In Deutschland gibt es derzeit drei internationale Bezahlkarten von Direktbanken, die sehr populär sind. Die Rede ist von der Visa Debit der Consorsbank (BNP Paribas), der Visa (Charge) der Deutschen Kreditbank und der MasterCard von Number26 (in Zusammenarbeit mit Wirecard).

Alle diese Karten werben mit kostenloser Bargeldabhebung im In- und Ausland, was sie für Vielreisende zur unentbehrlichen Allzweckwaffe macht. Im Detail unterscheiden sie sich allerdings voneinander. Ganz grundsätzlich würde ich jedem Reisenden empfehlen, mindestens zwei Karten mitzunehmen, gerne auch von unterschiedlichen Zahlungssystemen, z.B. einmal Visa und einmal MasterCard. Es kann immer irgendetwas kaputt oder verloren gehen und in diesem Fall ist man dann auf der sicheren Seite.

Hier eine kurze und nicht vollständige Aufstellung von Vor- und Nachteilen:

DKB:
+ Erstattung von direkten Kundenentgelten an Fremdautomaten (z.B. USA, Thailand, Südkorea; in Deutschland gibt es direkte Kundenentgelte bei Visa-Abhebungen nicht, in anderen Ländern wie UK gibt es jedenfalls meist die Möglichkeit, auf kostenlose Automaten auszuweichen)
+ Offline-PIN-Unterstützung, d.h. nur im absoluten Ausnahmefall Zahlung mit Unterschrift
+ Visa payWave (Kontaktlos)
+ Wettbewerbsfähige Verzinsung des Kartenguthabens
+/- Charge-Karte: Abrechnung monatlich, aber keine Teilzahlungsfunktion, Akzeptanz gleicht der von Visa Credit
– 1,75% Fremdwährungsgebühr bei unbarer Zahlung

Number26:
+ Keine Fremdwährungsgebühr, weder bei Bargeldabhebung noch bei unbarer Zahlung
+/- Debit-Karte: Zeitnahe Abrechnung von Umsätzen nach 1-3 Tagen, aber lückenhafte Implementation, da App ID nicht „Debit MasterCard“ und Logo „Debit MasterCard“ fehlt, daher kein Akzeptanzvorteil ggü. MasterCard Credit
– Kein MasterCard PayPass
– CVM-Liste: Online-PIN, Unterschrift, keine Identifikation – nur in Deutschland wird mit PIN gezahlt, im Ausland mit Unterschrift
– Keine Verzinsung des Kontoguthabens
– Kein Dispositionskredit zum Girokonto
– Keine Erstattung von Surcharges am Automaten

Consorsbank:
+ Visa payWave
+ Cashback: 10 Cent pro Kartenzahlung, gedeckelt auf Gesamtsumme von 25 Euro pro Quartal, bis 31.12.2015
+/- Debit-Karte: Zeitnahe Abrechnung von Umsätzen nach 1-3 Tagen, App ID ist „Visa Debit“, wird auch von Kassensystemen als solche (bzw. „Delta Card“!) erkannt, daher bessere Akzeptanz/Sparen von Kreditkartengebühren z.B. bei easyJet, allerdings fehlt das Logo „Visa Debit“, also keine verbesserte Akzeptanz ggü. Visa Credit bei Card-present-Transaktionen
– CVM-Liste: Online-PIN, Unterschrift, keine Identifikation – nur in Deutschland wird mit PIN gezahlt, im Ausland mit Unterschrift
– Keine Verzinsung des Kontoguthabens
– Keine Erstattung von direkten Kundenentgelten am Automaten
– 1,75% Fremdwährungsgebühr bei unbarer Zahlung, nach jahrelanger Gebührenfreiheit wird dies zum 5. Dezember 2015 eingeführt

Veröffentlicht unter EFT.

Als Kunde der Consorsbank (eigentlich BNP Paribas Zndl Deutschland, Nürnberg) habe ich zu meinem Girokonto eine kostenlose Visa-Karte bekommen. Sie wird in der Werbung als „VISA Card“ bezeichnet, ganz schüchtern taucht in einer Aufzählung der Punkt „Behalten Sie dank Debitfunktion den Überblick: Zahlungen und Abhebungen erscheinen sofort auf Ihrem Konto“ auf.

