Frozen yogurt paid contactlessly. London Transport Festival, 2016.
Frozen yogurt paid contactlessly. London Transport Festival, 2016.
Freunde des bargeldlosen Lebensstils haben es in Deutschland leider nach wie vor schwer. Oftmals werden nur einheimische Karten akzeptiert, oder ein unverhältnismäßig hoher Mindestumsatz gefordert (bis zu 50 Euro). Gerade in der Schnellgastronomie werden jenseits von McDonald’s und Starbucks manchmal überhaupt keine Karten akzeptiert. Hingegen ist es in Polen oder Großbritannien keine Kunst mehr, einen kleinen Frozen Yogurt auf einem Straßenfest mit Visa zu bezahlen.

Doch das Meckern in kleiner Runde bringt wenig. Einige Handlungsempfehlungen:

1) Händler direkt ansprechen
Dies sollte immer der erste Schritt sein. Gerne auch diskret per E-Mail, wenn der Kellner oder die Verkäuferin auf den Chef verweist, der leider, leider gerade nicht im Haus ist. Vielleicht weiß der Händler gar nicht, dass sich Kunden bargeldloses Bezahlen wünschen. Oder das Wissen des Chefs ist veraltet.

Kartenzahlung ist heutzutage
weder langsam (siehe kontaktloses Bezahlen mit Visa payWave und Mastercard PayPass),
noch teuer (girocard ab 0,5% Disagio, Mastercard und Visa ab 1% Disagio – Wechseln des Acquirers nach Preisvergleich kann sich gelegentlich lohnen – die beliebten „Menüschecks“ der großen Anbieter kosten hingegen bis zu 4,95% Abschlag – und wenn „keine Grundgebühr und keine lange Vertragsbindung“ Priorität hat, kann man erst mal mit einem iZettle anfangen),
noch unüblich (bei 100 Millionen girocards wird fast jeder Deutsche eine mit sich führen, viele ausländische Touristen führen vor allem Kreditkarten mit sich, und gerade bei jüngeren und weitgereisten Menschen ist der Verzicht auf bargeldloses Zahlen oftmals eher ein Problem der schwachen Akzeptanz und nicht so sehr eine Lifestyle-Wahl).

Manche Gastwirte beobachten sogar, dass sie mehr Kartenumsätze haben als branchenüblich, wenn sie in einer Gegend sind, in der nur wenige Lokale mit Kartenakzeptanz werben.

Es gibt natürlich den ein oder anderen starrsinnigen Chef, der sagt „ich bin jetzt 63 und in zwei Jahren mach ich den Laden sowieso zu“ oder „gegenüber ist die Sparkasse“ und überhaupt, „der Laden läuft doch ganz okay“ – dann kann man immer noch zu Schritt 2 übergehen.

2) Händler schlecht bewerten
Beispielsweise auf Yelp, Facebook, Foursquare oder Google kann man Bewertungen hinterlassen und auch schlechten Service von Geschäften, Gaststätten usw. kritisieren. Das wird außen stärker wahrgenommen als diskrete Mails.

3) Dem örtlichen Bundestagsabgeordneten schreiben
Den örtlichen Bundestagsabgeordneten findet man hier: https://www.bundestag.de/abgeordnete18/wahlkreise/

Schreibe dem Abgeordneten etwa, dass eine Fiskalkassenpflicht weniger „Schwarzumsätze“ bedeutet. Oder dass manche Gastwirte stöhnen, weil ihnen die Bürokraten im Finanzamt unterstellen, sie würden beim Barumsatz bescheißen, wenn sie mal mehr als 10% Kartenumsätze haben. Dass mancher Ladeninhaber eigentlich lieber „EC“ als Barzahlung sähe, weil sie auch schon mal ausgeraubt wurden, oder nicht jeden Abend kleine Münzen rollen möchten. Denn auch das Einzahlen von Bargeld ist für Geschäftskontoinhaber gebührenpflichtig und viele Bankfilialen haben keine Münzzählmaschinen.

