…hat etymologisch die selben Wurzeln wie die griechische Speise Gyros. Es dreht sich.

Und genauso wie ein zu lange gegrilltes Gyros ist auch ein Girokonto ohne Guthaben eine eher trockene Angelegenheit. Dies gilt auch für das britische Girokonto von Monese, das ich euch in einem vorherigen Post vorgestellt habe. Insbesondere weil Monese keine Überziehungsmöglichkeit (overdraft) anbietet. Ein Dispokredit hätte jedoch erheblich strengere Vergabekriterien erfordert und wäre gerade für Neuankömmlinge in Europa nicht ohne Weiteres denkbar.

Screenshot_2015-09-24-10-04-19Nun wollte ich möglichst kostengünstig zum „inländischen Tarif“ Guthaben auf mein neues Konto überweisen. Für Kleinbeträge lohnt sich TransferWise mit dem Sockelbetrag kaum. Ich habe mir also von meinem Revolut-Prepaid-Kartenkonto (auch ein hervorragendes Produkt – mit geringfügig schlechteren Kursen, aber keinem Sockelbetrag, und einer Prepaid MasterCard dazu) zum Test am Sonntagabend 1 GBP auf das Monese-Konto überwiesen.

Da Revolut für ausgehende Überweisungen das langsame BACS-System verwendet und nicht Faster Payments, dauerte es bis zum vierten Arbeitstag, also Donnerstagmorgen, bis die Überweisung von 1 GBP auf dem Monese-Konto in der App erschien. Und kaum ist der erste Umsatz getätigt, wirkt die App gar nicht mehr so karg wie am Anfang, wenn da nur das schnöde „£0.00“ und „Welcome to your Monese account!“ oben steht. In der App erscheinen derzeit nur Absendername und Betrag, nicht jedoch Referenz oder Kontonummer des Absenders.

MakePaymentToEinen Penny habe ich dann sogleich von Monese auf das Revolut-Konto zurücküberwiesen. Ich konnte Account number und Sort code eingeben, und auch eine Referenz eingeben, was für Überweisungen an Sammelkonten von Prepaidkarten wie bei Revolut unerlässlich ist. (Vielleicht kommen irgendwann auch SEPA Purpose Codes? Die sind ja gerade in Deutschland sehr beliebt, in anderen Ländern eher von untergeordneter Bedeutung weniger.)

Jedenfalls – mal schauen, wann diese Überweisung ankommt. Die Monese-App erklärte jedenfalls stolz, als ich die Überweisung um 10:16 Uhr abgab, „Your payment should arrive by 10:16 tomorrow“ – es sollte also eine Faster-Payments- und keine BACS-Transaktion sein.

Ausgehende Überweisungen sind nicht nur in GBP an britische Kontonummern, sondern auch schon im SEPA-Raum in EUR aus eurem bestehenden GBP-Guthaben möglich. Letzteres ist kostenpflichtig, da eine Währungsumwandlung stattfindet.

Screen Shot 2015-09-25 at 01.48.05Nach Absendung in der App erhielt ich eine E-Mail, dass erstmalig eine Überweisung an diese Kontonummer stattfindet. Sollte sie nicht von mir beauftragt sein, solle ich sofort bei Monese anrufen. Dies ist ein hervorragender, innovativer Missbrauchsschutz!

Denn Monese hat kein klassisches PIN-TAN-Verfahren mit Papierlisten, TAN-Generatoren, SMS oder anderen Kanälen, wie man es von den traditionellen Banken kennt, sondern die Überweisung wird im Vorschaumodus mit einem Wisch freigegeben. Bei der App selbst meldet man sich mit einem fünfstelligen Zifferncode an. Auf einem neuen Gerät muss man zunächst seine Mailadresse angeben, bekommt einen Freischaltlink, und erst dann ist das Gerät mit dem Konto so verbunden, dass man sich mit dem fünfstelligen Code anmelden kann.

Screenshot_2015-09-24-11-26-36Einige Stunden später, als die ausgehende Überweisung nicht mehr als „pending“ erschien, sondern mit Zeitstempel, erschien in der App aber ein Mystery-Umsatz, angeblich vom 3. Januar datiert, Betrag wiederum 0,01 GBP. Eine kurze Mail an den Support abgeschickt und ein wenig herumge“emo“t, dass es einem nicht um den Penny geht und man das Produkt schön findet, aber das nicht gerade für die Zuverlässigkeit spricht. Rund eine Stunde später war die Mystery-Transaktion wieder weg. Der Support hat zwar (noch) nicht geantwortet, er reagiert aber sehr schnell.

(Solche Dinge kommen aber durchaus mal vor. Number26 hat sich bei mir mal etwas Ähnliches geleistet mit einem Kontostand, der um einen in dem Fall tatsächlich gemachten Umsatz reduziert wurde, doch der Umsatz tauchte nicht bzw. erst nach Beschwerde beim Service in der Umsatzliste auf. Aber dafür ist ja das Testen gut. Man kann erst mal mit ein wenig Guthaben und wenigen Transaktionen herumspielen und entdeckt solche Ungereimtheiten, bevor es Ärger gibt, weil dieses Problem im Alltagseinsatz auftaucht und man dort diesen detaillierten Überblick im Kopf gar nicht mehr hat.)

Nach Angaben auf den sozialen Medien wird die iOS-Version der App „Monese Banking“ Anfang 2016 erscheinen, eine Web-Oberfläche erst Ende 2016.

In rund vier bis sechs Wochen soll die Mehrwährungsfähigkeit eingeführt werden, zunächst können Guthaben neben GBP auch in EUR gehalten werden.