Consors VisaAuf der Karte ist (und das ist höchst nachlässig!) nur das reguläre Visa-Logo angebracht. Nicht das Logo mit dem zusätzlichen Schriftzug „DEBIT“ unter dem Visa-Logo, wie man es etwa von britischen oder US-amerikanischen Karten kennt, die dort oftmals als Hauptkarte zum Girokonto ausgestellt werden. Zwar ist die EMV-AID immer A0000000031010, egal ob die Karte nun Visa Credit oder Visa Debit ist. Aber anders als es viele Laien vermuten, gibt es dennoch einen ganz erheblichen Unterschied. So sind die Kosten für die Akzeptanz von Visa-Debit-Karten für viele ausländische Händler geringer (hier die Aufstellung der Interchange-Kosten für internationale EWR-Transaktionen, die einen Teil der Händlergebühren ausmachen).

Screen Shot 2015-01-22 at 00.02.43 (EZY Cards)Neulich wieder erlebt: Ich buche einen Flug bei easyJet. Auswahl bei Kartentyp u.a. zwischen „Visa“ und „Visa Debit“, zu meinem Erstaunen sogar in der deutschsprachigen Fassung der Seite, obwohl hier die allermeisten Nutzer unwissend sind. Ich bin natürlich sofort auf die Option „Visa Debit“ gegangen, was die Buchung gleich rund zwei Euro billiger gemacht hat (108,54 Euro statt 110,71 Euro), da dann easyJet auf Kreditkartengebühren verzichtet. Natürlich mit der Consorsbank-Visa-Karte gezahlt. Die Transaktion ging problemlos durch und wurde bestätigt. Nutzer bestimmter amerikanischer Visa-Debit-Karten beklagen in Foren, dass das easyJet-Buchungssystem ihre Karten nicht richtig erkennt, aber zumindest in dieser Hinsicht gleicht die deutsche Visa Debit der Consorsbank in ihrer Funktionalität exakt denen etwa aus Großbritannien. Das sollte sich dann auch am POS, also an der elektronischen Kasse, zeigen.

FoylesDeltaCardBeim Buchhändler in London nutzte ich die Karte natürlich ebenfalls, zumal sie mit 0% Fremdwährungsgebühr auch bei bargeldloser Zahlung, anders als etwa DKB, DAB, comdirect, ING-DiBa, netbank usw., für Weltenbummler sehr attraktiv ist. Es erschien auf dem Kassenzettel sogar die Angabe „DELTA CARD“ – die alte Bezeichnung für Visa Debit in Großbritannien, die schon seit ca. 10 Jahren nicht mehr verwendet wird – als Zahlungsmethode! (Dass die Karte im Ausland als Chip & Signature-Karte funktioniert, weil sie nur Online-PIN und kein Offline-PIN kann, und das sehr suboptimal ist, ist wiederum eine andere Baustelle…)

Auch bei PayPal habe ich die Karte (als Visa-Karte) als Zahlungsmethode eingetragen. In der Einzelansicht der Transaktionen heißt es dann immer, abgebucht wurde von „Visa Debit Card“.

Screen Shot 2015-01-25 at 23.23.00

Nur weil in Deutschland und der Kartentyp „Visa Debit“ eine untergeordnete Rolle im Zahlungsverkehr spielt und viele gar nicht wissen, was das ist – zumal hierzulande oft Visa und MasterCard mit Kreditkarten gleichgesetzt wird und man bei Debitkarte lediglich an V-Pay, Visa Electron oder Maestro denkt –, ist das im Ausland nicht automatisch der Fall. Den Unterschied und den entsprechenden Kartentyp der eigenen Karte zu kennen kann bares Geld sparen.

(Es ist also ganz einfach: Visa Debit ist eine Karte, die überall akzeptiert wird, wo Visa akzeptiert wird. Alles, was mit Kreditkarten funktioniert (z.B. Reservierung eines Betrages oder Offline-Transaktion mit Magnetstreifen im Zug), aber nicht notwendigerweise mit den „klassischen Debitkarten“ wie Visa Electron oder Maestro, funktioniert auch mit Visa Debit, Meist hat eine Visa-Debit-Karte eine hochgeprägte Kartennummer, die Abrechnungsmodalität ist die einer Debitkarte, die Akzeptanzkosten sind für internationale Händler geringer.)

