Neulich bin ich auf zwei Fotos gestoßen. Nein, sie sind nicht aus dem dunklen Mittelalter, sondern ich habe sie Anfang 2007 im Eingangsbereich eines Kinos in der Nähe des Stuttgarter Hauptbahnhofs geschossen. Die will ich euch natürlich nicht vorenthalten, da sie zeitgeschichtlich sehr wertvoll sind.

Man lasse sich das mal auf der Zunge zergehen:
AUFZEICHNUNGSVERBOT – Diese Filmvorführung wird zur Vermeidung unbefugter Aufzeichnungen überwacht. Mit Ihrem Besuch erklären Sie sich damit einverstanden, kein Aufzeichnungsgerät in den Kinosaal mitzubringen. Ferner stimmen Sie einer Durchsuchung Ihrer mitgeführten Taschen, Tüten, Rucksäcke etc. einschließlich einer Leibesvisitation nach Aufnahmegeräten zu. Sollten Sie versuchen, den Aufführungsraum mit einem Aufnahmegerät zu betreten, wird man Ihnen den Zutritt untersagen. Für den Fall Ihres Versuchs der Inbetriebnahme eines Aufnahmegeräts sind Sie damit einverstanden, dass Sie unverzüglich aus dem Kinosaal verwiesen werden und das Gerät entschädigungslos einbehalten wird.“ (Hervorhebung durch den Autor)

Das Kino ist übrigens seit Dezember 2007 geschlossen. Aber irgendwie trauere ich dem nicht nach.

Das waren finstere Zeiten, als Netzpolitik noch kein Begriff war und keine liberale Justizministerin an der Macht war und sich gegen die Vorratsdatenspeicherung stellte. Mittlerweile erkennt selbst EU-Kommissarin Neelie Kroes, dass „Copyright“ oft nur noch als ein Mittel zur Repression angesehen wird. Der ursprüngliche Sinn, Künstler zu entlohnen, ist vollkommen ins Hintertreffen geraten.

Und auch der „Bundestrojaner“ mit seinen vielen Missbrauchsmöglichkeiten ist kein ausschließliches Nerd-Thema mehr, sondern wird öffentlich und in den Massenmedien diskutiert. Ich freue mich darüber, dass in den letzten Jahren solch ein Bewusstseinswandel eingetreten ist. Jetzt können die drängenden Probleme angepackt werden.

Wie einige Leser wissen, studiere ich Jura, und zwar im Schwerpunktbereich Verbraucherprivatrecht. In einer Vorlesung wurde uns nahegelegt, das Buch AGB-Recht von Martin Schwab zu erwerben.

Auf Amazon.de kostet es 49 Euro, mit kostenfreier Lieferung. Aber dann schaute ich auf Amazon.co.uk, und war überrascht. Dort ist der Preis für ein und dasselbe Buch nur £30.90, was 36,11 Euro entspricht.

Mit den Versandkosten nach Deutschland, die £4.98 betragen, und dem deutschen Mehrwertsteuersatz von 7%, entsprechend £2.51, waren es insgesamt £38.39, also 44,87 Euro. Ja, die schlauen Briten haben einen 0%-Steuersatz auf Bücher, denn sie wollen gebildete Bürger, nicht so wie bei uns – aber wenn man ins EU-Ausland bestellt, muss der Händler stets den Mehrwertsteuersatz des Ziellandes berechnen.

Also immer noch eine Ersparnis von vier Euro. Deutsche Bücher sind also in Großbritannien billiger als in Deutschland. Zumindest manche.

Die Krönung des Ganzen war aber, dass das Buch als Paket offenbar vom deutschen Amazon-Versandzentrum Bad Hersfeld per DHL verschickt wurde. Das Buch wurde offenbar von Deutschland nach Deutschland exportiert – aber der formale Umweg über UK hat mir den Rabatt beschert. Der Fairness halber müssen wir erwähnen, dass die Rechnung von amazon.co.uk statt von amazon.de kam.

Schuld an dieser irrwitzigen Situation ist die sogenannte Buchpreisbindung. Sie ist im Gesetz über die Preisbindung für Bücher (Buchpreisbindungsgesetz, BuchPrG) von 2002 gesetzlich festgeschrieben.

Nun mag die Motivation sehr edel sein, die „kleinen Händler“ zu schützen. Allerdings fällt mir kein Grund ein, Bücher anders zu behandeln als etwa Lebensmittel. Da käme auch niemand mehr auf die Idee, einen Einheitspreis gesetzlich vorzuschreiben. Auch wenn es da wahrscheinlich noch wichtiger ist, kleine Händler in der Nachbarschaft zu haben.

Die Folge ist nämlich, dass findige Kunden ihre Produkte aus dem EU-Ausland bestellen. Das ist zollfrei, und die Kaufkraft fließt ins Ausland ab. Das ist aber auch mehr als nur nachvollziehbar – und deswegen sollte diese nach Planwirtschaft anmutende deutsche Regelung sofort abgeschafft werden.

Nachtrag: Auch die italienische Seite von Amazon verkauft deutschsprachige Bücher deutlich billiger.