Sie können die Mikrowelle natürlich so kaufen, aber dann ist kein Drehteller dabei. Entweder Sie bringen Ihren eigenen Drehteller mit oder Sie kaufen einen neuen bei uns, den gibt es aber nur, wenn Sie gleichzeitig einen neuen Kühlschrank kaufen, einzeln verkaufen wir den nicht.

Ein Gespräch im Elektro-Fachmarkt, das so oder so ähnlich verläuft, kann man sich wohl kaum vorstellen. Im öffentlichen Verkehr sind solche Geschäftspraktiken aber nicht unbekannt, und das Versprechen grenzenloser Mobilität mit der BahnCard 100 kann nur teilweise gehalten werden.

Kurz zu mir: Ich gebe pro Jahr ungefähr 2.500-3.000 Euro für Fahrten mit dem öffentlichen Verkehr aus. Bisher gingen, da ich ja studierte, rund 300 Euro pro Jahr für ein Semesterticket (Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, Stadttarif Berlin ABC) drauf. Der Rest waren dann größtenteils DB-Fernverkehrsfahrkarten (meist Sparpreise 2. oder gelegentlich auch der 1. Klasse, die bei früher Buchung oft nur wenige Euro teurer sind), Deutschland-Pässe, und ab und zu ein Länderticket oder Verbundfahrkarten aus anderen Regionen. Ich fahre bevorzugt Bahn, nur sehr selten nutze ich einen Fernbus oder fliege inländisch. Vielleicht ist auch der bahn.bonus comfort-Status ausschlaggebend, mit dem man dann auch ohne Fahrkarte in die DB Lounges kann.

Nun ja – jetzt dachte ich mir, eine BahnCard 100 könnte zum Berufseinstieg sehr nett sein. Sie kostet zur Zeit als Jahreskarte bei Einmalzahlung 4.090 Euro (2. Klasse) oder 6.890 Euro (1. Klasse) und bei Ratenzahlung 379 Euro bzw. 639 Euro monatlich. Rabatte für die üblichen Verdächtigen (Schüler, Studenten, Rentner, Schwerbehinderte…) gibt es, anders als etwa beim Generalabonnement der SBB, leider nicht, auch wenn Rüdiger Grube in einem Zeitungsinterview vor Jahren mal von Überlegungen gesprochen hat, einen Rabatt für Senioren einzuführen. Und wenn ich mir eine 2.-Klasse-BahnCard 100 holte, wäre die 1. Klasse für mich dauerhaft tabu, wenn ich nicht ein bahn.bonus-Upgrade nutzte oder die Normalpreisdifferenz bezahlte (die Kombination BC100 2. Klasse und BC50 1. Klasse darf nicht für einen vergünstigten Aufpreis angewandt werden).

Dann habe ich gesehen, dass eine Bahnagentur eine alternative Bezahlung auf Raten anbietet, die sie selbst vorfinanzieren und somit günstiger ist als bei der DB. Gut, als Berufseinsteiger hat man noch keine Reserven, also ein kurzer Mailwechsel. Aber nein, gute Bonität hin oder her, man würde dieses Produkt nur Kunden ab einem bestimmten Lebensalter anbieten! Aber gerne könne ich die BahnCard 100 zur Einmalzahlung bei ihnen erwerben. – Mal überlegen… – Ernsthaft? Danke, ihr mich auch. Die kaufe ich direkt bei der Bahn, dann bekommt ihr für euren Nicht-Service auch keine Vertriebsprovision.

Doch der dicke Hund kommt noch. Ich wohne in der VBB-Zone Berlin A und arbeite in der Zone Berlin B, und an meinen Arbeitsplatz fahren nur U-Bahnen der BVG und keine S-Bahnen, die man in jeder Zone (da DB-Tarif) mit der BC100 nutzen kann. Anders als in allen anderen Städten Deutschlands gilt die City-Ticket-Funktion jedoch nicht im gesamten Stadtgebiet, sondern nur in Zone A.

Es gibt einen Anschlussfahrschein Berlin für die Zone A oder C, für VBB-Zeitkarteninhaber der Preisstufen Berlin AB oder BC, für 1,60 Euro. Dieser gilt aber nicht für Zone B. Auf Anfrage beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg heißt es, die BahnCard 100 ist nicht ihr Produkt, so dass aus ihrer Sicht kein Bedarf für ein neues Produkt Anschlussfahrkarte Berlin B existiert. Grundsätzlich habe man nichts gegen eine Erweiterung des City-Tickets auf Berlin B, aber da müsse die Bahn auf den VBB zukommen. Ich schlussfolgere, dass ich also zusätzlich zur BahnCard 100 eine VBB-Jahreskarte brauche – die es natürlich nicht für Berlin B alleine gibt. Berlin AB (722,00 Euro) steht außer Frage, da ich sicher nicht für eine Zone doppelt bezahlen will. Also kommt zur Kalkulation eine Jahreskarte für Berlin BC (763,00 Euro), obwohl ich extrem selten nach C fahre. Auch hier ist die Lage in der Schweiz eine andere, wo das GA der SBB auch in vielen Verbundverkehrsmitteln auf der ganzen Strecke gilt.

Es geht also ums Geld. Da stehen zwei Giganten – VBB und DB – jeweils auf ihrem Hügel und starren sich an, beamtenmikadomäßig darauf wartend, dass der andere den ersten Schritt macht, und der Zuständigkeitsstreit vergrault den Beförderungsfall, der so oder so draufzahlt. Gut, es heißt zwar, dass BVG-Kontrolleure inoffiziell dulden.

Gerne hätte ich meine Ausgaben von 3.000 auf 4.090 Euro pro Jahr erhöht, um flexibel zu sein. Ich hätte sogar die gelegentliche 1.-Klasse-Fahrt geopfert – wie gesagt, oft ist der 1.-Klasse-Sparpreis nur etwa fünf bis zehn Euro teurer als der der 2. Klasse und man kann sich die Reservierung im Regelfall sparen, kann in der Lounge einen kleinen Snack einnehmen und bekommt Gratiszeitungen im Zug.

Aber knapp 5.000 Euro (4.853 Euro für die Kombination BC100 + Jahreskarte VBB Berlin BC) ist ein dermaßen großer Unterschied, dass es sich überhaupt nicht mehr lohnt. Ich werde also weiter mit Billigtickets durch die Gegend fahren, dem Gesamtsystem ÖV geht Umsatz durch die Lappen, aber das System will es offenbar so.

Veröffentlicht unter Bahn.

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