Und in Kürze soll auch der Export von Kontoauszügen über die App möglich sein. Ich erinnere mich noch gut, wie ich noch während der Produktkonzeption die Anregung gab, doch „a proper bank statement“ anzubieten, weil „filing tax returns“ ein Volkssport in Deutschland ist 😉

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Dänemark ist immer eine Reise wert. Natur, Kultur und Gemütlichkeit findet man als Besucher aus Deutschland bei unserem nördlichen Nachbarn. Die Dänen sind ausgesprochen höflich und wenn man als Reisender Schwierigkeiten mit der Landessprache hat, wird einem auch auf Englisch oder Deutsch weitergeholfen. Mit den anderen Nordeuropäern gemein hat Dänemark, dass dort die Kartenzahlung große Popularität genießt. Doch auch das Preisniveau ist nicht das niedrigste, und so ist es wichtig, unnötige Gebühren zu vermeiden.

Einheimische Dänen zahlen meistens mit der einheimischen Dankort, die ähnlich wie die girocard in Deutschland als „das“ bargeldlose Zahlungsmittel schlechthin gilt. Vor allem Kreditkarten werden oftmals mit einem Zahlungsmittelentgelt belegt – wie an dieser Automatentankstelle im nordschleswigschen Tönder, wo irritierenderweise sogar nach (günstiger) inländischer und (teurerer) ausländischer Kreditkarte differenziert wurde.

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Zuschläge werden teilweise auch für Debitkarten wie V Pay, Visa Debit oder Visa Electron erhoben. Selbst an einigen Supermarktkassen sind solche Zuschlagsaushänge ersichtlich. Sicher zuschlagfrei sind nur Dankort sowie Maestro International. Eine löbliche Ausnahme ist hier Aldi Dänemark, die kein Zahlungsmittelentgelt erheben, sondern sogar die Nutzung von Visa und MasterCard „kontaktløs“ bewerben. Das Gebühren(un)wesen in Dänemark hat sogar einmal eine kleine Anfrage im EU-Parlament ausgelöst!

Man gerät also als deutscher Dänemark-Tourist möglicherweise in die unschöne Situation, entweder die Fremdwährungsgebühr der eigenen Bank, das Zahlungsmittelentgelt des Händlers, oder sogar beides auf den eigentlichen Betrag aufgeschlagen zu bekommen.

Möglichkeit 1: Barzahlung
Auch in Nordeuropa sind die Geldautomaten noch nicht ausgestorben. Viele deutsche Karten, ob von DKB, comdirect, Consorsbank, DAB Bank usw., bieten kostenlose Barabhebungen an.
Jedoch bleiben dann immer kleine Beträge übrig und die Flexibilität ist nicht gegeben.
Außerdem werden ggf. krumme Beträge auf einen durch 50 Öre teilbaren Betrag aufgerundet.

Möglichkeit 2: Zahlung mit Kreditkarte ohne Fremdwährungsgebühr
Es gibt einige Karten in Deutschland, die formell fremdwährungsgebührenfrei sind. Natürlich ist in den Kursen der Zahlungssysteme Visa und MasterCard eine Gewinnspanne zwischen Geld- und Briefkurs eingerechnet, aber das ist ein anderes Thema. Doch dann erwischt einen das Zahlungsmittelentgelt des Händlers.

Möglichkeit 3: Zahlung mit Maestro-Karte mit Fremdwährungsgebühr
Viele deutsche Girokarten haben gleichzeitig eine Maestro-Funktion. Damit ist man zwar nicht vom Zahlungsmittelentgelt betroffen, es fällt aber eine Fremdwährungsgebühr der Hausbank an. Diese kann je nach Anbieter ein Festpreis (z.B. 0,77 Euro (= 1,00 Deutschmark) oder 1,00 Euro) oder eine proportionale Gebühr (z.B. 1,9% vom Umsatz) sein.

DCC (Dynamic Currency Conversion) habe ich in Dänemark bisher noch nicht erlebt. Die an der Kasse vorgenommene Abrechnung in Heimatwährung (EUR) statt in Ortswährung (DKK) würde dem zahlenden Verbraucher aber außer in seltenen Konstellationen keinen Mehrwert zu höheren Kosten bringen.

Möglichkeit 4: Zahlung mit Maestro-Karte ohne Fremdwährungsgebühr
Eine der wenigen Maestro-Karten in Deutschland, bei der keine Fremdwährungsgebühr berechnet wird, ist die Fidor SmartCard. Wird diese genutzt, kann man beide Gebühren erfolgreich vermeiden!

Leider hat die Consorsbank (BNP Paribas Deutschland) angekündigt, dass ab 5. Dezember 2015 Fremdwährungsumsätze mit Visa-Karte mit 1,75% Fremdwährungsgebühr belastet werden. Die gebührenfreie Party wird dort somit leider bald vorbei sein. (Wobei gebührenfrei relativ ist – bei größeren Summen kann eine Überweisung z.B. über TransferWise auf ein britisches Konto unter bestimmten Konstellationen günstiger kommen, als zum Visa-Europe-Kurs einen GBP-Umsatz in EUR umrechnen zu lassen. Die Visa- und MasterCard-Kurse sehen einen gewissen Spread vor, auch wenn er kleiner ist als bei Banken und Wechselstuben!)

Als Alternativen für deutsche Vielreisende mit 0% Fremdwährungsgebühr und ohne Jahresgebühr bieten sich aber unter anderem folgende Kreditkarten und Debitkarten an:

Fidor SmartCard, zum Fidor Smart Girokonto
Funktioniert faktisch als Debitkarte. Deutsche Einlagensicherung. 2 Barabhebungen pro Monat einseitig kostenfrei, bei Verzicht Bonus möglich. Schufafreies Girokonto, Fidor arbeitet jedoch mit Boniversum zusammen. Inklusive NFC/PayPass. Hohes Sicherheitsniveau und gute Akzeptanz durch Chip & Offline PIN. Uneingeschränkt offlinefähig.

