Frozen yogurt paid contactlessly. London Transport Festival, 2016.
Frozen yogurt paid contactlessly. London Transport Festival, 2016.
Freunde des bargeldlosen Lebensstils haben es in Deutschland leider nach wie vor schwer. Oftmals werden nur einheimische Karten akzeptiert, oder ein unverhältnismäßig hoher Mindestumsatz gefordert (bis zu 50 Euro). Gerade in der Schnellgastronomie werden jenseits von McDonald’s und Starbucks manchmal überhaupt keine Karten akzeptiert. Hingegen ist es in Polen oder Großbritannien keine Kunst mehr, einen kleinen Frozen Yogurt auf einem Straßenfest mit Visa zu bezahlen.

Doch das Meckern in kleiner Runde bringt wenig. Einige Handlungsempfehlungen:

1) Händler direkt ansprechen
Dies sollte immer der erste Schritt sein. Gerne auch diskret per E-Mail, wenn der Kellner oder die Verkäuferin auf den Chef verweist, der leider, leider gerade nicht im Haus ist. Vielleicht weiß der Händler gar nicht, dass sich Kunden bargeldloses Bezahlen wünschen. Oder das Wissen des Chefs ist veraltet.

Kartenzahlung ist heutzutage
weder langsam (siehe kontaktloses Bezahlen mit Visa payWave und Mastercard PayPass),
noch teuer (girocard ab 0,5% Disagio, Mastercard und Visa ab 1% Disagio – Wechseln des Acquirers nach Preisvergleich kann sich gelegentlich lohnen – die beliebten „Menüschecks“ der großen Anbieter kosten hingegen bis zu 4,95% Abschlag – und wenn „keine Grundgebühr und keine lange Vertragsbindung“ Priorität hat, kann man erst mal mit einem iZettle anfangen),
noch unüblich (bei 100 Millionen girocards wird fast jeder Deutsche eine mit sich führen, viele ausländische Touristen führen vor allem Kreditkarten mit sich, und gerade bei jüngeren und weitgereisten Menschen ist der Verzicht auf bargeldloses Zahlen oftmals eher ein Problem der schwachen Akzeptanz und nicht so sehr eine Lifestyle-Wahl).

Manche Gastwirte beobachten sogar, dass sie mehr Kartenumsätze haben als branchenüblich, wenn sie in einer Gegend sind, in der nur wenige Lokale mit Kartenakzeptanz werben.

Es gibt natürlich den ein oder anderen starrsinnigen Chef, der sagt „ich bin jetzt 63 und in zwei Jahren mach ich den Laden sowieso zu“ oder „gegenüber ist die Sparkasse“ und überhaupt, „der Laden läuft doch ganz okay“ – dann kann man immer noch zu Schritt 2 übergehen.

2) Händler schlecht bewerten
Beispielsweise auf Yelp, Facebook, Foursquare oder Google kann man Bewertungen hinterlassen und auch schlechten Service von Geschäften, Gaststätten usw. kritisieren. Das wird außen stärker wahrgenommen als diskrete Mails.

3) Dem örtlichen Bundestagsabgeordneten schreiben
Den örtlichen Bundestagsabgeordneten findet man hier: https://www.bundestag.de/abgeordnete18/wahlkreise/

Schreibe dem Abgeordneten etwa, dass eine Fiskalkassenpflicht weniger „Schwarzumsätze“ bedeutet. Oder dass manche Gastwirte stöhnen, weil ihnen die Bürokraten im Finanzamt unterstellen, sie würden beim Barumsatz bescheißen, wenn sie mal mehr als 10% Kartenumsätze haben. Dass mancher Ladeninhaber eigentlich lieber „EC“ als Barzahlung sähe, weil sie auch schon mal ausgeraubt wurden, oder nicht jeden Abend kleine Münzen rollen möchten. Denn auch das Einzahlen von Bargeld ist für Geschäftskontoinhaber gebührenpflichtig und viele Bankfilialen haben keine Münzzählmaschinen.

