If you have tried to eat out in Germany without carrying cash on you, you can probably sympathise with what I’m trying to say here…

Das Café Rizz in Berlin-Kreuzberg bewirbt Kartenzahlung auch für Kleinbeträge.
Wer heute im Jahr 2017 in Deutschland essen geht, fühlt sich oft in die 1980er Jahre zurückversetzt.

Na gut, clean eating, asiatische Burger und was auch immer, all das hat man auch an Rhein, Elbe, Spree und Isar für sich entdeckt. Nur der Umgang mit dem Kunden scheint bei vielen deutschen Gastwirten tief in den 1980ern stecken geblieben zu sein. Ob alteingesessen oder neu – selbst bei den kürzlich aus dem Ausland zugezogenen Wirten.

Klar tue ich mit dieser Aussage denjenigen deutschen Gastronomen Unrecht, die alles in allem einen guten Job machen (wie das Café Rizz, die in Kreuzberg die Karten-Fahne hoch halten – Daumen hoch).

Dennoch habe ich schon viel zu viel gesehen. Das Bezahlen ist ja sowieso nicht der angenehmste Teil des Essengehens. Dann sollte man dem zahlenden Kunden nicht unnötig Steine in den Weg legen, etwa durch eine Regression der Kartenakzeptanz.

Beispielhaft steht Moe’s Roadhouse in Heidelberg, das auf Yelp vor kurzem noch als Akzeptanzstelle für Kreditkarten dargestellt wurde, mich jedoch mit einem „Derzeit keine Karten“-Schild begrüßte. Auf die Frage, wann denn wieder Kartenakzeptanz aktiv sein werde, antwortete eine Kellnerin, das Gerät sei kaputt und es werde erst mal kein neues beschafft. Die unausgesprochene Aussage, wie ich sie also zwangsläufig verstehen muss, ist: „Mit dem doofen deutschen Kunden kann man es ja machen. Die freuen sich, wenn sie überhaupt was zwischen die Zähne kriegen.

Ein japanisches Restaurant, das seine Anfänge in London in der Gegend um Old Street hatte und dort natürlich laut Yelp auch Credit Cards nahm, nimmt an seiner vor kurzem eröffneten Berlin-Neuköllner Dependance ebenfalls keine Karten, obwohl das Menü nicht gerade im Billigsegment angesiedelt ist. Gleiches gilt für viele Imbisswagen, deren Betreiber oft selbst erst vor kurzem nach Deutschland zugezogen sind und dies in ihrem Herkunftsland wohl kaum machen würden.

In einem anderen Sushi-Lokal im Stadtzentrum von Berlin hörte ich offen vom Juniorchef auf die Frage, ob man sich denn einen Kartenleser anzuschaffen gedenke, „ich will Ruhe vorm Finanzamt“. Unterstützenswert finde ich das nicht unbedingt, und ich frage mich, ob die Hygiene und Qualität stimmen können, wenn man sich auch anderswo wenig um Ehrlichkeit schert?

Japanisches Curry in Düsseldorf – Essen gut, aber Service unterirdisch!
Mich verfolgt eine Episode aus Düsseldorf bis heute, bei der ich doch tatsächlich an der geistigen Gesundheit der Geschäftsführung zweifeln muss. Das Lokal auf der Immermannstraße zeigte stolz an der Tür alle möglichen Logos (EC, Maestro, Mastercard, Visa) und das Curry war schmackhaft, genauso wie das Getränk dazu. Bis es zum Bezahlen kam.

12,70 Euro sollte die Rechnung betragen und ich wollte mit Maestro-Karte zahlen. Kellnerin wies dies ab – „Erst ab 15 Euro“ – doch nirgendwo war der Mindestumsatz angeschrieben. Was nicht geschrieben ist, gilt auch nicht. Ich lehnte ihr lächerliches „Angebot“ ab, 15 Euro statt 12,70 Euro zu zahlen, und ließ also ihre Vorgesetzte kommen. Die Geschäftsführerin wollte mich doch tatsächlich zum Geldautomaten schicken. Letztlich konnte ich nach einigem Hin und Her doch, wie beworben, mit Karte zahlen. Da die Qualität des Essens an sich gut war, empfinde ich das als eine vertane Chance, einen Kunden zu binden. Stattdessen hat man mich vergrault. Ich werde also in Zukunft mein Geld woanders ausgeben, wenn ich wie so oft durch Nordrhein-Westfalen reise und in Düsseldorf Station mache.

