In einigen Tagen reise ich wieder nach London, um eine Tagung zu besuchen. Am meisten freue ich mich – da gibt’s keinen Zweifel – auf das Essen. Nun sagt man bei uns den Briten nicht gerade nach, kulinarisch begabt zu sein. Es gäbe seltsame Geschmackskombinationen und das Essen sei fett, schwer und eher geschmacksneutral. Und so findet sich in einem Artikel auf londynek.net (einem polnischsprachigen Portal für die Zugezogenen insbesondere im Großraum London), der sich mit kulturellen Unterschieden zwischen Polen und England beschäftigt, folgende Aussage:

Wie kann man Pommes mit Essig essen? Es ist ekelhaft und danach haben die Briten geschwollene Lippen davon
– Magda, 23, arbeitet seit einem Jahr in London in einem Geschäft

Auf High Holborn in Central London, auf den ersten Blick sieht man schon fünf Essgelegenheiten (Pret, EAT, Itsu, McDonalds, Nero)!
Auf High Holborn in Central London, auf den ersten Blick sieht man schon fünf Essgelegenheiten (Pret, EAT, Itsu, McDonalds, Nero)!

Aber es gibt auch andere Meinungen:

In Polen kochten wir meistens zuhause und aßen auswärts vor allem nach dem Zahltag oder wenn es etwas zu feiern gab, etwa Freunde nach vielen Jahren wieder zu sehen. Hier war ich überrascht, dass kaum jemand kocht, und es in der Nähe des Hauses sehr viele Orte mit Essen gibt, mehr als Lebensmittelgeschäfte. Nach einer Zeit habe ich bemerkt, öfters in der Stadt zu essen, weil es bequemer ist und finanziell nicht so wie in Polen. Aber ich folge immer noch der polnischen Tradition, und wenn ich frei habe, mache ich etwas Suppe oder Kartoffeln mit Schnitzel und Salat
– Dominika, 41 Jahre, Friseurin, in London seit 2 Jahren

Du kannst jeden Tag Essen aus einer anderen Region essen, jedes Produkt aus aller Welt bekommen. Wenn es etwas nicht in London gibt, ist es gut möglich, dass es das überhaupt nicht gibt. Oh, und in Geschäften kannst du jede Speise gefroren kaufen
– Tomek, 28 Jahre, arbeitet in einem Sportgeschäft in London seit 3 Jahren

Meine persönliche Meinung: Was anfangs befremdlich ist, an das gewöhnt man sich schnell, und ist dann charakterlich in gewisser Weise verdorben, weil man sich nicht mehr zurückgewöhnen kann.

Meal Deal von Sainsbury's in London (UK), 2011Die deutsche Esskultur, Döner und Pizza hin oder her, ähnelt vielleicht eher der polnischen. Mittags geht’s in die Betriebskantine. Da wird dann meist so gegessen, als müsste man körperlich schwer arbeiten, die Currywurst ist beliebteste Speise (wobei es auch da Fortschritte gibt, vegetarische Optionen und Salatbars sind inzwischen anerkannt). Da die Hausfrauenehe noch relativ anerkannt ist, reicht es dann abends für ein home cooked meal. Imbisse spezialisieren sich ebenfalls auf Pommes, Buletten, Döner, Pizza oder ähnlich schwere Dinge. Das Konzept des Chippy gibt es auch in England, aber Sandwich- und Sushibars nach Londoner Art haben selbst in Berlin nicht annähernd die selbe Verbreitung.

Im deutschen Fernsehen berichtete „m€x“, ein „Verbrauchermagazin“ des Hessischen Rundfunks, neulich unter dem Titel „Teure Snacks – Wie Lidl & Co mit Fertigessen Kasse machen„, dass die Snacks aus dem Kühlregal der Supermärkte überteuert seien. Das Sandwich oder der Obstsalat sei gegenüber den Zutaten über 200% teurer und nicht immer von entsprechender Qualität.

Das mit der Qualität kann durchaus sein, aber die Kalkulation darf nicht unwidersprochen bleiben. Hierbei unterliegen die Fernsehredakteure dem selben Anfängerfehler wie der einstige und nicht unumstrittene Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin, der einen „Hartz-4-Speiseplan“ aufstellte. Es ist nicht immer möglich, haushaltsgrößengerecht einzukaufen. Es gibt in der Realität – bei Discountern noch viel mehr als bei den teureren Vollservice-Supermärkten – kaum eine Option, fünf Salatblätter oder zwei Bratwürste kaufen zu können. Alle bestimmten, günstig gerechneten „Preise“ für die Zutaten sind damit fiktiv und die Berechnung hinfällig. Rainer L. Hein von „Welt Online“ kritisierte schon 2008:

Die Alternative wäre, dass man sechs Tage hintereinander Bratwurst isst, oder nach drei Tagen die Segel streicht und den Rest in den Abfall gibt. Schon hier würde Sarrazins Plan nicht mehr aufgehen, denn die Bratwurst mit veranschlagten 38 Cent würde auf einen Schlag 1,14 Euro kosten.