Wenn mehr Zeit vorhanden ist: Anrufen ist noch besser als schreiben! Am besten den Mitarbeiter im lokalen Wahlkreisbüro. Oder in die Wählersprechstunde gehen.

Taxi im polnischen Szczecin (Stettin). Trotz historisch relativ hoher Interchange-Gebühren ist die Kartenzahlung in Polen sehr verbreitet.
Taxi im polnischen Szczecin (Stettin). Trotz historisch relativ hoher Interchange-Gebühren ist die Kartenzahlung in Polen sehr verbreitet.
4) Dem örtlichen Landtagsabgeordneten oder Kommunalpolitiker schreiben
Wurde eure Karte im Taxi abgewiesen? Oder nimmt der Automat für U-Bahn-Fahrkarten keine Kreditkarte? Nahverkehr wird durch die Länder, Kreise oder Kommunen bestellt. Ihr solltet bei diesen Aspekten also dem örtlichen Landtagsabgeordneten oder den Kommunalpolitikern vor Ort schreiben.

5) Der örtlichen Tourismus- oder Wirtschaftsförderungsgesellschaft schreiben
Schreibe der Tourismus- oder Wirtschaftsförderung deine Erfahrungen. In Berlin sind dies beispielsweise visitBerlin und Berlin Partner.

Vielleicht bist du weit gereist und hast Erfahrungen in den USA, England, Schweden, Finnland, Polen oder Tschechien gemacht. Was machen sie dort anders und was ist komfortabler?

Du kannst ihnen erklären, dass die vermeintliche „splendid isolation“ im Bereich Payment – in der Gastronomie, im ÖPNV, und so weiter – den Wirtschaftsstandort Deutschland als rückständig erscheinen lässt. Dass „Berlin ist billig und toll für einen Sauf-Urlaub“ kein dauerhaftes Geschäftsmodell ist, und auch sparsame Besucher nicht immer anspruchslos sind. Dass finanzstarke Investoren oder potenzielle Käufer deutscher Technik aus dem Ausland abgeschreckt werden, wenn sie „Nur-Hartgeld“-Automaten in Straßenbahnen nutzen müssen, teurere Cash-only-Gaststätten erleben, oder der Taxifahrer Kreditkarten nur widerwillig annimmt und dafür einen hohen Aufschlag berechnet.

6) Verbraucherverbänden schreiben
Ist noch ein wenig Energie übrig?

Schreibt eurer regionalen Verbraucherzentrale, wenn ihr erlebt, dass Händler Mindestumsätze oder Aufschläge für die Kartenzahlung verlangen, die überraschend kommen und nicht ausgeschildert sind. Dies könnte möglicherweise rechtswidrig sein.

Macht sie auf Probleme aufmerksam, die ihr im Alltag als Kunden erlebt. Verbraucherzentralen sammeln solche Informationen, um sie in ihrer politischen Arbeit zu verwerten und Handlungsbedarf aufzuzeigen.

Schlusswort

Es gibt viele Orte, bei denen man sich Gehör verschaffen kann. Natürlich ist Politik das Bohren dicker Bretter und es wird Rückschläge geben, in Form von nicht oder nur mit am Thema vorbeischrammenden Textbausteinen reagierender Lokalpolitiker. Aber es ist eine gemeinsame Anstrengung aller Akteure erforderlich, um Deutschland wettbewerbsfähig zu machen und von einem Transformationsland zu einem Wirtschaftsstandort auf Weltniveau im Herzen Europas zu entwickeln. Verbraucher, Banken, Händler und Politik müssen zusammenarbeiten.

Es geht hier keinem um die Abschaffung des Bargeldes. Aber der Verbraucher sollte eine Wahl haben. Wenn die Kartenzahlung bestimmten Verbrauchern mehr Komfort bietet, ist es legitim, als zahlender Kunde den Wunsch danach zu äußern.