Fundstück heute: „Berliner Taxen müssen bald Kartenzahlung akzeptieren

Wermutstropfen: Die Strafgebühr von 1,50 Euro pro Kartenzahlung soll bleiben. (Offenbar lässt man sich lieber überfallen, als für die sichere Kartenzahlung zu trommeln.)

Und dennoch: Man merkt hier, wie verschlafene, staatlich geschützte Branchen sich plötzlich bewegen, wenn ein neuer Wettbewerber aktiv wird. Ob es nun Uber ist, wo grundsätzlich per Kreditkarte abgerechnet wird, oder der Fernbus, der der Deutschen Bahn derzeit massiv Beine macht – denken wir nur an das kostenlose WiFi in der 1. Klasse des ICE oder die kurzfristige Buchung von Sparpreisen.

Daran kann man zumindest zweifeln.

Denn auch dort hat sich die besonders bei Sparkassen und Volksbanken in der Provinz verbreitete Praxis eingebürgert, Inhabern von bestimmten Karten Barauszahlungen zu verweigern. (Die Mittelbrandenburgische Sparkasse Potsdam macht das anders – dort kann man pro VISA-Transaktion maximal 50 Euro abheben. Auch das ist eine eher merkwürdige Praxis.)

Kein BargeldEin solcher Hinweis ist an den Geldautomaten der Kreissparkasse Böblingen im Einkaufszentrum „Mercaden“ in Böblingen zu sehen. Demnach kann man mit VISA-Karten von ING-DiBa, DKB, Volkswagen Bank, Santander Bank, CC Bank, comdirect und Allbank kein Bargeld abheben. Nun bieten in der Tat einige Direktbanken kostenlose Bargeldabhebungen mit der VISA-Karte an, wie die ING-DiBa oder die DKB. Die comdirect tut dies jedoch nur im Ausland. Allbank und CC Bank gibt es gar nicht mehr. Noch kurioser: Die Santander Bank ist eine Filialbank. Geht es lediglich darum, Wettbewerbern Steine in den Weg zu legen?

Fakt ist jedenfalls, dass auch für Abhebungen mit der VISA-Karte Gebühren von der ausstellenden Bank an den Geldautomatenbetreiber gezahlt werden, es handelt sich also nicht um Schnorren o.ä. Diese bewegen sich im Bereich von knapp zwei Euro, was kostendeckend sein dürfte. Ich bezweifle auch sehr stark, dass comdirect oder DKB weniger zahlen müssten als eine fremde Filialbank, es dürfte vielmehr an der Popularität ihrer Produkte liegen. Die Privatbanken verlangen auch für die Abhebung mit der girocard, wo ein direktes Kundenentgelt anstelle eines Interbankenentgeltes berechnet wird, fast immer 1,95 Euro. Man sieht dort auch kein Problem in der Mitnutzung durch Kunden anderer Banken, da dies den Betrieb der Automatenstandorte rentabler mache. Die ING-DiBa stellt sogar selbst Automaten an Bahnhöfen und anderen Orten mit viel Laufkundschaft auf, um davon zu profitieren.

Mit solchen Praktiken, liebe Kreissparkasse Böblingen, gewinnt man jedenfalls keine neuen Kunden. Direkt neben dem Einkaufszentrum am Bahnhof befindet sich eine Postbank, wo man die Dinge etwas gelassener sieht. Und sollte der Betrieb von Geldautomaten wirklich so teuer sein, dann bewirbt doch das bargeldlose Zahlen.

Mittelfristig besteht die Gefahr, dass durch solche Aktionen die einheitlichen Zahlungssysteme fragmentiert werden und man sich nicht mehr sicher sein kann, dass überall Visa drin steckt, wo Visa drauf steht.

