Bewerbungstipps für Jura-Studenten

Du möchtest dich um eine Stelle als studentische Hilfskraft an einem Lehrstuhl an deiner Universität bewerben? Glückwunsch zu dieser Entscheidung. Offiziell ist für zukünftige Arbeitgeber in Form des Staatsdienstes oder der Großkanzlei zwar jede Art Berufserfahrung hochwillkommen, da die erworbenen Kompetenzen größtenteils übertragbar sind – ob es das Kellnern in einem Restaurant ist, das ehrenamtliche Unterrichten von Flüchtlingskindern, oder das Begleiten eines Einzelanwalts zu Gerichtsterminen. Dennoch hat eine Anstellung als studentische Hilfskraft an der Uni viele Vorteile, die nicht jeder Studentenjob im gleichen Umfang bieten kann.

Man ist ein Quasimitglied des öffentlichen Dienstes und wird vom Staat zwar nicht unbedingt sehr großzügig, aber zumindest pünktlich und zuverlässig bezahlt. Man hat direkten Kontakt zum Professor oder zur Professorin und hat bei Interesse und Eignung gute Chancen, nach dem Abschluss zur Promotion angenommen zu werden. Auch sind die vielen weiteren kleinen Vorteile, wie eine ungestörte Rückzugsmöglichkeit an der Uni sowie Privilegien bei den Ausleihrechten für Bücher, nicht zu unterschätzen.

Die Konkurrenz ist ziemlich stark. Auch starke Kandidaten haben oft nicht auf Anhieb Erfolg. Ich habe daher ein paar wichtige Punkte zusammengetragen, auf die du achten solltest.

1) Schaue regelmäßig nach Stellenausschreibungen.
Freie Stellen im öffentlichen Dienst müssen ausgeschrieben werden. Sie werden eine Zeitlang an den entsprechenden Bekanntmachungskästen ausgehängt und auch im Internet veröffentlicht. Jede Universität hat einen Stellenanzeiger.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder gute Kandidat überall gleiche Chancen hat. Die Bedürfnisse sind unterschiedlich. Professor A forscht zum Gebiet B und möchte Kandidaten mit Kenntnissen der Sprache C, Professorin X hingegen hat eine Kooperation mit der Uni Y im Land Z. Schließlich ist es auch möglich, dass Professor A ein oder zwei Wunschkandidaten hat, die er etwa aus einem Seminar bereits kennt und auch aktiv zur Bewerbung aufgefordert hat. Fair oder nicht, es liegt in der Natur des Menschen, dass er eher zum Vertrauten neigt.

2) „Research the firm“ – auch jetzt schon wichtig!
Was die „Großen“ vor ihrem Berufseinstieg machen, das wirst du jetzt auch machen. Du weißt jetzt, dass Professor A einen studentischen Mitarbeiter für einen 2-Jahres-Vertrag sucht. Vielleicht steht in der Anzeige auch, dass die Stelle mit dem Projekt B zu tun hat. Oder, wenn du etwas tiefer schürfst (was du tun solltest), findest du vielleicht eine Veröffentlichungsliste des Professors. Informiere dich auf der Internetseite des Professors über seine aktuellen und bisherigen Projekte.

Die formularmäßige Online-Bewerbung, wie man sie in der freien Wirtschaft kennt, hat in der Universitätswelt bisher noch nicht so sehr Einzug gehalten. Du wirst ein Anschreiben und einen Lebenslauf frei formulieren. Eine Herausforderung, gleichzeitig aber auch eine Chance. Beides muss auf die Stelle zugeschnitten sein. Dass du an der Erich-Honecker-Grundschule in Finsterwalde Klassenbester beim Lesewettbewerb warst, ist schön und gut, aber jetzt nicht mehr so wichtig. Du wirst zumindest 18 sein und nicht mehr 10.

Stelle im Anschreiben stattdessen unbedingt einen Bezug zwischen deinen besonderen Fähigkeiten oder deiner Lebenserfahrung und dem konkreten Tätigkeitsprofil des Professors dar. Besondere Fähigkeiten und Interessen hat jeder von uns. Jeder ist auf seine Art eigen und das ist schön!