Nochmals: Meckern in kleiner Runde zählt nicht! Dieser Beitrag soll als erste Inspiration dienen, um die nächsten Schritte anzugehen und gehört zu werden. Gemeinsam können wir stark sein.

Meine Reise zu einem britischen GirokontoMy journey to a British current accountMoja podróż do rachunku bankowego w UK

Wie ihr wisst, bin ich dem Inselvolk emotional sehr verbunden. Öfter kommt es vor, dass ich dorthin reise und gelegentlich erhalte ich Reisekosten per Überweisung erstattet. Es gibt drei Arten von Inlands-Überweisungen in Großbritannien, die in britischen Pfund durchgeführt werden: BACS (dauert 3-4 Werktage), CHAPS (die traditionelle Eilüberweisung – schnell, aber teuer), und Faster Payments (heute kostengünstiger und schneller Standard).

Diese gehen natürlich nur an britische Konten. Eine britische IBAN sieht üblicherweise so aus:
GBcc BBBB ssss ssaa aaaa aa
wobei cc für die Prüfziffern steht, BBBB für die ersten vier Stellen der BIC (z.B. BARC, MIDL, NWBK), ssssss für den Sort Code (die Bankleitzahl) und aaaaaaaa für die immer achtstellige Kontonummer (Account Number).

Fremdwährungskonten mit andersländischer IBAN (z.B. PL oder MT) sind zwar relativ einfach zu bekommen. Allerdings wegen der fehlenden Anbindung an BACS und Faster Payments ist man auf die gebührenpflichtige SWIFT-Überweisung angewiesen, was Business in UK stark erschwert. Und um die Eröffnung eines britischen Bankkontos als Nichtansässiger (non-resident) ranken sich viele Mythen. Dieser Artikel tritt dem entgegen.

Es gibt eine schnelle, jedoch ab dem 2. Monat kostenpflichtige Lösung, als EU-Einwohner ein Pfund-Konto mit GB-IBAN online zu eröffnen: Monese. Es deckt den ersten Bedarf mit Debitkarte und ein- und ausgehendem Inlandsüberweisungsverkehr gut ab. Das Konto leidet aber an gewissen Schwächen, u.a. fehlender Unterstützung von Lastschriften (Direct Debit).

Als Kunde der Fidor Bank Deutschland war meine erste Anlaufstelle Fidor UK. Große Enttäuschung! Die Konten der Fidor UK haben derzeit (Stand 2016) keine eigene IBAN. Es muss auf ein Sammelkonto bei der Voice Commerce Ltd überwiesen werden und die Identifikation erfolgt über den Verwendungszweck.

Während bei Fidor DE jeder ein Konto bekommt, sofern er bereit ist, für die Identifikation per PostIdent nach Deutschland zu reisen, ist dies bei Fidor UK nicht der Fall.

Es handelt sich hierbei um eine geschäftspolitische Entscheidung, zumal der Vertragspartner auch für die britischen Kunden die Fidor Bank AG München ist. So viel zum Thema „Community Banking“ – wer eine individuelle Lösung jenseits der üblichen Geschäftsvorfälle sucht, wird sie dort eher nicht finden.

UniCredit und BNP Paribas/Consorsbank haben keine Beteiligungen in UK, welche Verbrauchern Spareinlagen oder Konsumentenkredite anbieten könnten.

Eine Anfrage per Mail an Santander Deutschland, ob man einem Kunden mit stets problemloser Kontoführung bei einer Kontoeröffnung bei Santander UK behilflich sein könne, wurde nicht beantwortet. In einer Filiale in Deutschland (Berlin-Mitte, Leipziger Straße) wurde die Auskunft erteilt, man müsse sich direkt an Santander UK wenden, ein anderer Kunde habe das UK-Konto online erfolgreich eröffnen können. Dies war jedoch nicht möglich. In einer Filiale in UK wurde die Auskunft erteilt, dass ein Nachweis einer britischen Adresse (proof of address) erforderlich sei.