Wenn mehr Zeit vorhanden ist: Anrufen ist noch besser als schreiben! Am besten den Mitarbeiter im lokalen Wahlkreisbüro. Oder in die Wählersprechstunde gehen.

Taxi im polnischen Szczecin (Stettin). Trotz historisch relativ hoher Interchange-Gebühren ist die Kartenzahlung in Polen sehr verbreitet.
Taxi im polnischen Szczecin (Stettin). Trotz historisch relativ hoher Interchange-Gebühren ist die Kartenzahlung in Polen sehr verbreitet.
4) Dem örtlichen Landtagsabgeordneten oder Kommunalpolitiker schreiben
Wurde eure Karte im Taxi abgewiesen? Oder nimmt der Automat für U-Bahn-Fahrkarten keine Kreditkarte? Nahverkehr wird durch die Länder, Kreise oder Kommunen bestellt. Ihr solltet bei diesen Aspekten also dem örtlichen Landtagsabgeordneten oder den Kommunalpolitikern vor Ort schreiben.

5) Der örtlichen Tourismus- oder Wirtschaftsförderungsgesellschaft schreiben
Schreibe der Tourismus- oder Wirtschaftsförderung deine Erfahrungen. In Berlin sind dies beispielsweise visitBerlin und Berlin Partner.

Vielleicht bist du weit gereist und hast Erfahrungen in den USA, England, Schweden, Finnland, Polen oder Tschechien gemacht. Was machen sie dort anders und was ist komfortabler?

Du kannst ihnen erklären, dass die vermeintliche „splendid isolation“ im Bereich Payment – in der Gastronomie, im ÖPNV, und so weiter – den Wirtschaftsstandort Deutschland als rückständig erscheinen lässt. Dass „Berlin ist billig und toll für einen Sauf-Urlaub“ kein dauerhaftes Geschäftsmodell ist, und auch sparsame Besucher nicht immer anspruchslos sind. Dass finanzstarke Investoren oder potenzielle Käufer deutscher Technik aus dem Ausland abgeschreckt werden, wenn sie „Nur-Hartgeld“-Automaten in Straßenbahnen nutzen müssen, teurere Cash-only-Gaststätten erleben, oder der Taxifahrer Kreditkarten nur widerwillig annimmt und dafür einen hohen Aufschlag berechnet.

6) Verbraucherverbänden schreiben
Ist noch ein wenig Energie übrig?

Schreibt eurer regionalen Verbraucherzentrale, wenn ihr erlebt, dass Händler Mindestumsätze oder Aufschläge für die Kartenzahlung verlangen, die überraschend kommen und nicht ausgeschildert sind. Dies könnte möglicherweise rechtswidrig sein.

Macht sie auf Probleme aufmerksam, die ihr im Alltag als Kunden erlebt. Verbraucherzentralen sammeln solche Informationen, um sie in ihrer politischen Arbeit zu verwerten und Handlungsbedarf aufzuzeigen.

Schlusswort

Es gibt viele Orte, bei denen man sich Gehör verschaffen kann. Natürlich ist Politik das Bohren dicker Bretter und es wird Rückschläge geben, in Form von nicht oder nur mit am Thema vorbeischrammenden Textbausteinen reagierender Lokalpolitiker. Aber es ist eine gemeinsame Anstrengung aller Akteure erforderlich, um Deutschland wettbewerbsfähig zu machen und von einem Transformationsland zu einem Wirtschaftsstandort auf Weltniveau im Herzen Europas zu entwickeln. Verbraucher, Banken, Händler und Politik müssen zusammenarbeiten.

Es geht hier keinem um die Abschaffung des Bargeldes. Aber der Verbraucher sollte eine Wahl haben. Wenn die Kartenzahlung bestimmten Verbrauchern mehr Komfort bietet, ist es legitim, als zahlender Kunde den Wunsch danach zu äußern.