Revolut Prepaid MasterCard
Prepaidkarte aus Großbritannien. Aufladbar per Überweisung in EUR, GBP oder USD. Kartenkonto hält drei Währungen, Umtausch ineinander möglich, auch Einsatz in anderen Währungen möglich. Einseitig kostenfreie Barabhebungen. Im ersten Jahr kostenfrei. Gebühren für später stehen noch nicht fest. Verwendet nicht die MasterCard-Kurse, sondern eigene Kurse. Hohes Sicherheitsniveau und gute Akzeptanz durch Chip & Offline PIN. Nicht offlinefähig, Zahlung z.B. im Bordrestaurant der DB über Magnetstreifen schlägt fehl.

Santander 1plus Visa Card
Anders als die anderen Angebote eine echte Kreditkarte mit Verfügungsrahmen und monatlicher Abrechnung (zum 10./12. eines jeden Monats, Lastschrift 10 Tage später). Ohne Jahresgebühr nur, wenn gleichzeitig bei der Santander Consumer Bank in Deutschland ein Gehaltskonto geführt wird, ansonsten 19 Euro pro Jahr. Zweiseitig kostenfreie Barabhebungen mit Erstattung direkter Kundenentgelte (analog DKB/comdirect). Tankrabatt 1% weltweit. Ich fand den Kundenservice bei den vorigen beiden Anbietern aber besser. Unterstützt nach den mir vorliegenden Informationen leider nur Chip & Signature/Online PIN; aktuelle Informationen bitte bei Santander erfragen.

Number26 Prepaid MasterCard
Funktioniert faktisch als Debitkarte. Deutsche Einlagensicherung. Number26 hat selbst keine Banklizenz, Karte kommt daher mit einem vollwertigen Girokonto der Wirecard Bank. Einseitig kostenfreie Barabhebungen. Inklusive NFC/PayPass. Unterstützt nach den mir vorliegenden Informationen leider nur Chip & Signature/Online PIN. Eingeschränkt offlinefähig, Zahlung z.B. im Bordrestaurant der DB über Magnetstreifen funktioniert.

Sparda-Bank Südwest icreditcard
Kreditkarte mit Verfügungsrahmen und monatlicher Abrechnung. Kostenlose einseitige Barabhebungen an Automaten nur im Ausland. NFC/PayPass. Bevorzugte CVM unbekannt. Sehr niedriger Sollzinssatz.
Um diese Karte ist es leider recht still geworden, ggf. ist das Angebot für Neukunden geschlossen worden.
Ich bin vor einiger Zeit an der Beantragung gescheitert, da mein Wohnsitz außerhalb des Geschäftsgebiets liegt und Genossenschaftsbanken meist nur Kunden annehmen, die in ihrem Geschäftsgebiet wohnen oder arbeiten. Wenn Sie ein High Net Worth Individual sind, probieren Sie es trotzdem und teilen Sie mit uns Ihre Erfahrung 😉

Advanzia Bank Gold MasterCard (Gebuhrenfrei)
Bekannte Kreditkarte mit Verfügungsrahmen und monatlicher Abrechnung. Sie müssen rechtzeitig selbst überweisen, um keine hohen Sollzinsen anfallen zu lassen. Nicht für Bargeldabhebung zu empfehlen, da Zinsen sofort anfallen und nicht erst ab der Abrechnung. Verfügungsrahmen kann durch Einsatz „trainiert“ werden. Kein NFC/PayPass. Chip & Signature.

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Weitere Angebote gibt es von einzelnen Spezialinstituten, werden jedoch aus geschäftspolitischen Gründen von den jeweiligen Banken nicht beworben. Erkundigen Sie sich selbst bei den Instituten in Ihrer Region.

Veröffentlicht unter EFT.

Screen Shot 2015-09-22 at 22.56.03Für die Eröffnung eines Girokontos im Ausland kann es viele Gründe geben. Diese sind oft sehr profan – die wenigsten wollen Schwarzgeld vor dem Fiskus verstecken, sondern haben geschäftliche oder familiäre Beziehungen, eine Ferienwohnung o.ä. im Ausland. Es gibt Institute wie die AS PrivatBank aus Lettland, die auch den deutschen Markt bedienen. Doch bei Banken in Großbritannien ist die Kontoeröffnung nur mit einer britischen Wohnadresse möglich. Ausnahmen gibt es für Begüterte als Offshore-Banking und bei einigen Spezialinstituten, die sich das jedoch teuer bezahlen lassen. Selbst britische Pensionäre im Ausland sind nicht vor dem Verlust ihres Girokontos in der alten Heimat gefeit. Das neue mobile Girokonto von Monese, einem von Norris Koppel gegründeten Londoner Unternehmen, verspricht die Lösung dieser Probleme für alle EU-Einwohner.

In diesem Beitrag möchte ich euch Monese vorstellen. Es soll kein vollständiger Testbericht oder Review sein, allerdings einen kurzen Einblick liefern, so dass ihr euch entscheiden könnt, ob das Angebot auch für eure Zwecke sinnvoll ist.

Anmeldung
Screenshot_2015-09-19-14-46-14Derzeit ist das Girokonto (current account) von Monese nur per Einladung erhältlich. Man konnte sich bereits vor sehr langer Zeit auf den Verteiler setzen und die ersten Nutzer haben nun vor wenigen Tagen ihre Einladung per E-Mail erhalten.

Erforderlich ist derzeit ein Android-Telefon. Die App „Monese Banking“ ist bei Google Play erhältlich. Eine Version für iOS wird später, voraussichtlich Anfang 2016, kommen.

Startet ihr die App das erste Mal, geht ihr auf „Sign Up“ und tragt die Mailadresse ein, unter der ihr die Einladung erhalten habt. Im Laufe der Registrierung müsst ihr eure Adresse eintragen, die in Großbritannien oder dem Rest der EU sein kann. Die App fordert euch auch auf, Bilder von der Fotoseite eures Reisepasses sowie von euch selbst zu machen. Führerscheine oder nationale Identitätskarten wie etwa deutsche Personalausweise werden nicht anstelle eines Passes anerkannt.

