Als Kunde der Consorsbank (eigentlich BNP Paribas Zndl Deutschland, Nürnberg) habe ich zu meinem Girokonto eine kostenlose Visa-Karte bekommen. Sie wird in der Werbung als „VISA Card“ bezeichnet, ganz schüchtern taucht in einer Aufzählung der Punkt „Behalten Sie dank Debitfunktion den Überblick: Zahlungen und Abhebungen erscheinen sofort auf Ihrem Konto“ auf.

Consors VisaAuf der Karte ist (und das ist höchst nachlässig!) nur das reguläre Visa-Logo angebracht. Nicht das Logo mit dem zusätzlichen Schriftzug „DEBIT“ unter dem Visa-Logo, wie man es etwa von britischen oder US-amerikanischen Karten kennt, die dort oftmals als Hauptkarte zum Girokonto ausgestellt werden. Zwar ist die EMV-AID immer A0000000031010, egal ob die Karte nun Visa Credit oder Visa Debit ist. Aber anders als es viele Laien vermuten, gibt es dennoch einen ganz erheblichen Unterschied. So sind die Kosten für die Akzeptanz von Visa-Debit-Karten für viele ausländische Händler geringer (hier die Aufstellung der Interchange-Kosten für internationale EWR-Transaktionen, die einen Teil der Händlergebühren ausmachen).

Screen Shot 2015-01-22 at 00.02.43 (EZY Cards)Neulich wieder erlebt: Ich buche einen Flug bei easyJet. Auswahl bei Kartentyp u.a. zwischen „Visa“ und „Visa Debit“, zu meinem Erstaunen sogar in der deutschsprachigen Fassung der Seite, obwohl hier die allermeisten Nutzer unwissend sind. Ich bin natürlich sofort auf die Option „Visa Debit“ gegangen, was die Buchung gleich rund zwei Euro billiger gemacht hat (108,54 Euro statt 110,71 Euro), da dann easyJet auf Kreditkartengebühren verzichtet. Natürlich mit der Consorsbank-Visa-Karte gezahlt. Die Transaktion ging problemlos durch und wurde bestätigt. Nutzer bestimmter amerikanischer Visa-Debit-Karten beklagen in Foren, dass das easyJet-Buchungssystem ihre Karten nicht richtig erkennt, aber zumindest in dieser Hinsicht gleicht die deutsche Visa Debit der Consorsbank in ihrer Funktionalität exakt denen etwa aus Großbritannien. Das sollte sich dann auch am POS, also an der elektronischen Kasse, zeigen.

FoylesDeltaCardBeim Buchhändler in London nutzte ich die Karte natürlich ebenfalls, zumal sie mit 0% Fremdwährungsgebühr auch bei bargeldloser Zahlung, anders als etwa DKB, DAB, comdirect, ING-DiBa, netbank usw., für Weltenbummler sehr attraktiv ist. Es erschien auf dem Kassenzettel sogar die Angabe „DELTA CARD“ – die alte Bezeichnung für Visa Debit in Großbritannien, die schon seit ca. 10 Jahren nicht mehr verwendet wird – als Zahlungsmethode! (Dass die Karte im Ausland als Chip & Signature-Karte funktioniert, weil sie nur Online-PIN und kein Offline-PIN kann, und das sehr suboptimal ist, ist wiederum eine andere Baustelle…)

Auch bei PayPal habe ich die Karte (als Visa-Karte) als Zahlungsmethode eingetragen. In der Einzelansicht der Transaktionen heißt es dann immer, abgebucht wurde von „Visa Debit Card“.

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Nur weil in Deutschland und der Kartentyp „Visa Debit“ eine untergeordnete Rolle im Zahlungsverkehr spielt und viele gar nicht wissen, was das ist – zumal hierzulande oft Visa und MasterCard mit Kreditkarten gleichgesetzt wird und man bei Debitkarte lediglich an V-Pay, Visa Electron oder Maestro denkt –, ist das im Ausland nicht automatisch der Fall. Den Unterschied und den entsprechenden Kartentyp der eigenen Karte zu kennen kann bares Geld sparen.

(Es ist also ganz einfach: Visa Debit ist eine Karte, die überall akzeptiert wird, wo Visa akzeptiert wird. Alles, was mit Kreditkarten funktioniert (z.B. Reservierung eines Betrages oder Offline-Transaktion mit Magnetstreifen im Zug), aber nicht notwendigerweise mit den „klassischen Debitkarten“ wie Visa Electron oder Maestro, funktioniert auch mit Visa Debit, Meist hat eine Visa-Debit-Karte eine hochgeprägte Kartennummer, die Abrechnungsmodalität ist die einer Debitkarte, die Akzeptanzkosten sind für internationale Händler geringer.)

Fundstück heute: „Berliner Taxen müssen bald Kartenzahlung akzeptieren

Wermutstropfen: Die Strafgebühr von 1,50 Euro pro Kartenzahlung soll bleiben. (Offenbar lässt man sich lieber überfallen, als für die sichere Kartenzahlung zu trommeln.)

Und dennoch: Man merkt hier, wie verschlafene, staatlich geschützte Branchen sich plötzlich bewegen, wenn ein neuer Wettbewerber aktiv wird. Ob es nun Uber ist, wo grundsätzlich per Kreditkarte abgerechnet wird, oder der Fernbus, der der Deutschen Bahn derzeit massiv Beine macht – denken wir nur an das kostenlose WiFi in der 1. Klasse des ICE oder die kurzfristige Buchung von Sparpreisen.