Man versucht mit enormen Anstrengungen seitens der Staatsorgane und der Verbände, die internationale Verwendung deutschen Rechts mit dem Slogan „Law – Made in Germany. global effektiv kostengünstig“ zu fördern. Die Resonanz ist mäßig, man lese nur den Text von Peter, Warum die Initiative „Law – Made in Germany“ bislang zum Scheitern verurteilt ist, JZ 2011, 939. Insgeheim denken viele aus der Branche wohl immer noch, man sei Weltspitze und werde es für immer bleiben. Verwiesen wird auf Länder wie Griechenland, Südkorea oder Japan, die sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts am deutschen Bürgerlichen Gesetzbuch orientiert haben. Doch der kontinentaleuropäische Rechtskreis hat im internationalen Vergleich stark an Glanz verloren.

Symptomatisch für das Leben in einem Paralleluniversum ist der Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia zur Juristenausbildung in England und Wales. Süffisant wird angemerkt, dass ein Studium nicht erforderlich sei, um in Großbritannien die Rolle eines Solicitors zu übernehmen. Unterhaltsam ist der Hinweis, dass Menge und Qualität der Speisen bei den verpflichtenden Abendessen (dining terms) bei der Ausbildung zum Barrister zu wünschen übrig ließen. Berufen wird sich aber lediglich auf einen Aufsatz aus dem Jahr 1962 und ein 20 Jahre altes, deutschsprachiges Lehrbuch statt auf aktuelle englischsprachige Primärquellen.

Blickt man auf den englischsprachigen Wikipedia-Artikel zu dem Thema, stellt sich die heutige Lage ganz anders dar: „Requirements for becoming a lawyer in England and Wales and in Northern Ireland differ slightly depending on whether the individual plans to become a solicitor or barrister. All prospective lawyers must first however possess a qualifying law degree, or have completed a conversion course.“ Der Zugang ist offener geregelt als in Deutschland, als für einen Absolventen eines fachfremden Studienganges lediglich ein einjähriges Aufbaustudium der juristischen Pflichtfächer genügt. Vielfalt ist kein Nachteil für den Berufsstand. Es ist aber heute selbst in England definitiv nicht so, dass jeder Anwalt werden kann.

In anderen Nationen schüttelt man darüber den Kopf, dass in Deutschland statt erfahrener Anwälte lieber beeinflussbare Jungabsolventen zu Richtern berufen werden und Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen für die Beteiligten treffen. Auch die Qualität der Rechtsprechung leidet, wenn die rechtsprechende Gewalt die Tricks der Anwälte nicht kennt – dies zeigt etwa diese Posse aus dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Interessenkonflikte verhindert das bewusste Rekrutieren berufsunerfahrener Juristen übrigens auch nicht. Warum man an einem System mit offensichtlichen Verfallserscheinungen festhält, darüber darf sich jeder selbst ein Urteil bilden.

Heute wieder im Tagesspiegel gelesen: „Das System Airbnb: Ferienwohnungen spitzen die Lage auf dem Wohnungsmarkt weiter zu. Wie Online-Anbieter von Ferienappartements den Berlinern die Wohnungen streitig machen.

Natürlich, jede Ferienwohnung entzieht diese Wohnung dem Mietermarkt. Und klar, man sollte gegen diejenigen vorgehen, die das als ein schwarzes Gewerbe betreiben. Gab es in meinem Wohngebiet neulich auch schon, da wurde dann ein Mieter, der jede Woche neue Untermieter reinholte, vom Eigentümer rausgeworfen.

Aber Fakt ist nun mal, dass nicht jeder in der Innenstadt leben kann, auch wenn das sicher viele möchten und die Landflucht auch in Deutschland seit Jahren ungebremst weiter geht. Zweckentfremdungsverbote oder Mietpreisbremsen bekämpfen lediglich die Symptome, nicht die Ursachen, die in einem schwachen Angebot liegen.

Wohnungsbesichtigung in London (2011)
Wohnungsbesichtigung in London (2011)

Wohnungsbau ist in Deutschland teuer und Neubauten grundsätzlich nur im Hochpreisbereich rentabel, weil Partikularinteressen für immer schärfere Bauvorschriften gesorgt haben. Darüber hinaus sind periphere Gebiete sehr schlecht angebunden. Das muss nicht mal die Uckermark sein – auch schon am Stadtrand Berlins wird es schwierig, wenn man nur an einen Bus im 30-Minuten-Takt angebunden ist. In London kann man das sehr gut am Boom in Wohngebieten sehen, die durch die neue Nahverkehrslinie Crossrail deutlich besser an die Innenstadt angebunden sein werden.

Ja, auch in der Berliner U-Bahn wird bereits für Häuser in Rathenow geworben. Aber solange dort vom Berliner Stadtzentrum nur einmal pro Stunde eine einsame ODEG hinfährt, ist das natürlich keine Option für Pendler, die sich nicht jeden Tag den Autoverkehr antun wollen. Hier haben Berlin und Brandenburg noch erheblichen verkehrspolitischen Nachholbedarf!

Es muss nicht jeder in der Innenstadt Berlins leben. Wenn es aber möglich wird, zu vernünftigen Fahrzeiten mit dem ÖV auch aus Außenbezirken oder dem Speckgürtel anzureisen, wird sich der Wohnungsmarkt etwas entzerren. Solange eine U-Bahn-Erweiterung (U55) vom Alex zum Hauptbahnhof fast ein Jahrzehnt braucht – die ursprünglich mal geplante Erweiterung über Turmstraße-Jungfernheide-Tegel werde ich wohl nicht mehr erleben –, ist das natürlich eine hohe Messlatte…