Das soziale Netzwerk SchülerVZ soll am 30. April 2013 endgültig schließen. Die deutschen VZ-Netzwerke, zu denen auch StudiVZ und MeinVZ gehören, waren Mitte der 2000er – inspiriert vom Erfolg Facebooks in der englischsprachigen Welt – gestartet und genossen zeitweilig starke Popularität, haben aber in den letzten Jahren deutlich abgebaut.

Traurig finde ich es allemal. Seien es die Gruppen, oder die bekannten Forenspiele wie „Hot or not?„, „Der User unter mir: 1. Hopper 2. Emo 3. Punk 4. Goth 5. Skater. 6. Langweiler„. Es ist auch ganz lustig, sein eigenes Profil und damit früheres Ich mal wieder zu besuchen…

Letztlich ist Facebook einfach internationaler, und da sie sich auch immer mehr auf den deutschen Markt konzentriert haben, hatten sie damit den Vorteil, den StudiVZ schon aus strukturellen Gründen nicht haben konnte. Dazu war Facebook innovativer. Die Betonung der deutschen Datenschutzstandards hat StudiVZ auch nicht allzuviel gebracht. Dies ist allenfalls ein abstrakter Vorteil, der sich ja nicht konkret auf den Nutzeralltag niederschlägt.

Auch aus politischer Sicht ist das sehr interessant: Was ist von dem vielgerühmten deutschen Erfindergeist geblieben? Hier wurde das MP3-Format erfunden, das große Geld damit hat aber Apple mit dem iPod gemacht. Viele deutsche Internetunternehmer beschränken sich auf das Kopieren amerikanischer Geschäftsmodelle.

Nun gut, in einem ist Deutschland wirklich innovativ. Unseriöse Geschäftemacher – vor 10 Jahren die Betreiber von 0190-Dialern, heute die Abofallen – finden hier ein Paradies ohne staatliche Regulierung vor. Die Politik leidet an Wahrnehmungsstörungen und drischt nur auf „Raubkopierer“ ein. Die Rechtsprechung ist uneinheitlich und sorgt für Verunsicherung seitens der Verbraucher. Die Gesetzgebung schreibt allenfalls halbherzige „Button-Lösungen“ ins Gesetz, die schon bei Einführung obsolet sind und eher seriösen Händlern Kopfzerbrechen bereiten. Nur da, wo die Regulierung eigentlich gebraucht wird, verfehlt sie ihr Ziel.

Achja, ich wurde damals am häufigsten als Hopper, Skater, oder Langweiler bezeichnet. Wohlgemerkt, das ist auch schon mehr als fünf Jahre her. Gute alte Zeiten…

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