Screenshot_2015-09-19-14-47-15Das System prüft dann automatisch eure Identität. Schlägt dies fehl, zeigt euch die App die Nummer einer britischen Hotline an, die ihr während der üblichen Geschäftszeiten anrufen könnt. Das freundliche Personal an der anderen Leitung versteht nur Englisch. Aber wer auswandern möchte, sollte die Sprache seines Ziellandes jedenfalls in Grundzügen beherrschen!

Möglicherweise erhaltet ihr einen „Unverified account“, weil das System eure Identität nicht zweifelsfrei bestimmen konnte. In diesem Fall fordert euch die App auf, einen Nachweis der Adresse (proof of address) hochzuladen. Dies kann etwa ein Kontoauszug eurer (einheimischen) Bankverbindung, ein Steuerbescheid oder eine Versorgerrechnung (Festnetztelefon, Elektrizität) sein. Der Kundenservice überprüft dann das vorgelegte Dokument darum und in wenigen Tagen ist das Konto freigeschaltet.

Girokonto
MoneseWas kann man nun damit machen?

Ein britisches Konto hat, genauso wie es deutsche Konten vor der SEPA-Umstellung einst hatten, eine Kontonummer (Account Number) mit 8 Stellen sowie eine Bankleitzahl (Sort Code, in Irland National Sort Code genannt) mit 6 Stellen, die durch zwei Bindestriche getrennt sind.

Bisher könnt ihr mit Account Number und Sort Code einheimische Überweisungen in GBP senden und empfangen. Dies gilt sowohl für die traditionellen BACS-Überweisungen als auch für Faster Payments, nicht jedoch für das ungebräuchliche CHAPS. Es handelt sich bei Monese um ein echtes Konto mit eigener Kontonummer und nicht um ein Sammelkonto, wie man es von manchen Prepaid-Kreditkarten kennt.

Aus Account Number und Sort Code lässt sich auch die IBAN bestimmen. Sort Code 62-30-53 weist darauf hin, dass Monese als Verrechnungsbank auf die auch von britischen Hauptstraßen bekannte NatWest (National Westminster Bank) setzt. (Monese operiert, ähnlich wie Number26, die mit der Wirecard Bank zusammenarbeiten, ohne eigene Banklizenz.) Die IBAN für einen Monese Account mit der fiktiven Kontonummer 10000000 sähe also so aus: GB03NWBK62305310000000. Die dazugehörige BIC ist NWBKGB2LXXX. Bestimmen könnt ihr die zu eurem britischen Konto gehörige IBAN und BIC hier mit Angabe von Account Number und Sort Code. Jedoch werden internationale Überweisungen auf diese IBAN nicht erfolgreich sein. (Update vom 23.09.2015: Problematisch erscheint auch, dass bisher keine Lastschriften (Direct Debit) von Konten mit dem Sort Code 62-30-53 gezogen werden können.)

Ausgehender internationaler Zahlungsverkehr wird noch nicht unterstützt, soll allerdings in naher Zukunft zu fairen Konditionen kommen. Perspektivisch ist auch geplant, dass ein Nutzer verschiedene Währungen halten und zwischen ihnen tauschen kann, unter anderem EUR.
Für eingehende Überweisungen in GBP und EUR aus dem Ausland gibt es bisher ein Monese-Sammelkonto bei der AS LHV Pank in Estland, die u.a. auch mit TransferWise zusammenarbeitet. Details dazu findet ihr in den FAQs unter „Can I deposit money and accept foreign transfers to my Monese account from outside the UK?„.

Kartengestützter Zahlungsverkehr
Zu jedem Monese-Girokonto wird eine Visa-Debit-Karte mit Kontaktlosfunktion (payWave) verfügbar sein. Aufgrund des großen Kundenansturms kann es noch einige Wochen dauern, bis die Karte versendet wird. Ein detaillierter Testbericht inklusive Überprüfung der CVM-Liste kommt, wenn ich die Karte persönlich ausführlich nutzen konnte.

Kosten
Weder für Kontoeröffnung noch für Kontoauflösung werden Kosten berechnet. Ebenso gibt es keine jährliche oder monatliche Kontoführungsgebühr bei Monese. Eingehende Überweisungen sowie Kartenzahlungen im britischen Inland sind bisher auch kostenfrei.

Aber Banker leben auch nicht von Luft und Liebe. Jeden Monat gibt es für bestimmte Transaktionen fünf Freiposten („credits“). Danach kostet jede weitere der folgenden Aktionen 0,50 GBP: Überweisung ins Ausland, Kartenzahlung im Ausland, Barabhebung im Ausland, ausgehende Überweisung in UK, Barabhebung in UK, Bareinzahlung über PayPoint. Für ausländische Transaktionen kommt eine Fremdwährungsgebühr von 0,5%, aber mindestens 1 GBP hinzu. (Jedenfalls die Barabhebungen und Einzahlungen erzeugen teils deutlich höhere Fremdgebühren für die Bank. Klassische Mischkalkulation!)

Dies ist im aktuellen Preis- und Leistungsverzeichnis von Monese einsehbar.

Könnte Cashback beim Einkaufen dem Nutzer Kosten sparen? Ob dies möglich ist, hängt von Gerät und Karte ab. In Deutschland soll Cashback beim Kartentyp Visa Debit grundsätzlich bei Netto Marken-Discount und Edeka Minden-Hannover möglich sein, nicht jedoch bei Penny oder Rewe. Ein genauerer Bericht folgt, sobald ich Cashback mit der Karte testen konnte.

(Die Fremdwährungsgebühr schreckt natürlich von einem allzu freizügigen Einsatz der Karte im Ausland ab und erscheint aus deutscher Sicht happig. Viele Girokarten belasten hierzulande zwar „1%, aber mindestens 1 Euro“, aber bei den Kreditkarten ist die Fremdwährungsgebühr häufig linear 0% (Consorsbank, Number26), 1% (netbank), 1,5% (DAB Bank), 1,75% (DKB, comdirect) oder 1,99% (Barclaycard).