Sprichst du fließend Polnisch, entwickelst du mobile Apps oder bist in einem Geschichtsverein aktiv? Dann bist du der ideale Kandidat für einen Professor, der sich mit Fachkollegen in ganz Europa vernetzt oder Vorlesungen im Schwerpunkt ITK-Recht oder Rechtsgeschichte hält. Wenn du bei ihm bereits eine Vorlesung besuchst oder eine Prüfung abgelegt hast, kannst du auch dies kommunizieren.

Halte deine Unterlagen nicht zu allgemein. Jedes Anschreiben muss individuell sein. Jeder Arbeitgeber will Engagement sehen. Sehr unschön ist, wenn du Namen falsch schreibst oder dich auf ein Tätigkeitsfeld beziehst, das der Professor so nicht bearbeitet. Vermeide dies um jeden Preis.

3) Vorbereitung ist nur mit mehr Vorbereitung zu ersetzen.
Lass deine Bewerbungsunterlagen von Eltern oder Freunden (vorzugsweise nicht die an der Uni, die sich möglicherweise auf die gleichen Stellen bewerben könnten) kritisch lesen. Wenn jemand 50 Bewerbungen auf eine Stelle bekommt, fliegen zuerst die mit den offensichtlichen Rechtschreibfehlern oder den Ausdrucken auf billigen Fresszetteln raus.

Wirst du zum Vorstellungsgespräch eingeladen, dann herzlichen Glückwunsch! Du hast die erste Stufe bereits überstanden. Bereite dich dann zumindest auf die Standardfragen vor:

„Erzählen Sie etwas über sich und über Ihre guten und weniger guten Seiten.“ (Dass dein Lieblingsessen Sushi oder Burger ist, ist ja ganz schön, aber wenn du in einem Jobinterview etwas „über dich“ erzählst, muss immer ganz klar ein Bezug zur Tätigkeit vorhanden sein, für die du dich bewirbst. Bei den „weniger guten Seiten“ darfst du auch nicht zu ehrlich über die krass negativen Seiten sprechen, von denen jeder von uns natürlich auch welche hat. Immer nur über ein Problem reden, woran man bereits aktiv gearbeitet hat, was inzwischen kein großes Ding mehr ist, und was einem in der jetzigen Position noch nicht schadet (z.B. Delegation – du bist in einem Verein verantwortlich für X, und machst im Zweifel vieles selbst, weil…). Die Standardantworten wie „perfektionistisch“, „überpünktlich“ oder „Schokolade“ sind ausgelutscht.)
„Warum möchten Sie bei uns arbeiten?“
„Warum passen Sie gut zu uns?“
„Was haben Sie sich unter dieser Tätigkeit vorgestellt?“
„Was gefällt Ihnen am Studium am besten und warum?“
„Was planen Sie nach dem Abschluss?“ (Interesse an einer Promotion kann man durchaus andeuten, aber bitte nicht sagen, „ich möchte Professor werden“.)

Fragen der Sorte „Wie viele Bild-Zeitungen werden jeden Tag in Deutschland verkauft?“ – eine Vorstufe von „Business Cases“, die bei Unternehmensberatungen beliebt sind – wird es auf deiner Karrierestufe noch nicht im Vorstellungsgespräch geben. Wenn doch: entspann dich! Versuche, eine Referenzgröße zu finden und leite deine Antwort davon ab (z.B. „Deutschland hat 83 Millionen Einwohner, also vielleicht 40 Millionen Haushalte. Davon haben 15% eine ausländische Erstsprache und bevorzugen eine fremdsprachige Zeitung. Weitere 35% sind Akademiker und lesen lieber FAZ, Welt oder Süddeutsche, womit wir bei 20 Millionen sind, davon…“) Es kommt nicht auf eine auswendig gelernte „korrekte“ Zahl an, mehr auf Allgemeinbildung und logisches Denken.

