Oft besteht Bedarf danach, die Anzahl der Streckenkilometer zu bestimmen, die man mit der Eisenbahn zurücklegt. Sei es für ein Reisetagebuch, das man führen möchte, sei es, um zu bestimmen, ob man bestimmte Fahrkarten nutzen kann (etwa das Regio-Ticket Bayern, das Hopper-Ticket für Mitteldeutschland o.ä., die für Hin- und Rückfahrten im Nahverkehr bis 50 km gelten – diese Beschränkung hat mit dem Mehrwertsteuersatz zu tun, der nur bei Fahrten bis 50 km ermäßigte 7% beträgt).

Manchmal ist es auch erforderlich, einen Wegetext oder eine Raumbegrenzung zu bestimmen. Eine Normalpreis-Fahrkarte von Stuttgart nach Heidelberg könnte etwa den Text „VIA: BIET*VAI*BRT*BR“ beinhalten. Was bedeuten diese Kürzel? Und ein Sparpreis von Frankfurt (Oder) nach Berlin könnte den Wegetext „Über: NV*B-Hbf 6:47 ICE644“ haben, so dass sich – wenn man die gebuchte Reiseverbindung nicht zur Hand hat, sondern nur die aus dem Automaten ausgespuckte Fahrkarte – die Frage stellt, was denn die verkehrsüblichen Routen zwischen Frankfurt (Oder) und Berlin sind.

Trassenpreissystem: Mit der kostenlosen, jährlich aktualisierten Trassenpreisauskunft (für Windows) der DB Netz AG lassen sich Trassenkilometer bestimmen. Die Trassenkilometer entsprechen den Kilometern, die man tatsächlich zurückgelegt hat, sind jedoch von Tarifkilometern zu unterscheiden – z.B. ist Köln-Frankfurt über Limburg Süd tarifkilometermäßig länger als Köln-Frankfurt über Koblenz, obwohl es geografisch eine kürzere Distanz ist – um Komfort- und Fahrzeitunterschiede im Preis abzubilden.

Kursbuch der Bahn: Die Kursbuchtabellen auf kursbuch.bahn.de beziehen sich ebenfalls auf Streckenkilometer.

Zeitkarten bahn.de: Für Strecken bis ca. 400 Kilometer im Nah- und Fernverkehr, im Nahverkehr nur außerhalb von Verkehrsverbünden, lassen sich auf bahn.de/zeitkarten Wegetexte – detailliert, mit vergleichsweise vielen Leitpunkten – und Entfernungen bestimmen. Bei längeren Strecken wird die Auskunft verweigert, da Zeitkarten für zu lange Distanzen nicht ausgestellt werden, und der Nutzer wird auf den Erwerb einer BahnCard 100 verwiesen.

Entfernungsrechner: Es gibt einen internen Entfernungsrechner (PFFEB) für Strecken des Nahverkehrs in Deutschland. Dieser gibt Entfernungen in Tarifkilometern sowie den Wegetext für den Nahverkehr wieder, und zwar – wie auf Fahrkarten üblich – mit nur vier Leitpunkten.

Automat: Am NTA (Neuer Ticket-Automat) der DB erscheint unten ein Button „Tarifkilometer anzeigen“, wenn bei der Reiseauskunft „Nur Nahverkehr“ gewählt wird.

Tfv 603: Der Entfernungszeiger der Deutschen Bahn ist das klassische Fahrpreishandbuch, die Bibel für alle Tarifkundigen. Es ist Mitarbeitern im Reisezentrum sowie in DB-Agenturen zugänglich und kann auch gegen einen Obolus bei der DB Kommunikationstechnik GmbH in Karlsruhe auf CD-ROM bestellt werden. Es enthält ein Verzeichnis der Leitpunkte (Bahnhofsabkürzungen in Wegetexten), Kilometerangaben für viele Strecken, sowie vergleichsweise detaillierte Wegetexte für die wichtigsten Relationen. Jedoch sind die Angaben regelmäßig nur für den Nahverkehr relevant.

SCIC-NRT: Es gibt Fahrpreistabellen für internationale Fahrten aller europäischen Eisenbahnen, in denen im Regelfall auch Wegetexte und Tarifkilometer auch des Fernverkehrs enthalten sind. Auch diese sind nicht öffentlich einsehbar.

Jizdenka: Die tschechische Eisenbahn bietet diese internationalen SCIC-NRT-Preistabellen öffentlich in Online-Form unter http://jizdenka.idos.cz/IT.aspx?&Lang=69 an. Die Bedienung ist etwas gewöhnungsbedürftig, jedoch werden auch hier Wegetexte und Tarifkilometer angezeigt, wenn man das Formular ausfüllt und so seine Relation bestimmt bekommt. Die Preise sind die Höchstpreise nach SCIC-NRT (d.h. in Deutschland ICE-Preis). Einziger Nachteil ist, dass keine Vias eingegeben werden können (aufgrund der detailarmen Wegetexte – meist auch nur 4 Leitpunkte) ist dies nicht sinnvoll im Programm abbildbar, jedoch gehen so auch Alternativrouten (Köln-Frankfurt über Koblenz kennt das Programm daher nicht, nur Köln-Frankfurt über Limburg) verloren. Darüber hinaus funktioniert die Anwendung mangels kürzerer/regionaler Strecken in der Datenbank nicht immer korrekt – Bonn-Neuwied wird etwa über Bonn-Koblenz + Koblenz-Neuwied bestimmt, obwohl Neuwied aus Bonner Sicht vor Koblenz liegt.

In anderen Ländern sind die Gepflogenheiten andere. So kennt man in Großbritannien gar keine Wegetexte auf der Fahrkarte. Bei der britischen Eisenbahn werden lediglich Start, Ziel, Gültigkeit (z.B. „Any Permitted“, „Not London“) und Restriktionen („On Date Shown“, „As Advertised“ …) vermerkt. Erlaubt ist grundsätzlich die Fahrt auf dem der nach Maßgabe der auf der Fahrkarte angebrachten Restriktionen kürzesten Weg oder einem Zug, der als umstiegsfreie Verbindung zwischen Start und Ziel beworben wird. In allen anderen Fällen wird der National Routeing Guide zu Rate gezogen, um die entsprechenden Leitpunkte (Routeing Points) für die Relation und die zwischen ihnen erlaubten Wege zu bestimmen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe an Einzelfallregelungen (Easements), die die allgemeinen Regeln überlagern und – entgegen dem Wortsinne („Erleichterung“) – positiver (Reisende von X nach Y dürfen über Z reisen) oder negativer Art (Reisende von A nach B dürfen nicht über C reisen) sein können.

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