Doch in Großbritannien ist der Markt anders strukturiert. Viele Banken bieten grundgebührfreie Konten an und machen dann über teure Zusatzleistungen wie Fremdwährungstransaktionen oder Überziehungen ihren Profit. Bei den Girokonten der bekannten Filialbank NatWest werden laut Preis- und Leistungsverzeichnis etwa für Barabhebungen in Fremdwährung sowohl eine Fremdwährungsgebühr von 2,75% als auch eine Auslandsbargeldgebühr von 2% (mindestens 2 und maximal 5 GBP) fällig! Für jede Kartenzahlung in Fremdwährung fiele bei NatWest 2,75% (aber mindestens 1 GBP) an Fremdwährungsgebühr an. Monese ist also aus UK-Sicht durchaus wettbewerbsfähig! Beim nächsten Auslandsbesuch im Zweifel also lieber ein paar hundert Euro Bargeld abheben statt jeden Kaffee mit Karte zahlen, so weh es einem in Skandinavien auch tun mag.)

Fazit
An das Versprechen der beinahe vollständigen Gebührenfreiheit von Number26 kommt das mobile Girokonto von Monese nicht heran. Doch sind die Konditionen mehr als fair, wenn man bedenkt, dass ein bisher unerschlossener Kundenkreis hier bedient werden soll. Es ist keinesfalls mit einem Wirecard Prepaid Trio zu vergleichen, bei dem Menschen mit negativer Kredithistorie jeden Monat vergleichsweise viel Geld für Girokonto und Karte zahlen.

Als Hauptkonto für’s ganze Leben ist Monese zwar eine Option, sieht sich aber in UK scharfer Konkurrenz ausgesetzt. Die Bausparkasse Norwich & Peterborough wirbt mit einem kostenlosen Gehaltskonto, das online geführt wird und bei dem die Nutzung der Bankkarte im Ausland zusatzkostenfrei ist. Manche anderen bevorzugen, etwa für Bareinzahlungen, Sortenkauf, Schecksverkehr oder die Sofortausstellung von Karten, doch den Service einer Filiale. In Großbritannien gibt es mit Metro Bank auch eine besonders innovative Filialbank, deren Karten in der gesamten EU ohne Zusatzkosten einsetzbar sind.

Um als Erstkonto attraktiv zu sein, könnte Monese noch bei den Konditionen nachbessern. Es müsste bei regelmäßigem Gehaltseingang oder Pensionseingang eine wesentlich höhere Anzahl an Freiposten für den Auslandseinsatz (30, 60 oder sogar 100/Monat) gewährt werden, wenn man perspektivisch mit dem mehrwährungsfähigen Konto auch Nutzer im europäischen Ausland ansprechen möchte. Als Zweitkonto ist Monese aber uneingeschränkt zu empfehlen, nicht nur für gelegentliche UK-Besucher oder eBay-Privatverkäufer, die ihren britischen Kunden das Bezahlen in GBP ermöglichen wollen.

Ergebnis: 4,5 von 5 Sternen
Ein Produkt, das in eine echte Marktlücke stößt. Trotz Spezialcharakters ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Bisherige, gebührenträchtige Geschäftsmodelle könnten durch Monese verdrängt werden. Nur im internationalen Einsatz besteht noch ein gewisser Verbesserungsbedarf.

Hat euch der Artikel geholfen? Über Kommentare, Lob und Kritik freue ich mich!

Ich habe mich vor zwei Wochen entschieden, anlässlich der großen „zahl einfach mobil“-Kampagne in Berlin das Angebot Telekom MyWallet zu testen. Ein Angebot, das aus einem Konto, einem NFC-Sticker und einer dazugehörigen Zahlkarte besteht. Technik nutze ich gern, und mit einem regelmäßigen Gehalt aus dem öffentlichen Dienst wäre ich doch eigentlich ein A-Kunde für solch ein Angebot, oder? Der Teufel steckt wie immer im Detail.

Die Online-Registierung und Bestellung der Karte erfolgte unproblematisch. Montags bestellt, die Karte und der NFC-Sticker kamen mittwochs und zwei Tage später auch die PIN. Ohne PostIdent kann lediglich von eigenen Girokonten Guthaben auf das MyWallet-Konto geladen werden. Für die Akzeptanz von sowie die Einrichtung der Aufladung per Lastschrift sollen zunächst eine Identifizierung eines Girokontos (per 1-Cent-Überweisung) und ein PostIdent erfolgen.

Das Mitte der Woche abgesendete PostIdent wurde erst am Montag der Folgewoche verarbeitet. Andere Anbieter wie Number26 waren wesentlich schneller, da war das PostIdent meiner Erinnerung nach schon am Folgetag abgearbeitet.

Die kontaktlose Kartenzahlung mit dem Sticker muss online autorisiert werden. Das Kartenterminal des Händlers braucht also, nachdem der Kontaktlos-Sticker gelesen wurde, immer relativ lange, bis die Zahlung erfolgt ist. Deutlich länger als bei kontaktlosen Kreditkarten, die meist eine schnelle Offline-Autorisierung bei geringen Beträgen unterstützen.

Screen Shot 2015-06-12 at 09.31.32 Die an einem frühen Nachmittag im Online-Banking von meinem Girokonto abgesendete Guthabensüberweisung tauchte in MyWallet erst am 2. Folgetag auf. Vergleichbare Überweisungen auf andere Bankkonten werden von der Empfängerbank in Zeiten von SEPA stets am Folgetag verbucht. Wo das Geld zwischendurch war, ob es „arbeiten“ musste, kann man natürlich nicht in Erfahrung bringen. Allerdings sind langsame Guthabenüberweisungen eine starke Einschränkung der Nutzbarkeit von MyWallet. Die Aufladung der Wallet per Kreditkarte ist nämlich kostenpflichtig, und die andere Alternative ”DirektÜberweisung“ auch nicht für jedermann (ein anderes Thema für einen anderen Tag).