Macht man Letzteres, geht natürlich wieder das Geträller von der Lebensmittelverschwendung und den gedankenlosen, verantwortungslosen, bösen Verbrauchern los, die man besteuern oder gleich bestrafen sollte…

Tesco Metro London Hammersmith, 2014: Gigantische Auswahl an Reiseverpflegung.
Tesco Metro London Hammersmith, 2014: Gigantische Auswahl an Reiseverpflegung.
Genauso wie in der industriellen Herstellung von Fertiglebensmitteln kommen auch in der Gastronomie die Rationalisierungseffekte tatsächlich ins Spiel. Da gibt es zwei Bratwürste oder fünf Salatblätter pro Portion. Es kommt der Faktor hinzu, dass man sich mit Fertigprodukten auch Zeit kauft. Für Singles (bei Familien sieht es anders aus) ist es unter bestimmten Umständen kaum teurer, sich fachmännisch ein Essen zubereiten zu lassen als selbst einzukaufen, wenn man keinen Schwund möchte und auch nicht dreimal hintereinander das Gleiche essen.

Neulich sprach ich mit einer Person, die wie ich vor einigen Jahren längere Zeit in London verbracht hat und meinte, sie wäre vor einigen Wochen wieder dort gewesen, aber habe nur Stagnation wahrgenommen. Die Essenskultur habe sich kaum weiterentwickelt, es sei nur teurer geworden. Der wahre Fortschritt finde nun in Berlin statt, siehe Street-Food-Festivals, Vietnam-Burger und so weiter.

Nichts könnte falscher sein als das! Wie oft geht man denn mittags mal schnell zu einem Street-Food-Festival?
Nein, es gibt in Deutschland, auch in Berlin, immer noch keine Alltags-Auswärts-Esskultur wie in London oder vielleicht auch in Teilen Asiens, sondern nur eine Besondere-Gelegenheiten-Esskultur. Man hat im Alltag im Regelfall die Wahl zwischen Kantine, Pommesbude, Bäckerei, vielleicht Pizzaservice und seit neuestem Supermarktsandwiches (nein, keine Coronation chicken oder Schwarzwälder Kirsch, sondern vakuumierte Depression mit dreifach Mayonnaise und billigen Zutaten wie Schinken, Käse, Salami oder Eiern). Und wenn die Auswahl nicht so groß ist (einzelne Lichtblicke ausgenommen), wird man halt fett.

Mich versetzt schon der Gedanke an die anstehende Reise in eine Art kulinarische Euphorie. Hoffen wir mal, dass diese Esskultur in der Welt zwischen Berlin und Kostrzyn irgendwann ebenfalls Einzug hält – nur wird es mich bis dahin vermutlich nicht mehr geben 😉

Auf Kartenzahlungsbelegen aus Deutschland (Kundenbeleg, Händlerbeleg) stehen so einige interessante Angaben, die zur Fehlerbehebung dienen können. Heute erhaltet ihr eine Erklärung des sogenannten AS-Proc-Code.

Der AS-Proc-Code (Authorisation System Procedure Code) ist eine siebenstellige Rückmeldung des Autorisierungssystems und taucht in der Blockform „nn nnn nn“ auf den aus dem Terminal kommenden Kreditkarten- oder Debitkarten-Zahlungsbelegen auf.

Auf einem Beleg aus einem Restaurant steht womöglich „00 054 73“. Ein Beleg aus einem Supermarkt, bei dem man es zuerst erfolglos mit einer Chip-Zahlung versuchte und dann den Magnetstreifen durchzog, weist „00 803 00“ auf. Ein Barabhebungsbeleg von einem Schalter der ReiseBank weist „01 053 00“ auf. Und auf vielen Belegen aus Reisezentren der Deutschen Bahn stand bis vor kurzem „00 902 00“. Doch was bedeuten diese Ziffern?

Der erste Block beschreibt den Typ der Transaktion.

00: General purchase and pre-authorisation
01: Cash
02: Update
09: Authorisation with Cashback
20: Refund
31: Reconciliation: Request totals
36: Reconciliation: Request totals and change processing day
37: Reconciliation: Request totals of the last processing day

Die ersten beiden Stellen des zweiten Blocks beschreiben die Art, wie die Kartendaten durch das Terminal erfasst wurden.

