Wie die Hamburger Morgenpost vor einigen Wochen feststellte, „haben Hamburgs Studenten die gleichen Vorlieben wie Bauarbeiter“, wenn es ums Essen geht.

Kein Wunder, dass es immer mehr Probleme mit Übergewicht gibt. Viele Leute haben eine hauptsächlich sitzende Tätigkeit und essen dennoch so, als müssten sie körperlich schwer arbeiten. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.

Gleichermaßen gibt es relativ wenig Möglichkeiten in Deutschland, sowohl schnell als auch gesund zu essen – ob in den Niederlanden, Finnland, Frankreich, Großbritannien oder der Schweiz, in fast allen unseren europäischen Nachbarländern ist die Snackkultur weiter entwickelt.

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Da schaut man auf Spiegel Online, nichts Böses ahnend, und einem springt folgender, skandalisierende Bericht ins Auge: „Fassbrause: Biergeschmack ohne Alterskontrolle„.

Letztlich geht es darum, dass seit einigen Jahren westdeutsche Brauereien wie Gaffel, Krombacher oder Veltlins alkoholfreie Radler-Varianten unter dem Namen „Fassbrause“ auf den Markt gebracht haben. Angeblich ginge von ihnen eine Gefahr aus, da sich so Kinder an den Biergeschmack gewöhnen würden.

Als Berliner bedauere ich diese Entwicklung außerordentlich. Das Wissen um die traditionelle Fassbrause geht mehr und mehr verloren. Auch das knallbunte Getränk aus Torgau entspricht nicht der historischen „Sportmolle“, wie sie schon seit mehr als hundert Jahren in Berlin und seinem Umland genossen wird. Die Berliner Fassbrause ist ein Getränk auf Apfel-Malz-Basis mit goldener bis hellbrauner Farbe, welches keine typische Brause ist, sondern eher einer Limonade entspricht. Die größten Marken sind Rixdorfer, Spreequell (beide von Mineralquellen Bad Liebenwerda) und Brandenburger Quell. Sogar über den großen Teich soll es das Getränk als „Apple Beer“ geschafft haben.

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Berliner Fassbrause – Bild (C) Achim Raschka @ Wikipedia

Es wird daher Zeit, die Berliner Fassbrause als geschützte geografische Angabe zu führen. Was Dresdner Stollen, Schwarzwälder Schinken und Nürnberger Würstchen schon seit längerem genießen, sollte auch der Berliner Fassbrause zuteil werden. Damit sie von den vielen Fassbrause-Imitaten aus dem Rest Deutschlands geschützt wird.

Gemäß Art. 5 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 510/2006 kann ein Antrag auf Eintragung nur von einer Vereinigung gestellt werden. Gibt es einen Verband Berlin-Brandenburgischer Getränkehersteller o.ä., der das übernehmen könnte?

Gibt es hier zu viele Hausfrauen, haben die Menschen zu viel Zeit oder sind sie einfach blöd? Kann ja nicht sein, dass es für industriellen Obstsalat hier (in Berlin!) keinen Markt gibt… Die Briten können nicht vieles gut, aber darin sind sie uns 10 Jahre voraus.

Tesco Metro Tottenham Court Road
Tesco Metro Tottenham Court Road: "We have done all the hard work so you don't have to" – Industrie-Obstsalat im Kühlregal.

In meiner England-Zeit beschränkten sich meine Essgewohnheiten nicht nur auf Sandwiches. Es war zumindest in der Londoner Innenstadt auch immer ein Leichtes, zum Beispiel frisch gemachte Nudelsuppe oder Sushi zu erwerben, also halbwegs gesundes und gleichzeitig schnelles und preiswertes Essen.

Besonders gut gefallen hat mir aber das Chicken Tikka von Sainsbury’s, das in großen Plastikboxen mit Reis für etwa £3.50 angeboten wurde. Das wurde warm verkauft und konnte sofort gegessen werden. Auch Chicken Jalfrezi, Chili con Carne und Vegetable Masala gab es. War auch alles angenehm scharf.

Nun bin ich ja schon seit mehr als einem halben Jahr in Deutschland, und meine Hoffnung war ja immer: „Was Sainsbury’s kann, kann Ullrich am Zoo schon lange.“ Also war ich neulich dort und habe mir wagemutig die Gänsebrust mit Rotkohl und Kartoffeln für 7 Euro zum Mitnehmen gekauft, in einer schicken Alu-Verpackung.

Die Gänsebrust war aber eine eher trockene Angelegenheit und die Kartoffeln mit Soße schmeckten ziemlich langweilig. Es wirkte wie ein mäßiges Kantinenessen, das nicht einmal das Junk-Food-Flair des Sainsbury’s Chili con carne hatte…