Screen Shot 2015-06-12 at 09.25.38 Der angehende Power-User möchte sich also ein automatisches Aufladen per Lastschrift einrichten. Doch halt, warum funktioniert das nicht, obwohl Girokonto und Person legitimiert sind? Die Hotline verweist darauf, dass eine Bonitätsprüfung stattfinde. Man solle sich bitte an Creditreform Boniversum wenden und eine Selbstauskunft nach dem Bundesdatenschutzgesetz beantragen. Auf meine Frage nach dem Chef und einem Hinweis auf regelmäßiges Einkommen in mehr als ausreichender Höhe heißt es nur, es gäbe standardisierte Verfahren, weswegen keiner vor Ort eine Entscheidungsbefugnis habe.

Die angeforderte BDSG-Eigenauskunft bei der Auskunftei Boniversum lieferte weder harte Negativkriterien noch andere hinterlegte Geschäftsbeziehungen. Lediglich einen leicht unterdurchschnittlichen Score, für den es alle möglichen Gründe geben kann, ob „falsches“ Alter, Geschlecht oder Adresse. Sogar eine fehlende Kredithistorie wirkt sich bei vielen Auskunfteien tendenziell negativ aus. (Bei der Schufa hingegen – mit der Telekom MyWallet nicht zusammenarbeitet – liegt genug Kredithistorie über mich vor und ebenso keine Negativeinträge.)

Es wird Zeit, einen anderen Kanal zu konsultieren. Das Twitter-Team Telekom_hilft erscheint erst mal hilfreich und bittet um etwas Geduld. Die Anfrage werde an die Experten weitergeleitet. Das klingt erst mal gut. Doch das Anliegen landet nicht endlich bei jemandem mit Entscheidungsbefugnis, sondern auf dem Tisch des gleichen First-Level-Supports, und wird per E-Mail abgebügelt.

Nun werde ich Konsequenzen ziehen und die Kündigung abschicken. Zum Glück gab es ja einen Start-Bonus von 10 Euro, so dass ich wenigstens nichts für ein Produkt zahlen musste, das nicht richtig funktioniert. Kontaktlose Kartenzahlungen gibt es etwa bei der DKB, comdirect oder Consorsbank schon länger, wenn auch diese Banken auf Visa payWave setzen.

Screen Shot 2015-06-12 at 09.38.24Kontaktloses Maestro ist zwar nett und in der Tat selten in Deutschland. Aber ein so großer Mehrwert ist das nicht, wenn man davon absieht, dass Aldi bisher nur Maestro- und V-Pay-Kontaktloszahlungen akzeptiert, aber nicht Visa oder MasterCard. Letztlich ist MyWallet also eher eine nette Spielerei als eine Alternative zu einem guten Bankkonto.

Ich bin froh, dass ich kein Kunde der Deutschen Telekom bin. Wenn es schon bei so einer relativen Kleinigkeit am „Computer says no“-Prinzip scheitert, will ich nicht wissen, wie aufgeschmissen man als Kunde bei größeren Problemen ist. Bei den vielgescholtenen Banken hingegen sind gerade in solchen Fällen individuelle Lösungen möglich und es wird nicht blind auf das Urteil eines Computers verwiesen, dass man vermeintlich ein schlechter Zahler sei, nur weil einige andere in der selben Alters-, Geschlechts- oder Wohnortsgruppe es sind.

Derzeit läuft unter dem Schlagwort „#RettetdieSpätis“ eine Petition von Christina Jurgeit aus Berlin. Die Petentin fordert, dass das Landes-Ladenschlussrecht angepasst wird. Die das Stadtbild mit prägenden Berliner Spätkäufe – oft Familienbetriebe – sollen auch an Sonntagen ihr volles Sortiment verkaufen dürfen.

Und es hagelt in den Online-Diskussionsspalten wieder die altbekannten konservativen Stammtischparolen, die jeder in- und auswendig kennt, der sich mit Ladenschlussdebatten beschäftigt. Früher sei auch keiner verhungert, als um 18:30 an Werktagen alle Geschäfte schlossen. Alles verweichlicht, die Menschen können sich nicht mehr organisieren. Der ganze Kommerz sei überhaupt etwas ganz Furchtbares.

Doch früher gab es auch noch eine Hausfrauengesellschaft, die es heute nicht mehr gibt. Was für den „Veggie Day“ gilt, muss auch bei Ladenöffnungszeiten gelten: Lebensstilentscheidungen sollten nicht per Gesetz vorgeschrieben werden.

Schaut man sich in den EU-Nachbarstaaten um – ob Polen, Niederlande oder Großbritannien – sieht man, dass die Gesellschaft nicht untergeht, wenn auch sonntags Einkaufsmöglichkeiten existieren. Ganz im Gegenteil: Man kann nicht gleichzeitig den Versandhandel für die vermeintliche Verödung von Innenstädten und das Aussterben lokaler Unternehmen verantwortlich machen und es dem Verbraucher so schwer wie möglich machen, zu passenden Zeiten den ortsansässigen Einzelhandel zu nutzen.

Im Übrigen zeigt sich bei dieser Debatte eine widerliche Doppelmoral. Im eigenen Land hält der konservative Deutsche den angeblichen Arbeitnehmerschutz hoch (wohlgemerkt: für die, die gerade jetzt Arbeit haben, aber zulasten derer, die durch eine Änderung Arbeit bekommen könnten – ein paar Studentenjobs für Wochenenden an der Kasse sind doch eine gute Sache). Doch fährt man sonntags nach Stettin (PL) oder Venlo (NL), hört man in der ganzen Innenstadt viele deutsche Stimmen – Grenztouristen, die dort ausgedehnte Shoppingtouren erledigen. Das Geld bleibt dann in Polen oder den Niederlanden und die Umsatzsteuer füllt die dortigen Staatskassen.

