Beim Aufräumen habe ich im Keller einige Seiten des Tagesspiegels vom Sonntag, 22. Juli 2012 entdeckt.

Als „Wort zum Sonntag“ wird eine Aussage von Peer Steinbrück (SPD) erwähnt: „In einigen Jahren mehren sich bei mir die Zweifel, ob alle Länder in der Euro-Zone gehalten werden können … Ich kann nicht erkennen, dass einige Länder die Lücke ihrer Wettbewerbsfähigkeit schließen können.“

Auf der selben Seite 7 ein Meinungsbeitrag „Der Geist des Sports“ der Autoren Markus Hesselmann und Friedhard Teuffel zum sprichwörtlichen britischen Sportsgeist im „Land der Fairness“. Zur Erinnerung: Die Olympischen Spiele in London standen kurz vor der Tür.

Pragmatismus und Common Sense – noch so ein schwer zu übersetzender englischer Begriff, in dem sowohl Gemeinsinn als auch gesunder Menschenverstand stecken – sind dieser Haltung zufolge eher zu trauen als großen systematischen Gesellschaftsentwürfen. (…) Vergleichsweise harmlos, aber doch bezeichnend, kann sich das im Berliner Alltag schon mal so darstellen: In Prenzlauer Berg ging unlängst ein Mann um, der Spätkaufinhaber, die trotz Verbots auch sonntags geöffnet hatten, anzeigte. Schließlich müsse es ‚gerecht‘ zugehen, gab der Denunziant als Erklärung für sein Vorgehen an. Ein Ladeninhaber schlug zurück, indem er die Rufnummer seines Anschwärzers ins Schaufenster klebte. Eine Auseinandersetzung auf dem Feld der Gerechtigkeit, die kaum von Fairness, Common Sense oder Pragmatik getragen wurde.

Exakt das ist drei Jahre später immer noch Thema. Eine latente Unzufriedenheit ist zwar bei Wirtschaft und dem fortschrittlichen Teil der Gesellschaft erkennbar. Allerdings wird mit allen Mitteln und zu unverhältnismäßigen Kosten der Status quo durch Politik und die überproportional mächtigen Interessenverbände (Gewerkschaften und Kirchen) konserviert, während sich anderswo die Erde weiter dreht – nur in Deutschland nicht.

Ich finde es furchtbar, wenn es keinen gesellschaftlichen und politischen Fortschritt in einem Land gibt. Nicht Honig im Kopf, bildhaft müsste man eher von einer honigartigen Klebrigkeit, oder Mehltau über dem Land sprechen.

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