Seit ich im September dieses Jahres ein Girokonto bei der Consorsbank, damals noch Cortal Consors, eröffnet habe, befinde ich mich in einer Art dauerhaften No-Cash-Challenge (mehr zu dieser „Sportart“ hier). Denn für jede Visa-Zahlung gibt es 10 Cent Cashback, und auch für jede girocard-Zahlung mit PIN, also nicht für elektronisches Lastschriftverfahren. Außerdem kann man durch die eigene Bank ein elektronisches Haushaltsbuch führen lassen, so dass man schnell und systematisch nachschlagen kann, wo man am meisten Geld gelassen hat. Inzwischen sehe ich es als echten Servicemangel an, wenn Restaurants (mit Bedienung) keine Karten akzeptieren – das wäre allenfalls bei einer Wurstbude noch verständlich.

Consors VisaDie Visa-Karte von Consors ist einerseits eine Visa Debit, andererseits ist sie mit der kontaktlosen payWave-Funktion ausgestattet. Ist das Kartenterminal entsprechend ausgestattet, kann man die Karte einfach kurz vor den Bildschirm des Gerätes halten, statt sie wie üblich zu stecken, und bei Transaktionen unter 25 Euro wird dann im Regelfall weder Unterschrift noch PIN verlangt.

Positive Erfahrungen

Karstadt Sports: Der Händlerbeleg mit einem Verweis auf B+S Card Service GmbH enthielt trotz des geringen Betrages (ca. 12 Euro) und der kontaktlosen Zahlung mit Visa payWave ein Unterschriftenfeld! Dabei zeichnet sich die kontaktlose Zahlung gerade dadurch aus, dass bei geringwertigen Einkäufen keine Unterschrift und auch keine PIN-Eingabe erforderlich ist.

Kaufhof am Hauptbahnhof: Die Verkäuferin kannte das Verfahren nicht, es klappte jedoch anstandslos und ohne Identifikation.

Bahnhof-Apotheke (Königstraße 4): Die Apothekerin kannte das Verfahren nicht, es klappte jedoch anstandslos, nachdem ich sie (angesichts des neuen Ingenico-Terminals) fragte, ob wir das versuchen können. Abzüge gibt es in der B-Note dafür, dass das Personal dennoch auf einer Unterschrift von mir bestand, auch wenn auf dem Beleg kein solches Feld aufgedruckt war.

Negative Erfahrungen

Jet-Tankstelle (Hauptstraße, Echterdingen): Zwar ist auf dem ICP-Terminal ein Kontaktlos-Logo aufgeklebt, jedoch bezieht sich das offenbar nur auf girogo, das auf dem Bildschirm angezeigt wird. Hält man die Visa-payWave-Karte an das Gerät, piept es, aber mehr passiert nicht. Vom Personal hieß es, es habe noch keiner erfolgreich kontaktlos zahlen können.

Da Cesare: Ein tragbares Ingenico-Terminal neuester Generation befindet sich bei diesem Italiener in der Nähe des U-Bahnhofs Rathaus. Nur ist die Kontaktlosfunktion offenbar nicht freigeschaltet, denn es wird weder zum Vorhalten aufgefordert noch reagiert das Gerät darauf. Es muss gesteckt werden.

tegut im Milaneo: Ein etwas eigenartiger Supermarkt in dem neuen Einkaufszentrum – ziemlich auf Bio getrimmt, mit Klaviermusik im Hintergrund, aber auch viele konventionelle Waren führend. An der Kasse die gewohnten Verifone-Geräte, die man auch in Berlin bei Ullrich und Kaiser’s sieht. Allerdings ist die Kontaktlosfunktion offenbar nicht freigeschaltet, denn es wird weder zum Vorhalten aufgefordert noch reagiert das Gerät darauf.

Fazit

In Stuttgart scheint die Kontaktlos-Zahlung noch nicht wirklich angekommen zu sein. Einige Händler unterstützen es, oft ohne dass es das Personal bewusst weiß. Bei anderen ist die Unterstützung trotz moderner Kartenterminals gar nicht vorhanden. Allerdings ist selbst in Berlin das Bild gemischt. Einige wenige Verkäufer an den Kassen kennen es, denn es ist schneller und spart Aufwand, andere (hier sind insbesondere einige Kaiser’s-Filialen zu nennen, die fast alle Karten nehmen) verweigern vehement die Freigabe des Terminals, bevor sie die Karte in der Hand hatten und stecken diese dann. Wir schauen mal in ein, zwei Jahren erneut auf dieses Thema…

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