Doch wer für diese Entwicklungen verantwortlich ist, wird wohl kaum den lokalen Einzelhändlern reinen Wein einschenken und gestehen, dass man sie auf dem Altar überholter Anstands- und Lebensstilvorstellungen geopfert hat. So wird medial und nicht zuletzt im von der Allgemeinheit finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiter auf Amazon, Zalando und andere Versandhändler eingedroschen. Also auf die Überbringer statt die Verursacher der schlechten Nachrichten, wie es gute Tradition in der Politik ist.

Man versucht mit enormen Anstrengungen seitens der Staatsorgane und der Verbände, die internationale Verwendung deutschen Rechts mit dem Slogan „Law – Made in Germany. global effektiv kostengünstig“ zu fördern. Die Resonanz ist mäßig, man lese nur den Text von Peter, Warum die Initiative „Law – Made in Germany“ bislang zum Scheitern verurteilt ist, JZ 2011, 939. Insgeheim denken viele aus der Branche wohl immer noch, man sei Weltspitze und werde es für immer bleiben. Verwiesen wird auf Länder wie Griechenland, Südkorea oder Japan, die sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts am deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch orientiert haben. Doch der kontinentaleuropäische Rechtskreis hat im internationalen Vergleich stark an Glanz verloren.

Symptomatisch für das Leben in einem Paralleluniversum ist der Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia zur Juristenausbildung in England und Wales. Süffisant wird angemerkt, dass ein Studium nicht erforderlich sei, um in Großbritannien die Rolle eines Solicitors zu übernehmen. Unterhaltsam ist der Hinweis, dass Menge und Qualität der Speisen bei den verpflichtenden Abendessen (dining terms) bei der Ausbildung zum Barrister zu wünschen übrig ließen. Berufen wird sich aber lediglich auf einen Aufsatz aus dem Jahr 1962 und ein 20 Jahre altes, deutschsprachiges Lehrbuch statt auf aktuelle englischsprachige Primärquellen.

Blickt man auf den englischsprachigen Wikipedia-Artikel zu dem Thema, stellt sich die heutige Lage ganz anders dar: „Requirements for becoming a lawyer in England and Wales and in Northern Ireland differ slightly depending on whether the individual plans to become a solicitor or barrister. All prospective lawyers must first however possess a qualifying law degree, or have completed a conversion course.“ Der Zugang ist offener geregelt als in Deutschland, als für einen Absolventen eines fachfremden Studienganges lediglich ein einjähriges Aufbaustudium der juristischen Pflichtfächer genügt. Vielfalt ist kein Nachteil für den Berufsstand. Es ist aber heute selbst in England definitiv nicht so, dass jeder Anwalt werden kann.

In anderen Nationen schüttelt man darüber den Kopf, dass in Deutschland statt erfahrener Anwälte lieber beeinflussbare Jungabsolventen zu Richtern berufen werden und Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen für die Beteiligten treffen. Auch die Qualität der Rechtsprechung leidet, wenn die rechtsprechende Gewalt die Tricks der Anwälte nicht kennt – dies zeigt etwa diese Posse aus dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Interessenkonflikte verhindert das bewusste Rekrutieren berufsunerfahrener Juristen übrigens auch nicht. Warum man an einem System mit offensichtlichen Verfallserscheinungen festhält, darüber darf sich jeder selbst ein Urteil bilden.

Heute wieder im Tagesspiegel gelesen: „Das System Airbnb: Ferienwohnungen spitzen die Lage auf dem Wohnungsmarkt weiter zu. Wie Online-Anbieter von Ferienappartements den Berlinern die Wohnungen streitig machen.

Natürlich, jede Ferienwohnung entzieht diese Wohnung dem Mietermarkt. Und klar, man sollte gegen diejenigen vorgehen, die das als ein schwarzes Gewerbe betreiben. Gab es in meinem Wohngebiet neulich auch schon, da wurde dann ein Mieter, der jede Woche neue Untermieter reinholte, vom Eigentümer rausgeworfen.

Aber Fakt ist nun mal, dass nicht jeder in der Innenstadt leben kann, auch wenn das sicher viele möchten und die Landflucht auch in Deutschland seit Jahren ungebremst weiter geht. Zweckentfremdungsverbote oder Mietpreisbremsen bekämpfen lediglich die Symptome, nicht die Ursachen, die in einem schwachen Angebot liegen.

Wohnungsbesichtigung in London (2011)
Wohnungsbesichtigung in London (2011)

Wohnungsbau ist in Deutschland teuer und Neubauten grundsätzlich nur im Hochpreisbereich rentabel, weil Partikularinteressen für immer schärfere Bauvorschriften gesorgt haben. Darüber hinaus sind periphere Gebiete sehr schlecht angebunden. Das muss nicht mal die Uckermark sein – auch schon am Stadtrand Berlins wird es schwierig, wenn man nur an einen Bus im 30-Minuten-Takt angebunden ist. In London kann man das sehr gut am Boom in Wohngebieten sehen, die durch die neue Nahverkehrslinie Crossrail deutlich besser an die Innenstadt angebunden sein werden.

Ja, auch in der Berliner U-Bahn wird bereits für Häuser in Rathenow geworben. Aber solange dort vom Berliner Stadtzentrum nur einmal pro Stunde eine einsame ODEG hinfährt, ist das natürlich keine Option für Pendler, die sich nicht jeden Tag den Autoverkehr antun wollen. Hier haben Berlin und Brandenburg noch erheblichen verkehrspolitischen Nachholbedarf!

Es muss nicht jeder in der Innenstadt Berlins leben. Wenn es aber möglich wird, zu vernünftigen Fahrzeiten mit dem ÖV auch aus Außenbezirken oder dem Speckgürtel anzureisen, wird sich der Wohnungsmarkt etwas entzerren. Solange eine U-Bahn-Erweiterung (U55) vom Alex zum Hauptbahnhof fast ein Jahrzehnt braucht – die ursprünglich mal geplante Erweiterung über Turmstraße-Jungfernheide-Tegel werde ich wohl nicht mehr erleben –, ist das natürlich eine hohe Messlatte…

In Deutschland gibt es derzeit drei internationale Bezahlkarten von Direktbanken, die sehr populär sind. Die Rede ist von der Visa Debit der Consorsbank (BNP Paribas), der Visa (Charge) der Deutschen Kreditbank und der MasterCard von Number26 (in Zusammenarbeit mit Wirecard).