Ein anderer schwäbischer Imbiss in Berlin verweigerte sich auch der Digitalisierung. Die Kellnerin erklärte mir, sie zahle lieber bar, da man merke, was man ausgebe. Das hat schon was von dekadenter Saturiertheit – quasi „wir verdienen schon genug Geld“. Dummerweise gehe ich auswärts essen, um mein Geld dazulassen, nicht um Hauswirtschaft zu lernen.

Die Schwarzwaldstuben in Berlin sind auch so ein Kuriosum. Auf Deutsch hieß es in der Speisekarte zeitweilig, „nur EC-Karte“, und auf der englischen Karte aber, keine Karten, man wolle nicht, dass die Banken profitieren, stattdessen wolle man hochwertige Küche anbieten. Allerdings sind auch ausländische Besucher nicht blind. Durch so einen Unfug entstehen wohl urbane Legenden der Sorte „Deutsche sind paranoid, ich als ausländischer Tourist durfte nicht mit Karte zahlen, aber die Einheimischen schon“ und beschädigen indirekt das Ansehen einer Branche und eines ganzen Landes.

Der Konkurrenzdruck ist keinesfalls klein, und bei der nächsten Rezession wird es den ein oder anderen Gastronomen wieder wegfegen. Ich bedauere es, wenn inhabergeführte Geschäfte immer mehr einem Einheitsbrei von McDonald’s, Starbucks & Co. weichen. Aber die Ware verkauft sich nicht von selbst, wie gut sie an sich auch sein mag. Man isst auswärts, um etwas zu feiern, nicht um sich über schlechten Service zu ärgern. Der Kunde ist kein sozialistischer Versorgungsfall. Er hat die Wahl, ob er das Lokal erneut frequentiert oder nicht.

Messe Berlin: Keine Kartenzahlung, zur Frustration potentieller ausländischer Kunden deutscher Unternehmen
Selbst Blogger und Journalisten wie die Autoren der „Berliner Zunge“ sind am elektronischen Bezahlen oft erstaunlich desinteressiert. (Ein positives Gegenbeispiel ist Frau Krubeck von Bonngehtessen – dort gibt es eine Kategorie „EC-Karte“.)

Wer hingegen andere Autoren fragt, bekommt ein typisch deutsches naiv-resignativesist das nicht in der Berliner Szene-Gastro normal“ oder „warum hebst du nicht einfach Geld ab“ als Gegenfrage. Aber gerade wenn jemand auch geschäftlich essen geht, will er nicht unbedingt mit mehreren Hundert Euro in bar herumlaufen. Da ist die Akzeptanz von girocard absolutes Minimum. Und der moderne Wirt, der auch Laufkundschaft (z.B. aus dem Ausland) bezirzen will, nimmt natürlich auch Kreditkarten.

Über das Bullshit-Bingo von Händlern hat schon ein anderer Autor gesprochen, und so stellt man fest, dass das Problem nicht die Gebühren sind, sondern fehlende Kundenorientierung. Ja, eine gewisse Arroganz und Geheimniskrämerei kann als Marketingstrategie manchmal aufgehen (siehe Apple). Aber es geht auch ohne. Mit dem Alter wird man als Kunde auch entspannter und benötigt nicht mehr die ständige Betonung, wie exklusiv etwas ist.

Klar ist Kartenakzeptanz kein Allheilmittel. Wenn man aber Laufkundschaft und auch Businesskunden werben möchte – also Leute, die eh für spontane oder größere Umsätze gut sind – kann man sich immer noch vom Feld absetzen.

Ich jedenfalls werde weiterhin die Lokale aufsuchen, die sich nicht als Kulisse eines Freiluftmuseums im Herzen Europas begreifen. Ich sehe es nicht ein, ein Cash-Only-Lokal zu besuchen, wenn es genug kundenfreundliche und moderne Alternativen in der Nähe gibt. Yelp, Google Maps, Foursquare, der PayPass Locator von Mastercard oder auch Amex Vicinity helfen mir dabei, plastikfreundliche Händler zu finden.

And if you’re an expat trying to make it here, I wish you all the best. Try to combine the strengths brought from home with the strengths of your adopted country and make a positive change. Don’t be like this: „East Europeans work harder then become lazy like the British“