Nochmals: Meckern in kleiner Runde zählt nicht! Dieser Beitrag soll als erste Inspiration dienen, um die nächsten Schritte anzugehen und gehört zu werden. Gemeinsam können wir stark sein.

Beim Aufräumen habe ich im Keller einige Seiten des Tagesspiegels vom Sonntag, 22. Juli 2012 entdeckt.

Als „Wort zum Sonntag“ wird eine Aussage von Peer Steinbrück (SPD) erwähnt: „In einigen Jahren mehren sich bei mir die Zweifel, ob alle Länder in der Euro-Zone gehalten werden können … Ich kann nicht erkennen, dass einige Länder die Lücke ihrer Wettbewerbsfähigkeit schließen können.“

Auf der selben Seite 7 ein Meinungsbeitrag „Der Geist des Sports“ der Autoren Markus Hesselmann und Friedhard Teuffel zum sprichwörtlichen britischen Sportsgeist im „Land der Fairness“. Zur Erinnerung: Die Olympischen Spiele in London standen kurz vor der Tür.

Pragmatismus und Common Sense – noch so ein schwer zu übersetzender englischer Begriff, in dem sowohl Gemeinsinn als auch gesunder Menschenverstand stecken – sind dieser Haltung zufolge eher zu trauen als großen systematischen Gesellschaftsentwürfen. (…) Vergleichsweise harmlos, aber doch bezeichnend, kann sich das im Berliner Alltag schon mal so darstellen: In Prenzlauer Berg ging unlängst ein Mann um, der Spätkaufinhaber, die trotz Verbots auch sonntags geöffnet hatten, anzeigte. Schließlich müsse es ‚gerecht‘ zugehen, gab der Denunziant als Erklärung für sein Vorgehen an. Ein Ladeninhaber schlug zurück, indem er die Rufnummer seines Anschwärzers ins Schaufenster klebte. Eine Auseinandersetzung auf dem Feld der Gerechtigkeit, die kaum von Fairness, Common Sense oder Pragmatik getragen wurde.

Exakt das ist drei Jahre später immer noch Thema. Eine latente Unzufriedenheit ist zwar bei Wirtschaft und dem fortschrittlichen Teil der Gesellschaft erkennbar. Allerdings wird mit allen Mitteln und zu unverhältnismäßigen Kosten der Status quo durch Politik und die überproportional mächtigen Interessenverbände (Gewerkschaften und Kirchen) konserviert, während sich anderswo die Erde weiter dreht – nur in Deutschland nicht.

Ich finde es furchtbar, wenn es keinen gesellschaftlichen und politischen Fortschritt in einem Land gibt. Nicht Honig im Kopf, bildhaft müsste man eher von einer honigartigen Klebrigkeit, oder Mehltau über dem Land sprechen.

Derzeit läuft unter dem Schlagwort „#RettetdieSpätis“ eine Petition von Christina Jurgeit aus Berlin. Die Petentin fordert, dass das Landes-Ladenschlussrecht angepasst wird. Die das Stadtbild mit prägenden Berliner Spätkäufe – oft Familienbetriebe – sollen auch an Sonntagen ihr volles Sortiment verkaufen dürfen.

Und es hagelt in den Online-Diskussionsspalten wieder die altbekannten konservativen Stammtischparolen, die jeder in- und auswendig kennt, der sich mit Ladenschlussdebatten beschäftigt. Früher sei auch keiner verhungert, als um 18:30 an Werktagen alle Geschäfte schlossen. Alles verweichlicht, die Menschen können sich nicht mehr organisieren. Der ganze Kommerz sei überhaupt etwas ganz Furchtbares.

Doch früher gab es auch noch eine Hausfrauengesellschaft, die es heute nicht mehr gibt. Was für den „Veggie Day“ gilt, muss auch bei Ladenöffnungszeiten gelten: Lebensstilentscheidungen sollten nicht per Gesetz vorgeschrieben werden.

