Die Verwertungsgesellschaft Wort ist nach eigener Beschreibung ein „Zusammenschluss von Autoren und Verlagen, der Tantiemen aus Zweitnutzungsrechten einnimmt und weitergibt“. Faktisch ein Monopolist, welcher Gebühren u.a. aus Pauschalabgaben für Drucker eintreibt. Nun mag man bereits dieses Konzept für überholt halten (persönlich halte ich es für grob unsozial). Jedoch gilt auch hier wie so oft im Leben „Don’t hate the player, hate the game“ – einen Vergütungsanspruch erwirbt jeder, der z.B. wissenschaftliche Aufsätze oder journalistische Beiträge verfasst.

Jedenfalls ist bereits seit rund zwei Jahren ein Rechtsstreit mit dem Urheberrechtler Martin Vogel über die Frage anhängig, ob den Urhebern pauschal ein Verlegeranteil von den Ausschüttungen abgezogen werden darf, aufgrund dessen die Auszahlungen 2012 und 2013 verzögert wurden. Am Umgang mit den Autoren und insbesondere den Verfahrensbeteiligten kann man die segensreichen Wirkungen eines Monopols betrachten.

Mit ihrer Kampagne „Wir geben 8 aufs Wort“ will die VG Wort sich verstärkt für die Rechte der Autoren und Verlage einsetzen.

Sie mögen 8 aufs Wort geben, auf die deutsche Sprache aber nicht unbedingt. Schaut man sich auf ihrer Seite um, entdeckte man bis vor wenigen Tagen schräge Formulierungen wie „Hauptausschüttung 2012 in 2013“ (inzwischen in „Hauptausschüttung 2013 für 2012“ bereinigt). Im T.O.M.-System (Texte online melden) geht es mit fehlenden Kommata weiter.

Screen Shot 2013-08-10 at 10.59.30

Screen Shot 2013-08-10 at 10.59.10

Oh ja, Kultur und so.

Da schaut man auf Spiegel Online, nichts Böses ahnend, und einem springt folgender, skandalisierende Bericht ins Auge: „Fassbrause: Biergeschmack ohne Alterskontrolle„.

Letztlich geht es darum, dass seit einigen Jahren westdeutsche Brauereien wie Gaffel, Krombacher oder Veltlins alkoholfreie Radler-Varianten unter dem Namen „Fassbrause“ auf den Markt gebracht haben. Angeblich ginge von ihnen eine Gefahr aus, da sich so Kinder an den Biergeschmack gewöhnen würden.

Als Berliner bedauere ich diese Entwicklung außerordentlich. Das Wissen um die traditionelle Fassbrause geht mehr und mehr verloren. Auch das knallbunte Getränk aus Torgau entspricht nicht der historischen „Sportmolle“, wie sie schon seit mehr als hundert Jahren in Berlin und seinem Umland genossen wird. Die Berliner Fassbrause ist ein Getränk auf Apfel-Malz-Basis mit goldener bis hellbrauner Farbe, welches keine typische Brause ist, sondern eher einer Limonade entspricht. Die größten Marken sind Rixdorfer, Spreequell (beide von Mineralquellen Bad Liebenwerda) und Brandenburger Quell. Sogar über den großen Teich soll es das Getränk als „Apple Beer“ geschafft haben.

371px-Fassbrause
Berliner Fassbrause – Bild (C) Achim Raschka @ Wikipedia

Es wird daher Zeit, die Berliner Fassbrause als geschützte geografische Angabe zu führen. Was Dresdner Stollen, Schwarzwälder Schinken und Nürnberger Würstchen schon seit längerem genießen, sollte auch der Berliner Fassbrause zuteil werden. Damit sie von den vielen Fassbrause-Imitaten aus dem Rest Deutschlands geschützt wird.

Gemäß Art. 5 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 510/2006 kann ein Antrag auf Eintragung nur von einer Vereinigung gestellt werden. Gibt es einen Verband Berlin-Brandenburgischer Getränkehersteller o.ä., der das übernehmen könnte?