4) Sei nicht enttäuscht, wenn es nicht auf Anhieb klappt.
Auch ein guter Kandidat mit einem Durchschnitt von 10+ Punkten in der Zwischenprüfung muss möglicherweise zehn oder mehr Bewerbungen schreiben, bis es klappt, denn die Stellen sind knapp. Lass dir nicht von anderen erzählen, dass du nicht gut genug bist. Den Einstieg zu schaffen ist das schwerste überhaupt, danach geht es bergauf.

Tipp: Achte auf Ausschreibungen von neulich an deine Fakultät berufenen Professoren. Diese haben im Zweifelsfall keine oder kaum Wunschkandidaten und deine Chancen werden größer sein.

5) Erwarte anfangs nicht zu große und spannende Tätigkeiten.
Das klingt jetzt hart – aber: Du beginnst als Hilfskraft, nicht als Managing Partner einer Großkanzlei. Führe die kleinen Dinge (Pflege der Internetseite, Kopieren, Bücher ausleihen, kurze Briefings erstellen, Einladungen formulieren…) gewissenhaft aus. Sei immer freundlich und pünktlich, und melde dich vor allem ab, wenn du aus irgendeinem Grund einmal nicht zur Arbeit erscheinen kannst. Man wird dich später auch die großen Dinge machen lassen.

6) Eine solche Stelle nicht zu bekommen, ist kein Desaster.
Wenn es trotz Engagements und guter Noten nicht klappt, ist es definitiv kein Beinbruch. Es gibt auch andere schöne Stellen im juristischen Bereich, mit denen man sich für eine spätere gute Tätigkeit empfehlen kann. Auch Anwaltskanzleien suchen studentische Mitarbeiter und sie zahlen ebenfalls nicht schlecht.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich im Anzug zum Vorstellungsgespräch kommen?
Bei einer Anwaltskanzlei wäre das wahrscheinlich ratsam. An der Uni nimmt man es weniger streng. Gepflegte Freizeitkleidung, vielleicht Hemd mit Kragen, reicht in den meisten Fällen aus. Erste Eindrücke zählen dennoch. Sei pünktlich, suche zuerst das Sekretariat auf und lasse dich dort an den Professor weiterreichen. Ein Kandidat sollte frisch geduscht sein und keinen zu penetranten Duft anwenden. Ein Vorstellungsgespräch entspannt und gleichzeitig professionell über sich ergehen zu lassen ist nicht immer einfach. Jedoch sollte man nicht zu stark in Umgangssprache abrutschen und auch seine eigenen Meinungen im Interview eher zurückhalten, sofern man nicht direkt danach gefragt wird.

Ist es möglich, Hilfskraft an einer anderen Uni zu werden?
Ja, ist es. Wenn du das Glück hast, in einer Metropolregion mit mehreren Universitäten und juristischen Fakultäten zu wohnen, kannst du dich auch bewerben. Es gibt durchaus studentische Hilfskräfte etwa an der Technischen Universität in Berlin, die gleichzeitig an der Freien Universität studieren. Die Chancen werden jedoch, hier will ich niemandem etwas vorgaukeln, vermutlich reduziert sein.

Wie sieht es mit Initiativbewerbungen aus?
Universitäten sind noch mehr als Großkonzerne Dickschiffe, in denen jede Ausgabe mit langem Vorlauf geplant wird. Eine Initiativbewerbung wird im Zweifel nicht schaden, aber auch nicht wirklich viel bringen. Ein Professor in Deutschland hat immer nur Mittel für einige bestimmte Stellen und bekommt zeitlich beschränkt immer mal wieder etwas mehr für bestimmte Projekte.

Die Stellen werden aber auch nicht immer auf „Teufel komm raus“ besetzt. Manch ein Professor hält eine Stelle auch mal ein oder zwei Monate frei, wenn er keine nach seiner Ansicht geeigneten Kandidaten gefunden hat. Lehrstuhlinhaber haben in Deutschland Personalverantwortung und eine relativ große Autonomie, die auch „ordentliche“ bzw. Vollprofessoren in anderen Ländern so nicht immer haben.

Weitere Fragen?

Bitte nimm Kontakt per E-Mail auf!

Der hier ungenannte Autor arbeitet derzeit im Legal Recruitment in einem europäischen Nachbarland und möchte sein Wissen teilen.