Schaut man sich in den EU-Nachbarstaaten um – ob Polen, Niederlande oder Großbritannien – sieht man, dass die Gesellschaft nicht untergeht, wenn auch sonntags Einkaufsmöglichkeiten existieren. Ganz im Gegenteil: Man kann nicht gleichzeitig den Versandhandel für die vermeintliche Verödung von Innenstädten und das Aussterben lokaler Unternehmen verantwortlich machen und es dem Verbraucher so schwer wie möglich machen, zu passenden Zeiten den ortsansässigen Einzelhandel zu nutzen.

Im Übrigen zeigt sich bei dieser Debatte eine widerliche Doppelmoral. Im eigenen Land hält der konservative Deutsche den angeblichen Arbeitnehmerschutz hoch (wohlgemerkt: für die, die gerade jetzt Arbeit haben, aber zulasten derer, die durch eine Änderung Arbeit bekommen könnten – ein paar Studentenjobs für Wochenenden an der Kasse sind doch eine gute Sache). Doch fährt man sonntags nach Stettin (PL) oder Venlo (NL), hört man in der ganzen Innenstadt viele deutsche Stimmen – Grenztouristen, die dort ausgedehnte Shoppingtouren erledigen. Das Geld bleibt dann in Polen oder den Niederlanden und die Umsatzsteuer füllt die dortigen Staatskassen.

Doch wer für diese Entwicklungen verantwortlich ist, wird wohl kaum den lokalen Einzelhändlern reinen Wein einschenken und gestehen, dass man sie auf dem Altar überholter Anstands- und Lebensstilvorstellungen geopfert hat. So wird medial und nicht zuletzt im von der Allgemeinheit finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiter auf Amazon, Zalando und andere Versandhändler eingedroschen. Also auf die Überbringer statt die Verursacher der schlechten Nachrichten, wie es gute Tradition in der Politik ist.

Heute wieder im Tagesspiegel gelesen: „Das System Airbnb: Ferienwohnungen spitzen die Lage auf dem Wohnungsmarkt weiter zu. Wie Online-Anbieter von Ferienappartements den Berlinern die Wohnungen streitig machen.

Natürlich, jede Ferienwohnung entzieht diese Wohnung dem Mietermarkt. Und klar, man sollte gegen diejenigen vorgehen, die das als ein schwarzes Gewerbe betreiben. Gab es in meinem Wohngebiet neulich auch schon, da wurde dann ein Mieter, der jede Woche neue Untermieter reinholte, vom Eigentümer rausgeworfen.

Aber Fakt ist nun mal, dass nicht jeder in der Innenstadt leben kann, auch wenn das sicher viele möchten und die Landflucht auch in Deutschland seit Jahren ungebremst weiter geht. Zweckentfremdungsverbote oder Mietpreisbremsen bekämpfen lediglich die Symptome, nicht die Ursachen, die in einem schwachen Angebot liegen.

Wohnungsbesichtigung in London (2011)
Wohnungsbesichtigung in London (2011)

Wohnungsbau ist in Deutschland teuer und Neubauten grundsätzlich nur im Hochpreisbereich rentabel, weil Partikularinteressen für immer schärfere Bauvorschriften gesorgt haben. Darüber hinaus sind periphere Gebiete sehr schlecht angebunden. Das muss nicht mal die Uckermark sein – auch schon am Stadtrand Berlins wird es schwierig, wenn man nur an einen Bus im 30-Minuten-Takt angebunden ist. In London kann man das sehr gut am Boom in Wohngebieten sehen, die durch die neue Nahverkehrslinie Crossrail deutlich besser an die Innenstadt angebunden sein werden.

