Fakten statt Emotionen sprechen. Weiterlesen

Ich habe mir neulich ein Paar Schuhe bestellt. Zeitlos elegant sollten sie sein, also griff ich zu diesen hier: http://www.routeone.co.uk/vans-rowley-pro-6.html. Dabei fiel mir auf, dass das Schuhmodell in Großbritannien bei den meisten Händlern für etwa £ 55 (umgerechnet ca. € 65) verkauft wird, in Deutschland aber für knapp € 80.

Kurzen Online-Preisvergleich gemacht – auch in anderen Euroländern wie Österreich, Italien oder Frankreich zahlt man den höheren Preis. Als der Euro eingeführt wurde, hieß es auch, im Alltag würde er Vorteile bringen, weil man nicht mehr seine Deutschmark in Schillinge, Francs oder Lire wechseln müsse und die Preise gut vergleichen könne.

Nach meinem (unwissenschaftlichem) Eindruck ist das zwar der Fall, arbeitet aber ausschließlich gegen den Verbraucher, weil sich die Preise bei mittellebigen Konsumgütern (Mode, Elektronik, CDs/DVDs, Spiele nur als Beispiele) auf hohem Niveau angeglichen haben. Ich weiß auch, dass das bei Mieten, Dienstleistungen und Lebensmitteln nicht so ist, aber die kann man nur lokal einkaufen, so dass ein Vergleich nur sehr eingeschränkt sinnvoll ist. Manche Briten sehen sich oft als Opfer einer Verschwörung des Handels (Rip-Off Britain), doch in dieser Hinsicht geht es Euroland eher noch schlechter.

Es gibt den Begriff der Kaufkraftparität (purchasing power parity), der genau in die Richtung geht. In einem idealen Markt müsste jede Ware überall den selben Preis haben, da die Käufer sich nach dem günstigsten Preis orientieren, abgesehen von Transport bzw. örtlichen Gegebenheiten. Einen so heftigen Aufschlag können aber steuerliche Unterschiede alleine nicht erklären.

Leider bin ich kein Wirtschaftswissenschaftler, so dass mein angelesenes Halbwissen die Verwirrung eher vergrößert hat. Warum ist das denn nicht so, wenn es in der Theorie so sein sollte?

Europa wächst jedenfalls zusammen und Europa braucht den Euro nicht. In allen Euroländern werden die Verbraucher trotz niedrigerer Einkommen besonders teuer zur Kasse gebeten.