Der proof of address ist üblicherweise ein Kontoauszug oder eine Kreditkartenabrechnung der (bisherigen) Hausbank, eine Strom- oder Gasrechnung, eine Festnetztelefonrechnung, ein Gemeindesteuerbescheid (council tax bill) oder Einkommenssteuerbescheid von der inländischen Steuerbehörde HMRC.

Gelegentlich gehen Mietvertrag, Empfehlungsschreiben von Hochschule oder Arbeitgeber, Post von NHS oder National Insurance. Hier kommt es auf die einzelne Bank an! Insbesondere Filialbanken bestehen auf Originale und nehmen keine Online-Ausdrucke an.

Gleiches Bild bei NatWest UK, TSB Bank UK und bei Metro Bank (wobei das Basiskonto der Metro Bank stark eingeschränkt ist, andererseits wäre es mit einer Kurzzeitadresse und entsprechendem Timing wohl zu eröffnen gewesen). Halifax und Lloyds Bank verwiesen hingegen darauf, dass man online einen Termin vereinbaren solle, da keiner im Hause sei, der dieses Anliegen bearbeiten könne. HSBC hatte freundliches Personal, dieses nahm den Antrag auf ein Basiskonto zwar (zur Weiterleitung an eine übergeordnete Stelle) an und akzeptierte einen deutschen Proof of address. Ich hörte aber nie wieder von ihnen, vermutlich landete der Antrag umgehend in der Rundablage.

Als Geheimtipp in Foren wie MoneySavingExpert werden für solche Fälle Auslandsbanken gehandelt. Eine Suche im Sort Code Finder ergab zwar, dass die Landesbank Berlin auch eine UK-Niederlassung hat. Diese ist jedoch schon seit mehreren Jahren im Rahmen des Rückbaus der Landesbank hin zu einer regionalen Sparkasse geschlossen.
Eine Anfrage per E-Mail bei BEA UK blieb, genauso wie bei Bank of Baroda UK, unbeantwortet. Turkish Bank UK bietet zwar Nichtansässigenkonten auf der Website an und wirbt auch für Überweisungen in polnischen Zloty. Die Hotline sagte aber, dass ein Bezug zur Türkei oder Zypern vorliegen müsse. Eine polnische oder auch eine deutsche Adresse genüge nicht. Bank of Cyprus UK bietet Nichtansässigenkonten nur für Zyprer an. Punjab International Bank UK hat zwar Kontoeröffnungsmaterialien für Nichtansässige, verwies aber in der Filiale ebenfalls darauf, dass der Nachweis eines Wohnsitzes in Großbritannien erwartet werde.

Es werden auch dem ehrlichsten Kunden, der ein Girokonto sucht, aber kein attraktives Folgegeschäft (z.B. Hausfinanzierung, Altersvorsorge) verspricht, immer Steine in den Weg gelegt!

Mit rechtlichen Einschränkungen oder Bonitätsbedenken hat die bisherige Weigerung der Institute kaum zu tun, denn diese würden der Eröffnung eines Guthabenkontos an sich nicht im Wege stehen. Auch wenn jemand bereit war, eine gewisse größere Mindesteinlage zu leisten, konnte ein Konto eröffnen. Teilweise wurde man auf die Offshore-Filialen der großen Institute verwiesen.

Doch seit dem 18. September 2016 ist die Zahlungskontenrichtlinie 2014/92/EU durch die Mitgliedsstaaten umzusetzen. Großbritannien gehört auch dazu und hat dies mit einer Verordnung von 2015 getan. Viele Institute haben nunmehr Anleitungen zur Beantragung außerhalb des UK online gestellt. Es gilt, Konditionen und Verfahren zu vergleichen.

(To be continued)