Ja, auch in der Berliner U-Bahn wird bereits für Häuser in Rathenow geworben. Aber solange dort vom Berliner Stadtzentrum nur einmal pro Stunde eine einsame ODEG hinfährt, ist das natürlich keine Option für Pendler, die sich nicht jeden Tag den Autoverkehr antun wollen. Hier haben Berlin und Brandenburg noch erheblichen verkehrspolitischen Nachholbedarf!

Es muss nicht jeder in der Innenstadt Berlins leben. Wenn es aber möglich wird, zu vernünftigen Fahrzeiten mit dem ÖV auch aus Außenbezirken oder dem Speckgürtel anzureisen, wird sich der Wohnungsmarkt etwas entzerren. Solange eine U-Bahn-Erweiterung (U55) vom Alex zum Hauptbahnhof fast ein Jahrzehnt braucht – die ursprünglich mal geplante Erweiterung über Turmstraße-Jungfernheide-Tegel werde ich wohl nicht mehr erleben –, ist das natürlich eine hohe Messlatte…

In § 6 Abs. 2 UAbs. 2 des VBB-Tarifs findet sich folgender Passus: „Sofern bei Fahrtantritt kein Fahrausweis bis zum Ziel gelöst werden kann, ist beim Übergang auf das nächste Verkehrsmittel ein Fahrausweis für die Anschlussstrecke – gegebenenfalls auch an Automaten – zu lösen. Ein Anspruch auf Anrechnung des erstgelösten Fahrausweises auf den tarifmäßigen Preis zwischen Ausgangs- und Zielpunkt besteht nicht.

Dies könnte ein Verstoß gegen den § 307 BGB sein.

Ich bin der Meinung, dass es ein klarer Verstoß gegen den § 307 BGB ist, weil unangemessene Benachteiligung des Kunden durch Abweichung von einer gesetzlichen Bestimmung. Ich weiß nur nicht, von welcher gesetzlichen Bestimmung abgewichen wird. (Update vom 8. April 2014: Möglich ist eine Abweichung vom Anspruch auf Ausgabe eines Fahrausweises gemäß EVO.)

Wenn mein Automat nur Stadttarif Berlin verkauft, nicht aber z.B. Berlin-Frankfurt(Oder), warum soll ich für die Anfangsstrecke doppelt zahlen, weil der Anbieter das verpennt…

Irgendein AGB-Rechtsexperte, der einen spontanen Einfall hat?

Da schaut man auf Spiegel Online, nichts Böses ahnend, und einem springt folgender, skandalisierende Bericht ins Auge: „Fassbrause: Biergeschmack ohne Alterskontrolle„.

Letztlich geht es darum, dass seit einigen Jahren westdeutsche Brauereien wie Gaffel, Krombacher oder Veltlins alkoholfreie Radler-Varianten unter dem Namen „Fassbrause“ auf den Markt gebracht haben. Angeblich ginge von ihnen eine Gefahr aus, da sich so Kinder an den Biergeschmack gewöhnen würden.

Als Berliner bedauere ich diese Entwicklung außerordentlich. Das Wissen um die traditionelle Fassbrause geht mehr und mehr verloren. Auch das knallbunte Getränk aus Torgau entspricht nicht der historischen „Sportmolle“, wie sie schon seit mehr als hundert Jahren in Berlin und seinem Umland genossen wird. Die Berliner Fassbrause ist ein Getränk auf Apfel-Malz-Basis mit goldener bis hellbrauner Farbe, welches keine typische Brause ist, sondern eher einer Limonade entspricht. Die größten Marken sind Rixdorfer, Spreequell (beide von Mineralquellen Bad Liebenwerda) und Brandenburger Quell. Sogar über den großen Teich soll es das Getränk als „Apple Beer“ geschafft haben.

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Berliner Fassbrause – Bild (C) Achim Raschka @ Wikipedia

Es wird daher Zeit, die Berliner Fassbrause als geschützte geografische Angabe zu führen. Was Dresdner Stollen, Schwarzwälder Schinken und Nürnberger Würstchen schon seit längerem genießen, sollte auch der Berliner Fassbrause zuteil werden. Damit sie von den vielen Fassbrause-Imitaten aus dem Rest Deutschlands geschützt wird.