Alle diese Karten werben mit kostenloser Bargeldabhebung im In- und Ausland, was sie für Vielreisende zur unentbehrlichen Allzweckwaffe macht. Im Detail unterscheiden sie sich allerdings voneinander. Ganz grundsätzlich würde ich jedem Reisenden empfehlen, mindestens zwei Karten mitzunehmen, gerne auch von unterschiedlichen Zahlungssystemen, z.B. einmal Visa und einmal MasterCard. Es kann immer irgendetwas kaputt oder verloren gehen und in diesem Fall ist man dann auf der sicheren Seite.

Hier eine kurze und nicht vollständige Aufstellung von Vor- und Nachteilen:

DKB:
+ Erstattung von direkten Kundenentgelten an Fremdautomaten (z.B. USA, Thailand, Südkorea; in Deutschland gibt es direkte Kundenentgelte bei Visa-Abhebungen nicht, in anderen Ländern wie UK gibt es jedenfalls meist die Möglichkeit, auf kostenlose Automaten auszuweichen)
+ Offline-PIN-Unterstützung, d.h. nur im absoluten Ausnahmefall Zahlung mit Unterschrift
+ Visa payWave (Kontaktlos)
+ Wettbewerbsfähige Verzinsung des Kartenguthabens
+/- Charge-Karte: Abrechnung monatlich, aber keine Teilzahlungsfunktion, Akzeptanz gleicht der von Visa Credit
– 1,75% Fremdwährungsgebühr bei unbarer Zahlung

Number26:
+ Keine Fremdwährungsgebühr, weder bei Bargeldabhebung noch bei unbarer Zahlung
+/- Debit-Karte: Zeitnahe Abrechnung von Umsätzen nach 1-3 Tagen, aber lückenhafte Implementation, da App ID nicht „Debit MasterCard“ und Logo „Debit MasterCard“ fehlt, daher kein Akzeptanzvorteil ggü. MasterCard Credit
– Kein MasterCard PayPass
– CVM-Liste: Online-PIN, Unterschrift, keine Identifikation – nur in Deutschland wird mit PIN gezahlt, im Ausland mit Unterschrift
– Keine Verzinsung des Kontoguthabens
– Kein Dispositionskredit zum Girokonto
– Keine Erstattung von Surcharges am Automaten

Consorsbank:
+ Visa payWave
+ Cashback: 10 Cent pro Kartenzahlung, gedeckelt auf Gesamtsumme von 25 Euro pro Quartal, bis 31.12.2015
+/- Debit-Karte: Zeitnahe Abrechnung von Umsätzen nach 1-3 Tagen, App ID ist „Visa Debit“, wird auch von Kassensystemen als solche (bzw. „Delta Card“!) erkannt, daher bessere Akzeptanz/Sparen von Kreditkartengebühren z.B. bei easyJet, allerdings fehlt das Logo „Visa Debit“, also keine verbesserte Akzeptanz ggü. Visa Credit bei Card-present-Transaktionen
– CVM-Liste: Online-PIN, Unterschrift, keine Identifikation – nur in Deutschland wird mit PIN gezahlt, im Ausland mit Unterschrift
– Keine Verzinsung des Kontoguthabens
– Keine Erstattung von direkten Kundenentgelten am Automaten
– 1,75% Fremdwährungsgebühr bei unbarer Zahlung, nach jahrelanger Gebührenfreiheit wird dies zum 5. Dezember 2015 eingeführt

Veröffentlicht unter EFT.

Die EZB setzt auf eine Niedrigzins- und Weichwährungspolitik, um die Inflation anzukurbeln und Exporte günstig zu machen. So soll die Wirtschaft wieder in Schwung gebracht werden. Nun gut, Deflation ist durchaus ein Problem. Wenn auch nicht so sehr für den Verbraucher, sondern eher für den Staat, der ja ordentlich in der Miese steckt.

Die Frage ist aber, ob die viel gepriesenen Maßnahmen nicht vielmehr die Binnenkonjunktur abwürgen. In der Schweiz hat man mit dem festen Euro-Franken-Wechselkurs bereits festgestellt, dass das billige Geld im Land herumschwirrt und für Mondpreise bei Immobilien sorgt. Im Mieterland Deutschland könnte das massive soziale Probleme auslösen, zumal auch Städte wie Berlin längst nicht mehr für so preiswerte Wohnungen stehen wie noch vor 20 Jahren.

Deutschland ist an sich auch kein besonders rohstoffreiches Land. Es gab ein paar Kohlegruben, man könnte vielleicht mit Fracking etwas machen, Landwirtschaft gibt es auch, das Land könnte sich aber kaum selbst versorgen. Der Großteil der Wertschöpfung findet in Handwerk und Industrie statt. Aber irgendwelche komplizierten Industrieanlagen braucht der Verbraucher meist nicht, und die Produkte für Konsumenten werden woanders hergestellt. Die ohnehin in der Eurozone und besonders in Deutschland überteuerten langlebigen Konsumgüter (Elektronik, Medien, Kleidung, Schuhe), genauso wie Reisen, werden somit noch teurer. Es entsteht eine gefährliche Blase.

Ich bin kein Ökonom und würde mich über sachkundige Kommentare sehr freuen. Dass die aktuelle Politik aber ein Patentrezept sein soll, bezweifle ich stark. Es könnte noch zu unangenehmen Verwerfungen nicht nur hierzulande führen. Ich hoffe sehr, dass bei den diesjährigen General Elections in Großbritannien ein Wahlerfolg der UKIP ausbleibt.