00: Entry Mode – Unspecified
01: Entry Mode – Manual
02: Entry Mode – Magnetic stripe read
03: Entry Mode – Bar code
04: Entry Mode – OCR
05: Entry Mode – Integrated circuit card
07: Entry Mode – Proximity payment using ICC data
80: Entry Mode – ICC fallback to magnetic stripe
81: Entry Mode – PAN entered via Electronic Commerce
90: Entry Mode – Complete contents of magnetic stripe’s track 2 have been read and checked
91: Entry Mode – Proximity payment using magnetic stripe data

Die dritte Stelle des zweiten Blocks beschreibt die verfügbaren Funktionen des Terminals für das verwendete Zahlungssystem. Es heißt nicht notwendigerweise, dass diese Funktion auch eingesetzt wurde, d.h. ein AS-Proc-Code „00 053 00“ kann durchaus auch für eine Chip-&-Signature-Zahlung gelten, allerdings steht „00 054 00“ eindeutig für eine durch das Gerät erzwungene Unterschriftenzahlung.

0: Unknown
1: PIN entry capability
2: No PIN entry capability
3: EMV & PIN entry capability
4: EMV capability
5: ?
8: Terminal has PIN Entry Capability but PIN Pad is down
9: PIN Verified by Terminal Device

Der letzte Block beinhaltet Zusatzinformationen zur Transaktion.

00: indicates normal presentation – interactive
01: indicates customer not present – interactive
03: indicates tippable transaction – interactive
06: indicates pre-authorisation – interactive
08: indicates mail-order – interactive
09: indicates pre-authorisation with MOTO – interactive
51: Network diagnostic because of a POS Terminal time-out
52: Network diagnostic because of answer code 06, 97, 98 or 99 in the response message
of the authorisation centre computer / sequence generation number synchronisation without transaction information data.
54: Network diagnostic because of a MAC error in a reversal answer message
55: Network diagnostic because of a format error or invalid field contents in the auto-reverse answer message.
56: Network diagnostic with Sequence generation number synchronisation and transaction information data, because of answer code 06 and functionality (with transaction information data) is initialised.

6x indicates non-interactive batch upload messages, where x can take the values 0, 1, 3, 4, 5, 6, 8, 9.
60: indicates normal presentation – non interactive – batch upload
61: indicates customer not present – non interactive – batch upload
63: indicates purchase update, tip – non interactive – batch upload
65: offline authorisation – non-interactive – batch upload
68: indicates mail-order – non-interactive – batch upload

7x indicates interactive authorisation and capture notifications, where x can take the values 0, 1, 3, 4, 6, 8, 9.
70: indicates normal presentation – interactive
71: indicates customer not present – interactive
73: indicates tip-related – interactive
74: indicates merchant’s risk related – interactive
76: indicates pre-authorisation – interactive
78: indicates mail-order – interactive
79: indicates capture of pre-authorisation with MOTO
80: indicates purchase previous pre-authorisation – interactive
81: indicates unattended terminals, fixed amount, interactive (for instance, automated dispensing machines)

Kommen wir nun zu unserem Beleg aus dem Restaurant mit dem AS-Proc-Code „00 054 73“ zurück. Eingesetzt wurde eine echte Chip-&-PIN-MasterCard britischer Herkunft. Wir waren erstaunt, dennoch unterschreiben zu müssen.
Das deckt sich jedoch mit dem AS-Proc-Code 00 wie Zahlung, 05 wie Chip, 4 wie EMV ohne PIN, und 73 wie Beleg mit Trinkgeldfeld (in der Gastronomie üblich).

Beim nächsten Besuch wurde eine Maestro-International-Karte gezückt. Es erschien dann das übliche „00 053 00“ auf dem Beleg. Ein Terminal kann durchaus so eingestellt sein, dass die PIN für bestimmte Zahlungssysteme umgangen wird und für andere – etwa Maestro, welches PIN-Unterstützung vorschreibt – dennoch abgefragt wird.

Natürlich ist das Ganze extrem kompliziert und für den Laien kaum durchschaubar. Ein britischer oder polnischer Kassenzettel begnügt sich mit plumpen Angaben wie „ICC“, „SWIPED“ und „PIN Verified“ / „Kod PIN zgodny“, „Signature“ / „Podpis“ oder sogar einem „Podpis niewymagany“. Aber Overengineering ist schließlich auch eine deutsche Tugend.

Die Quelle der Definitionen ist das in Deutschland Anwendung findende „General ISO-8583 Credit Card (GICC) Protocol for POS Authorization“. Die Stichwörter für die drei Blöcke des AS-Proc-Code sind „Processing Code“, „POS Entry Mode“ und „POS Condition Code“.

Veröffentlicht unter EFT.