Gemäß Art. 5 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 510/2006 kann ein Antrag auf Eintragung nur von einer Vereinigung gestellt werden. Gibt es einen Verband Berlin-Brandenburgischer Getränkehersteller o.ä., der das übernehmen könnte?

Neulich brachte der Tagesspiegel einen Meinungsbeitrag zum Thema „Müll in Berlin„. Grundaussage: Die Berliner dürfen sich nicht darauf verlassen, dass öffentliche Einrichtungen ihren Müll entfernen, sondern auch selbst Initiative ergreifen. Mit der aktuellen Versorgungsmentalität werde man weder die Probleme mit wilden Müllkippen noch den Hundekot auf den Straßen los.

Gerade der Hundekot auf den Straßen ist schon Thema in der Politik geworden. Ein grüner Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksverordneter stellte eine Anfrage, wie viele Hundehalter im Bezirk Bußgelder erhalten haben. Ergebnis:

Eine diesbezügliche Statistik wird nicht geführt. Als Erfahrungswert zeigt sich jedoch über die letzten Jahre, das pro Monat etwas 1-2 Verstöße festgestellt werden können.

Ergänzende Information:
In unserem Bezirk beträgt die Bußgeldhöhe bei Nichtbeseitigung von Hundekot 250 €. Diese Summe ist auch vom Amtsgericht bestätigt und für angemessen betrachtet worden.

Das Friedrichshain-Kreuzberger Ordnungsamt erwischt also nur ein oder zwei verantwortungslose Hundehalter pro Monat. Viele andere kommen unbemerkt davon. Das beschränkt sich auch nicht auf den Hundekot. Nervig sind auch notorische Gehwegradler oder Zweite-Reihe-Parker. Mangels Personal können Polizei und Ordnungsamt das kaum verfolgen, und die Bußgelder bewegen sich bei Verkehrsverstößen oft nur im Bereich von 10 bis 20 Euro.

Daraus entwickelte sich neulich eine Diskussion, ob nicht angesichts der seltenen Kontrollen höhere Bußgelder erforderlich sind. Einer vermutete eine (in seinen Worten) „sadistische Freude“ anderer, wenn jemand beim Regelverstoß erwischt wird. Sicher kommt manchmal der Gedanke auf, „jetzt trifft es mal die richtigen“. Aber sind Kontrollen nicht auch eine Frage der Fairness denjenigen gegenüber, die sich korrekt verhalten? Diese haben nichts zu befürchten. Es darf auch keinesfalls der Gedanke aufkommen, dass der Ehrliche der Dumme ist. Und bei diesen Regeln handelt es sich auch nicht um einen Selbstzweck. Es geht tatsächlich um den Schutz der Gesundheit und Sicherheit Dritter.

Andere Nationen, wie etwa Großbritannien, sind da wesentlich rigoroser. Wer sich in London unerlaubt auf einer Busspur erwischen lässt, muss ein Bußgeld von bis zu £130 zahlen. Deutschland ist – wie viele es beklagen – in der Tat ein Land vieler Verbote, aber wenn sie sachlich gerechtfertigt und aber dann auch konsequent durchgesetzt werden, ist nicht jedes Verbot per se verwerflich. Singapurer Verhältnisse will hier keiner, aber die wenigsten wollen jeden Tag von Hundekot und Müll vor der Haustür begrüßt werden.

Ein frohes neues Jahr euch allen!

Bundestagsvizepräsident Thierse (SPD) hat neulich über Schwaben gelästert, welche die einheimische Bevölkerung im Prenzlauer Berg verdrängt hätten. Die Antwort der angesprochenen Süddeutschen ließ nicht lange auf sich warten, Ex-BW-Ministerpräsident Oettinger bezog sich sogleich auf den Länderfinanzausgleich, mit dem Berlin von BW, Bayern und Hessen alimentiert werde.

Jedenfalls bin ich auf den folgenden Song gestoßen, den man ob seines trolligen Inhalts nicht ernst nehmen kann. Aber unterhaltsam ist’s trotzdem.

Veröffentlicht unter Berlin.

Neulich bekamen alle Mietparteien in unserem Haus ein Schreiben der Firma WBM (Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte), welche Eigentümer und Verwalter dieses Hauses ist. Offenbar gibt es einige, die ihre Wohnung schwarz untervermieten, indem sie sie nicht selbst nutzen, sondern als Ferienwohnung anbieten.

„Aus diesem Grund weisen wir Sie darauf hin, dass dieser Sachverhalt eine erhebliche Pflichtverletzung des geltenden Mietvertrages darstellt und in der Folge zur sofortigen fristlosen Kündigung des Mietvertrages führen kann!“

Der Vermieter kommt nicht direkt an den Untermieter ran, also ist die einzige Möglichkeit, den Untermieter loszuwerden, die fristlose Kündigung des Hauptmieters. Und das ist nach geltendem Recht auch unproblematisch möglich. Es stellt sich eigentlich eher die Frage nach Schadensersatz.

Der Ferienwohnungsboom in Berlin scheint aber wirklich enorme und unangenehme Ausmaße anzunehmen.

In Berlin ist ein Teil der U-Bahn-Linie U6 gesperrt, da ein neuer Kreuzungsbahnhof an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße (mit der neuen U5) errichtet wird. Deswegen wurde auch ein Pendelverkehr mit dem Bus 147 eingerichtet.

Die Ansage in der der U2 kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Mohrenstraße wurde daher etwas verlängert:

… zwischen Französische Straße und Friedrichstraße unterbrochen. Fahrgäste nach Friedrichstraße nutzen bitte ab Mohrenstraße den Bus Linie hundertsiebenundvierzig. Attention! Due to construction work, the U6 between Französische Straße and Friedrichstraße is interrupted. Passengers travelling to Friedrichstraße take the bus onehundredfortyseven departing from Mohrenstraße.

Komplizierter ging es wohl wirklich nicht, zumal kein Brite den Bus 147 als „onehundredfortyseven“ aussprechen würde. Warum nicht ein viel eleganteres „Due to engineering works, the U6 line is interrupted between Französische Straße and Friedrichstraße. Passengers for Friedrichstraße should alight here for bus number one-four-seven.“ (für Stadtmitte: „…alight here and continue their journey at street level.„)

Die BVG-Ansagen, insbesondere die auf Englisch, sind ja für Kürze und Informationsgehalt nicht gerade bekannt. An Verkehrsknotenpunkten wie Alex oder Zoo wird immer angesagt, wie man aus der Region rauskommt („S-Bahn service to Hauptbahnhof„, „to Tegel Airport„).

„Übergang zum Regional- und Fernverkehr“ wird hingegen nur auf Deutsch, nicht auf Englisch angesagt. Dabei wäre ein „Change here for main line InterCity and suburban rail services“ nun auch nicht so schwer. Warum erklärt man den nicht-deutschsprachigen Touristen nur, wie man aus der Stadt rauskommt? Will man sie hier nicht haben oder ist es bloß Nachlässigkeit?
Immerhin verkaufen die Berliner Verkehrsbetriebe ein Fachbuch „Englisch in Bus und Bahn„…

Update (24. Oktober 2012): Die BVG hat ihre Ansage der U7 am Bahnhof Rathaus Spandau (vermutlich auch auf meine Anregung hin) inzwischen erweitert. Nun heißt es „Change here for main line railways“ – gut, aber „rail services“ wäre besser! Denn mich interessiert nicht die Strecke (railway), sondern die Fahrt (rail service).

Veröffentlicht unter Berlin.